Radio Primavera

Seit 1985 bringen wir Sie mit guter Musik und den aktuellsten Informationen aus den Landkreisen Aschaffenburg, Miltenberg und dem angrenzenden Rhein-Main-Gebiet gut durch den Tag.
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Seit 25 Jahren Lokalradio
Radio Primavera schreibt Rundfunkgeschichte
Der Anfang
Als Lothar Steigerwald 1985 mit dem Lokalrundfunk in Berührung kam, war er – wie so viele Privatradiopioniere der damaligen Zeit – ein klassischer Quereinsteiger. Der studierte Betriebswirtschaftler kam aus dem Bankwesen und gehörte zu jener kleinen Keimzelle von 10 bis 15 engagierten Machern, die in Bayern das neue Medienzeitalter einläuteten. Sie brachten kaufmännische Erfahrungen mit, die gut dafür waren, die neuen Sender auf ein solides ökonomisches Fundament zu stellen. Programmlich sorgten damals junge und frische Berater dafür, dass die neuen Lokalsender hörbar anders als die tradierten Radioprogramme des angestaubten Bayerischen Rundfunks klangen. Wir haben auch – was damals noch eine Sensation war – gleich im Selbstfahrerbetrieb begonnen“, erinnert sich der heutige Geschäftsführer des Funkhauses Aschaffenburg Lothar Steigerwald an die Pioniertage. „Nach einer vierstündigen Sendung war man klitschnass geschwitzt, jeder Spot und jeder Jingle waren auf einer eigenen Cartridge und mussten rechtzeitig abgefahren werden. Jede Platte musste „eingecued“ werden, was eine besondere Herausforderung werden konnte, wenn nach einer Single mit 33er Geschwindigkeit eine 40er LP laufen sollte.“ Durch Zufall bekamen die Privatfunker in Aschaffenburg ihre Lizenz schon sehr früh – nach Charivari in München und der Neuen Welle in Nürnberg. Los ging es in den Jahren 1984/85 als reines Kabelradio mit nur sehr wenigen Hörern. Gemeinsam mit Gerd Penninger, dem heutigen Geschäftsführer vom Funkhaus Regensburg, machte Lothar Steigerwald die Morgensendung. Sie teilten Moderation und Nachrichten untereinander auf.
Frequenzsplitting und Pioniergeist
Wie an fast allen neuen Lokalfunkstandorten in Bayern bekamen zunächst mehrere Anbieter eine Frequenz zugewiesen. Die Aufteilung der Sendezeit zwischen den Veranstaltern führte nicht selten dazu, dass die Hörer schnell den Überblick verlieren konnten. In Aschaffenburg erhielten zunächst vier Anbieterblöcke die Lizenz, von denen sich zwei, die Neue Welle Aschaffenburg sowie die Radio A GmbH, jedoch noch vor Sendestart zusammenschlossen und somit die Hälfte der Sendezeit beanspruchen konnten. Zu jeweils einem Viertel sendeten die Welle Untermain als Ableger der örtlichen Tageszeitung und die Anbietergemeinschaft Radio Aktuell (ARA). Beide gaben jedoch bis 1990 auf, sodass gut drei Jahre nach Sendestart am 15. Mai 1987 nur noch ein Programm zu hören war.
Radio Primavera etabliert sich im Sendegebiet
Da die einzigen Wettbewerber in und um Aschaffenburg zu dieser Zeit aber hr 3 und Bayern 3 waren, konnte das neue Programm quasi konkurrenzlos starten. Bei den Moderatoren standen zunächst nur Quereinsteiger hinter dem Mikrofon, die über Inserate gekommen waren, weil sie etwas anderes machen wollten oder ihnen ihr vorheriger Beruf zu langweilig geworden war. Grundvoraussetzungen waren eine gute Stimme sowie eine solide Allgemeinbildung. So manch bekannter Name ist seine ersten Radioschritte in Aschaffenburg gegangen. Britta Wiegand, heute bei hr4 zu hören, und Jochen Bendel, der später im Fernsehen mit „Ruck Zuck“ bekannt wurde, kamen direkt von der Schule ins Primavera-Funkhaus. Später waren auch die heutigen FFH-Moderatoren Johannes Scherer und Daniel Fischer mit dabei. Neben vielen Nachrichtenleuten, die heute deutschlandweit tätig sind, war der Aschaffenburger Lokalfunk auch Talentschmiede für spätere Geschäftsführer wie Werner Jerono beim Franken Fernsehen oder Christian Noll bei baden.fm in Freiburg sowie Gudrun Gehl, die heute als Chefredakteurin beim NRW-Lokalradio in Mönchengladbach arbeitet. ANTENNE- und Bayern 3-Moderator Dirk Rohrbach, Basti Müller und Kristof Kien von SWR 3 und Constanze von Haza-Radlitz, die heute Nachrichten bei SWR 4 spricht, ergänzen die Ehemaligenliste von Primavera.
Positionierung als „Wohlfühlradio“
Seit 2007 ist Radio Primavera Deutschlands erstes „Wohlfühlradio“ – damit verabschiedet sich der Lokalsender von den gängigen Claims und will durch ein in sich schlüssiges Musik-Programm die Menschen überzeugen. Wichtig ist, dass die Titel in unseren Wohlfühlsound passen. „Wir haben eine kleine Reform gemacht, die aber eine große Wirkung erzielt. Die Hörer erwarten nichts Spektakuläres sondern ein verlässliches, klar erkennbares Programm.
Hier sind Erfahrungswerte gefragt und wir greifen auf Mustertitel zurück, die 1:1 unsere Philosophie repräsentieren“, erklärt Lothar Steigerwald. Auch bei der Moderation gilt das klare Credo, dass sich der Moderator dem Programm unterzuordnen hat – nicht umgekehrt. Bei uns geht es nicht um Selbstdarstellung sondern um eine Tagesbegleitung, das heißt kurze Infos mit Servicecharakter stehen im Vordergrund“, so der Geschäftsführer.
Namensgebung von Primavera
Nicht unerwähnt bleiben soll zum Schluss die Namensfindung für das neue Privatradio, die vor 25 Jahren anstand. „Wir haben uns damals darauf verständigt, dass wir etwas mit vielen Vokalen und möglichst drei Silben suchen wollten“, erinnert sich Lothar Steigerwald. Moderatorin Gaby Kiesgen schlug damals „Primero“ vor, weil das neue Programm der erste Lokalsender im Sendegebiet war. Die Idee entwickelte sich weiter zum wohlklingenden „Primavera“, die italienische Bezeichnung für „Frühling“. Daran anlehnend hieß die neu gegründete Lokalzeitung dann „PrimaSonntag“, was einerseits eine Produktaussage ist, andererseits eine Anlehnung an das Radioprogramm erkennen lässt. „Eine ortstypische Bezeichnung mit Lokalkolorit zu nehmen hätte nicht funktioniert, da es keinen Überbegriff für die gesamte Region gibt“, sagt Lothar Steigerwald.
(Textauszug aus RADIOJournal 01/2010, Autor: Stefan Förster)



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