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Ehemaliger Hanauer Handball-Nationalspieler versteigert Olympia-Medaille

05.04.2022, 19:55 Uhr in Ukraine
050422 Hanau HSG Silbermedaille Mike Paul

HANAU. Eine ganz seltene Gelegenheit bietet sich derzeit allen sportaffinen Sammlern. Der ehemalige Handball-Nationalspieler Michael „Mike“ Paul versteigert aktuell seine Silbermedaille von den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles zugunsten der Ukraine. Auf der Webseite des Handball-Drittligisten HSG Hanau www.hsghanau.de (Pauls Jugendverein TS Steinheim ist neben dem TV Kesselstadt Gründerverein der HSG) können Interessenten unter der Mail-Adresse [email protected]
ihr Angebot abgeben. Der am Ende Meistbietende erhält diese Rarität, die es so nicht zu kaufen gibt. Die HSG Hanau ist der erste Verein Deutschlands, der auf der Trikotbrust für die Bundesinitiative "Demokratie leben!" wirbt.

Der Erlös geht an das vom Hanauer Marc Merges initiierte „Hautevolee Hilfsprojekt Ukraine“ oder nach Absprache mit dem Gewinner an ein ausgesuchtes Hilfsprojekt für die Ukraine. Nach drei Tagen steht das aktuelle Höchstgebot bei 2500,- Euro. Die Versteigerung läuft noch bis zum 21. April 2022 (20 Uhr).

„Ich empfinde es als ganz schrecklich, was im 21. Jahrhundert mitten in Europa passiert“, sagt Paul. Selbst Vater zweier Töchter (25 und 18 Jahre alt), kann sich der heute 60-jährige kaum vorstellen, wie es ist, nur mit dem nötigsten Hab und Gut bepackt aus einem Kriegsgebiet fliehen zu müssen. „Da habe ich mir irgendwann gedacht ‚Mensch, da musst du doch irgendwie helfen’.“ Schnell ist bei Paul der Gedanke gereift, seine Silbermedaille zu versteigern. „Ich schwimme nicht im Geld, aber die Versteigerung ist etwas, dass ich tun kann“, sagt der frühere Rückraumspieler, der für die SG Dietzenbach und den TV Großwallstadt in der Bundesliga spielte.

Sich von der Medaille und dem Ergebnis seines größten sportlichen Triumphs zu trennen, falle Paul durchaus schwer. „Natürlich hat die Medaille für mich undefinierbaren ideellen Wert. Andererseits bringt es mir auch nichts, sie im Schrank rumliegen zu haben.“ Zusätzlich motiviert aktiv zu werden, haben ihn die Taten der Klitschko-Brüder Vitali und Wladimir. „Sie haben genug Geld und könnten weggehen, irgendwo in Sicherheit leben. Meine Hochachtung davor, dass sie in der Ukraine bleiben und ihr Land verteidigen.“ Paul hofft, dass auch seine Aktion anderen Menschen als Vorbild dient und weitere Hilfsaktionen ins Leben gerufen werden.

Hintergrund:
Mit dem Gewinn einer Medaille der deutschen Handballer hatte 1984 niemand gerechnet. Die Auswahl der Bundesrepublik hatte die sportliche Qualifikation verpasst und rückte als Lückenfüller nach, weil Sowjetunion, DDR, Polen, Ungarn, Tschechoslowakei und Kuba die Spiele in den USA boykottierten. Als die Nachricht der Nachnominierung bei dem Team des Deutschen Handballbundes (DHB) eintrudelte, befand sich die Mannschaft von Bundestrainer Simon Schobel im Trainingslager. Bis das DHB-Team Olympisches Silber ausgehändigt bekam, war es ein weiter Weg. In der Vorrunde setzte sich Deutschland gegen Südkorea, die USA, Schweden und die favorisierten Spanier und Dänen durch und stand gegen den Titelfavoriten aus Jugoslawien im Finale. Das verlor Deutschland ganz knapp mit 17:18, durfte sich aber über Silber freuen.


Quelle: HSG Hanau