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Obertshausen sucht neue Feuerwehr-Spitze

26.07.2022, 15:59 Uhr in Blaulicht
20220726 Feuerwehr
Leith Aissa (links) mit Bürgermeister Manuel Friedrich. Foto: Christina Schäfer

OBERTSHAUSEN. Als dritter Stadtbrandinspektor in Obertshausen hatte Leith Aissa seinen Dienst am 17. September 2019 gemeinsam mit seinem Stellvertreter Andy Glaw angetreten. Nun verlassen die beiden engagierten Feuerwehrleute auch gemeinsam die Spitze der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Obertshausen. Kürzlich haben Leith Aissa und Andy Glaw bei Bürgermeister Manuel Friedrich um Auflösung des Ehrenbeamtenverhältnisses zum 30. September gebeten. Die Entscheidung ist dem eingespielten Team nicht leichtgefallen und doch haben sie diese aus persönlichen Gründen getroffen. Beide sind Feuerwehrleute aus Leidenschaft und wollen auch künftig die Wehren in der Einsatzabteilung unterstützen.

„Ich bedauere diese Entscheidung von Leith Aissa und Andy Glaw sehr. Sie sind sehr engagiert und haben in den vergangenen Jahren in großem Maße zur Entwicklung der beiden Stadtteilwehren beigetragen“, sagt Bürgermeister Manuel Friedrich. „Ich habe sie immer als sehr zuverlässig in Gesprächen und im Einsatz wahrgenommen. Und gerade weil es ihnen aus persönlichen Gründen nun nicht mehr möglich ist, in dem Maße für die Feuerwehr da zu sein, wie es ihres Erachtens nach erforderlich wäre, haben die beiden nun um die Auflösung des Ehrenbeamtenverhältnisses gebeten.“

Gewählt wurden die beiden Feuerwehrmänner von ihren Kolleginnen und Kollegen im Jahr 2019 bei der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Obertshausen. Der bisherige Stadtbrandinspektor Markus Widczisk trat aus persönlichen Gründen nach 25-jähriger Führungsarbeit in verschiedenen Funktionen nicht mehr zu Wahl an.

Bereits als stellvertretender Stadtbrandinspektor hat Leith Aissa zuvor schon Erfahrungen unter der Leitung von Markus Widczisk gesammelt. Er kennt die Feuerwehr von klein auf: Schon im Alter von elf Jahren kam Leith Aissa zu den Floriansjüngern. Ab 2000 unterstützte er das Betreuerteam der Jugendfeuerwehr, 2003 wurde er zum Jugendwart gewählt. 2011 wählten ihn die Mitglieder zum Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Obertshausen. 2016 übernahm Leith Aissa auch das Amt des stellvertretenden Stadtbrandinspektors. Insgesamt sind das mehr als elf Jahre in Führungspositionen bei der Feuerwehr. Ebenso im Berufsleben übernimmt er Verantwortung als Führungskraft.

„Bei mir gibt es nur 0 oder 1 – ganz oder gar nicht. Meine aktuelle Situation gibt es nicht mehr her, ganz für die Feuerwehr da zu sein, wie ich es gern möchte. Deswegen gab es in dieser Situation leider für mich nur diese eine Entscheidung gegen die Führungspositionen in der Feuerwehr“, erklärt Leith Aissa.

Auch seinen Stellvertreter Andy Glaw hat die Leidenschaft für die Feuerwehr schon früh erfasst. Bei der Jugendfeuerwehr Offenbach begann 1996 das Hobby. Später wechselte er zur Freiwilligen Feuerwehr Bieber. Aus dem Hobby wurde Beruf: Andy Glaw war bei der Berufsfeuerwehr Offenbach im Einsatz. Jetzt hat es ihn beruflich in die Rhön gezogen. Seit 26 Jahren gehört die Feuerwehr zu seinem Leben. Außerdem übernahm Andy Glaw das Amt des Wehrführers in Hausen.

Leith Aissa und Andy Glaw legen nun auch gleichzeitig ihr Amt als Wehrführer nieder. Auch Dennis Schauk tritt einen Schritt zurück und von seinem Amt als stellvertretender Wehrführer in Hausen zurück.

„Ohne an dieser Stelle auf die persönlichen Gründe eingehen zu wollen, ist der Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr im Ehrenamt kein leichter Job. Alle drei haben ihren Job immer gut für das Wohle Obertshausens gemacht. Ich kenne die Beweggründe von Leith Aissa, Andy Glaw und Dennis Schauk und ich kann sie nachvollziehen – auch wenn hier nun eine große Lücke an Engagement und Wissen an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr entsteht“, betont Bürgermeister Manuel Friedrich voller Anerkennung.

Das Ehrenamt bei der Feuerwehr ist kein leichtes. Retten, bergen, löschen, schützen – das ist das Aufgabengebiet der Feuerwehrleute. Zur Tages- und auch zur Nachtzeit rücken die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer aus und setzen sich für ihre Stadt und für ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger ein. Und wenn neben dem Beruf das Ehrenamt ruft, hat die Familie zu Hause oft das Nachsehen. Ihre Einsätze sind oft kräftezehrend.

Nicht nur im Stadtgebiet rücken sie an, wenn Hilfe gebraucht wird, auch Hilfeleistungen auf der Autobahn 3 auf 16,6 Kilometern gehören regelmäßig zum Einsatzplan. Das ist für die Obertshausener Einsatzkräfte ein zusätzliches Einsatzgebiet im Gegensatz zu den Kolleginnen und Kollegen der Nachbarstädte Rodgau, Heusenstamm und Mühlheim. Da ist Fitness und seelischer Halt in der Mannschaft gefragt.

Viele zusätzliche Herausforderungen mussten die Feuerwehrleute auch durch Corona bewältigen: So fielen regelmäßige Treffen zum Austausch und Übungen aus. Darunter hat auch die Kameradschaft gelitten. Kontakt hatten die ehrenamtlichen Helfer meist nur bei den Einsätzen. Einige haben sich in dieser Zeit anderen Ehrenämtern vermehrt zugewandt oder auch einfach die Freizeit genossen. So haben sich auch die Einstellungen zum anstrengenden Ehrenamt Feuerwehr teilweise verändert.

Und auch Corona selbst hat vor den Einsatzkräften nicht Halt gemacht, einige leiden noch heute unter den Folgen der Erkrankung. Dies erschwert den Einsatz.

Neben vielen kleineren Einsätzen kommen aber auch vereinzelt Großbrände, wo die Obertshausener Einsatzkräfte auch in den Nachbarkommunen unterstützen. Aktuell beschäftigen auch zahlreiche Waldbrände die Feuerwehren. All dies leisten die Kameradinnen und Kameraden im Ehrenamt und tragen damit eine besondere Last neben dem eigentlichen Beruf.

„Und so zeigt diese Bilanz auch, dass es dringend notwendig ist, mehr Entlastung für das Ehrenamt zu schaffen“, betont Bürgermeister Manuel Friedrich.

„Wir danken den engagierten Feuerwehrkräften für ihren Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Obertshausen“, sagt Erster Stadtrat Michael Möser. „Leith Aissa, Andy Glaw und auch Dennis Schauk verlassen zwar die Feuerwehrspitze, aber nicht die Feuerwehr. Die Mannschaft ist gut aufgestellt und ein neues Leitungsteam hat die Chance, in die Fußstapfen der engagierten Führungskräfte zu treten.“

Neu zu besetzen sind nun die Stellen als Stadtbrandinspektor, stellvertretender Stadtbrandinspektor sowie drei offene Positionen in den Wehrführungen zum 1. Oktober. Über die personellen Veränderungen ist auch Kreisbrandinspektor Dr. Ralf Ackermann informiert. Gemeinsam wollen Kreis, Stadt und Feuerwehren nach einer gemeinsamen Lösung suchen, damit auch weiterhin die Obertshausener Wehr gut aufgestellt ist und gestärkt ausrücken kann.

Quelle: Stadt Obertshausen

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