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Ukraine-Hilfswelle im Primaveraland: Geld- und Sachspenden

Topnews
01.03.2022, 06:09 Uhr in Ukraine
010322 ukraine hilfe

PRIMAVERALAND: Eine Welle der Hilfsbereitschaft für die Kriegsopfer der Ukraine ist angerollt. Spendenkonten werden eingerichtet, wie zum Beispiel von der Stadt Hanau, oder auch vom Roten Kreuz. In Aschaffenburg hat der Center-Manager der City Galerie, Ragnar Cornelius, eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Auch aus privatem Antrieb, denn Cornelius hat neun Jahre in der Ukraine gearbeitet und viele private Kontakte dorthin. In einem offenen Brief schreibt Cornelius über erschütternde Details, die ihm Freunde und Geschäftspartner aus der Ukraine berichtet haben.

Private Initiativen stellen Hilfstransporte auf die Beine. In Langenselbold und Wächtersbach werden gerade Verbandsmaterial, medizinische Geräte und Konserven gesammelt. Sie sollen am Freitag mit zwei gebrauchten Geldtransportern ins Kriegsgebiet gefahren werden, abgegeben werden können die Güter bei "Motorland Hessen" in der Gelnhäuserstraße 15 in Langenselbold. Behörden versuchen derweil, Wohnraum zu finden für die erwarteten Kriegsflüchtlinge. Der Kreis Miltenberg bittet um die Bevölkerung, Wohnraum kurzfristig zur Verfügung zu stellen. Auch im Kreis Aschaffenburg läuft die Suche nach Unterkünften auf Hochtouren. Gesucht werden auch Menschen, die ukrainisch oder russisch sprechen und daher sprachvermittelnd helfen können und möchten.

Das Klinikum Aschaffenburg-Alzenau spendet Medikamente und Verbandsmaterial im Wert von 20.000 Euro. „Die aktuelle Situation in der Ukraine macht uns, genau wie alle andern, derzeit tief betroffen“, schildert Klinikums-Geschäftsführer Sebastian Lehotzki die Situation. „Auch einige unserer Mitarbeiter kommen aus der Ukraine oder haben dort Familie.“

Wer selbst gerne helfen möchte, kann sich auch auf folgender Seite informieren: https://ichmoechtehelfen.de/la...

Ragnar Cornelius' offener Brief:

Die Ukraine kämpft für Europa.

Liebe Aschaffenburger und Aschaffenbürgerinnen,

ich heisse Ragnar Cornelius, bin Center Manager in der City Galerie Aschaffenburg. In den letzten 30 Jahren habe ich 9 Jahre in der Ukraine gelebt und gearbeitet. Lviv (Lemberg) ist meine zweite Heimat geworden. Ich habe viele gute Freunde in der Ukraine gewonnen und habe aber auch Verwandtschaft dort. Meine Frau ist Ukrainerin.

Viele meiner Bekannten aus Lviv konnten flüchten, sie hatten Glück, die Grenze ist nur 80 km entfernt. Meine Verwandten und Freunde aus Kyiv konnten nicht mehr fliehen, aber viele von ihnen wollen das auch nicht. Sie wollen ihr Land und ihre kranken Familienangehörigen nicht verlassen, sie wollen kämpfen.

Am Donnerstag, am ersten Tag des Überfalls, haben viele Ukrainer nicht verstanden, was passiert ist. Sie waren schockiert.

Am Freitag haben viele Ukrainer geweint.

Am Samstag haben sich tausende Freiwillige gemeldet, um die ukrainischen Verteidiger zu unterstützen.

Am Sonntag kämpften die Ukrainer, heute kämpfen sie, morgen und übermorgen werden sie kämpfen.

Eine Freundin, noch gestern eine erfolgreiche Geschäftsführerin, konnte nicht rechtzeitig aus Kyiv rausfahren, jetzt steckt sie in einem Dorf mit ihren drei Töchtern fest. In diesem Moment spielt es keine Rolle, wer woher kommt, ob es prominente Menschen sind oder eine kranke alte Frau aus dem zerfallenen Dorf, die Ukrainer stehen zusammen.

Eine andere Freundin stellt mit Nachbarinnen kistenweise Molotovcocktails her. Ihr Mann ist beim Militär, er sitzt im Schützengraben bei Kyiv, er kämpft. Unsere Familienangehörige errichten und bewachen Checkpoints. Auch ein guter deutscher Freund, Geschäftsführer und Besitzer einer Sicherheitsfirma, der seit vielen Jahren in Kyiv lebt, hat sich bei der Bürgerwehr gemeldet und steht mit einem Karabiner, ohne Schutzkleidung, an einem Check-Point. Ich weiss nicht, ob ich ihn wiedersehen werde.

Eine andere Freundin ist mit 35 Jahren Witwe geworden. Sie hat drei Töchtern: 8J, 6J, und 3 Monate alt. Sie kämpft für ihre Kinder.

Es bricht uns das Herz, wenn unsere Verwandtschaft am Hörer weint und die Großeltern sich von uns verabschieden.

Diese letzten 4 Tage waren für uns wie 4 Jahre.

Vielleicht fragt sich der eine oder andere, weshalb ich dies alles schreibe. Ein guter Bekannter von uns, der in Deutschland lebt, rief uns sofort an, und sagte, er hat auch Angst um seine zwei Kinder in Deutschland. Er findet, dass die Ukraine die Waffen niederlegen soll.

STOP!!!!

Ich möchte Ihnen alle sagen, dass das Ukrainische Volk an seine Männer glaubt, an seine Helden und an seinen Präsidenten. Der beste Präsident in 30 Jahre der Unabhängigkeit. Sie stehen alle zusammen. Mehrere von unseren Familienangehörigen verbringen Nächte in Tiefgaragen, Kellern und Bunkern. Keiner hat bis jetzt gesagt, dass sich jmd. gestritten o.Ä hat., alles verläuft ruhig, alle unterstützen sich gegenseitig.

Für die Ukrainer, und auch für mich, ist es nur schwer zu verstehen, warum Deutschland so zögerlich den Ereignissen hinterherläuft, sich an den Sanktionen, zum Teil nur unter Druck von Aussen, beteiligt. Es steht in keiner Relation, dass Deutschland Bedenken für seine Gasversorgung hat und dafür in der Ukraine Menschen sterben.

Die Ukraine kämpft für Europa, für die westlichen Werte wie Demokratie und Freiheit! Denn nichts Anderes wollen auch die Ukrainer! Treten Sie der russischen Propaganda entgegen, dass alles nur von Amerika gesteuert wird. Es sind die Menschen in der Ukraine, die weiterhin in Demokratie und Freiheit leben wollen. Sie wollen nicht in dem Gesellschaftssystem Putins leben!

In den russischen Medien darf das Wort „Krieg“ nicht verwendet werden. Die russischen Soldaten, viele unter 20 Jahre alt, kommen ahnungslos in das Land, wussten nicht, dass sie in der Ukraine eingesetzt werden. Sie sind der Überzeugung, dass sie das ukrainische Volk von einer „faschistischen Diktatur“ befreien. Die Ukrainer wollen von Ihnen aber nicht befreit werden. Sie stellen sich mit lebendigem Leib den Panzern entgegen. Tausende gefallene russische Soldaten werden nicht mal in Särgen in ihre Heimat zurückkehren können. Diese Bilder wird Putin um jeden Preis vermeiden wollen, ja müssen. Mobile Krematorien sorgen auf russischer Seite, dass sich die russischen Mütter, nicht von ihren gefallenen Söhnen verabschieden können.

Einige von euch haben bereits gespendet, einige waren vielleicht auf Demonstrationen gegen den Krieg in der Ukraine. Einige werden sicherlich noch etwas tun. Egal wie, setzen Sie bitte Ihre Zeichen! Helfen Sie!

Sie können es sich nicht vorstellen, wieviel Mut es den Ukrainern gibt, zu sehen, wie die ganze Welt aufsteht, um für die Sanktionen gegen Russland zu kämpfen, um den Krieg zu stoppen.

Gestern, zum Beispiel, haben uns so viele Ukrainer einen Dank ausgesprochen, für die 100.000 Menschen am Brandenburger Tor.

Wenn Sie helfen wollen, aber noch nicht wissen wie, dann bitte ich Sie das ukrainische Volk mit einer Spende zu unterstützen.

Gerne können Sie an die offiziell bekannten Adressen in Deutschland wie ARD oder RTL spenden, dort erhalten Sie eine Spendenbescheinigung.

Wenn Ihnen bei diesen Adressen die Verwendung der Gelder zu allgemein gehalten ist, dann gibt es auch die Möglichkeit direkt in die Ukraine zu überweisen. Empfänger ist Prof. Ivan Soroka, Bank: Privat 24, IBAN: UA37 3052 9900 0002 6201 76. Ivan Soroka ist Präsident der ukrainischen Ärzteschaft. Die Spendengelder werden für Medikamente und medizinische Ausrüstung verwendet. Diesen Kontakt und die Bitte zum Spenden erhielt ich von dem deutschen Geschäftsmann, der mit einem Karabiner Check-Points bewacht. Hier gibt es keine Spendenbescheinigung.

Eine weitere Möglichkeit gibt es, den Verein Sonetschko Kinderheimhilfe Ukraine e.V. zu unterstützen. Der Verein ist in Aschaffenburg ansässig und unterstützt seit Jahren ein Kinderheim in der Nähe von Zaporoshia. Dieses Kinderheim hat bereits am 2. Kriegstag weitere 100 Kinder aus der Stadt Melitopol aufnehmen müssen. Melitopol wurde bereits durch die Russen besetzt. Der Verein hat seine eigene Homepage www.sonetschko.de, Die Bankverbindung: DE86 7955 0000 0008 5090 51 , Sparkasse Aschaffenburg. Von diesem Verein erhalten Sie auch eine Spendenbescheinigung.

Ich habe einen solchen Aufruf noch nie verfasst. Die letzten 4 Tage haben mich aufgewühlt und hilflos hinterlassen, haben mir ein schlechtes Gewissen gemacht, dass ich die Chance habe in Frieden zu leben und das ukrainische Volk, meine Freunde und Verwandten, nur 1.500km von hier entfernt, in Luftschutzbunkern sitzen, Bombenhagel ertragen müssen und Menschen sterben sehen.

Deshalb wende ich mich an Sie!

Helfen Sie der Ukraine!

Ich bedanke mich bei Ihnen von ganzem Herzen für jede Hilfe für das Ukrainische Volk.

Slava Ukrayini!

Mit friedlichen Grüssen

Ragnar Cornelius

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