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„Obacht, Opi!“ oder (Ge)Fahranfänger?

13.02.2022, 06:00 Uhr in News
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+++ Junge Menschen sorgen für mehr Unfälle +++ Jeder dritte Verkehrstote über 65 +++ Wer stellt die größere Gefahr dar? +++

BAYER. UNTERMAIN (mg). Eine 82-jährige Alzenauerin, die gegen eine Hauswand fährt, weil sie von der Bremse auf das Gaspedal abgerutscht ist - eine 79-jährige Seniorin, die in Wörth an den geschlossenen Bahnschranken vorbeifährt und von einem heranrauschenden Zug mit viel Glück nur gestreift wird und ein alkoholisierter 77-Jähriger, der zuerst den Außenspiegel eines geparkten Autos beschädigt und daraufhin die Anhalte-Signale der Polizei missachtet und seine Fahrt Richtung Autobahn fortsetzt. Diese Vorfälle stammen alle aus den letzten vier Wochen und haben im PrimaSonntag-Land wieder die Debatte entfacht, ob es ab einem gewissen Alter eine erneute Fahreignungsprüfung geben sollte.

Aber verursachen ältere Menschen wirklich mehr Unfälle? Oder stechen sie nur mehr aus der Masse heraus? Wolfgang Lieberth, Verkehrsexperte beim ADAC Nordbayern, klärt uns auf: „Entgegen der weitverbreiteten Meinung, dass die Gruppe der älteren Autofahrenden überdurchschnittlich viele schwere Unfälle verursacht, zeigt die Unfallstatistik ein anderes Bild.“ Laut dem Statistischen Bundesamt haben im Jahr 2020 Menschen ab 65 Jahre 17,5 Prozent der Unfälle mit Personenschaden verschuldet, die von Pkw-Fahrenden verursacht wurden. Also weniger Unfälle, als ihrem Bevölkerungsanteil von rund 22 Prozent entsprechen würden. „Ältere zeichnen sich in der Regel durch einen an die Situation angepassten und vorausschauenden Fahrstil aus: Sie meiden riskante Manöver und halten größeren Abstand. Mit einem derart besonnenen und selbstkritischen Fahrverhalten können altersbedingte Leistungseinbußen häufig ausreichend kompensiert werden“, so der Experte.

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Wolfgang Lieberth, Verkehrsexperte ADAC Nordbayern

„Die sieben risikoreichsten Jahre“

Die Polizei Unterfranken beschreibt in ihrer aktuellen Unfallstatistik die 18 bis 24-Jährigen im Straßenverkehr als „die sieben risikoreichsten Jahre“. „Fahranfänger zwischen 18 und 24 Jahren sind in fast ein Drittel aller Verkehrsunfälle verwickelt - und damit fast doppelt so oft wie Autofahrer ab 25 Jahren“, erklärt der ADAC-Experte. Die Hauptgründe sieht er in der geringen Erfahrung im Straßenverkehr, der Selbstüberschätzung und einer schlecht ausgewogenen Gefahren- und Risikoeinschätzung. Er würde es befürworten, wenn „der Lernzeitraum durch Angebote außerhalb der Ausbildung in der Fahrschule verlängert wird.“ Das spiegelt aber nicht das Meinungsbild der Bevölkerung wieder: Eine deutschlandweite Umfrage ergab, dass über 85 Prozent der Nutzer sich für eine verpflichtende Fahreignungsprüfung ab dem 70. Lebensjahr aussprechen. Der ADAC spricht sich wiederum für eine freiwillige regelmäßige Untersuchung aus - man sollte das eigene Fahrverhalten kritisch reflektieren und Weiterbildungsangebote annehmen. „Bei gesundheitlichen Problemen und daraus resultierenden möglichen negativen Konsequenzen für die Teilnahme am Straßenverkehr sollten Arzt und Patient im vertraulichen Gespräch klären und eigenverantwortlich lösen.“ Vor allem in den Familien sollte dieses sehr sensible Thema regelmäßig besprochen und kritisch überprüft werden – bei Jung und Alt.

Das sagen PrimaSonntag-Leser

Sandra Müssig aus Aschaffenburg

„Ich finde nicht, dass es zwingend einen Führerschein-Test für alle geben sollte, sondern, dass das an gewissen Indikatoren festgemacht werden sollte. Jedoch sehe ich Senioren als die größere Gefahr, da Fahranfänger aufmerksamer sind.“

Heidrun Sahm aus Aschaffenburg

„Ich finde, Senioren sollten ab 75 bis 80 einen Führerscheintest machen. Die Reaktionen sind einfach nicht mehr gut. Fahranfänger sind aber auch gefährlich, weil sie so schnell fahren.“

Uwe Schmidt aus Mainaschaff

„Ich bin der Ansicht, dass ab einem Alter von 75 Jahren ein Test durchgeführt werden sollte. Die Gefahr von jungen Menschen im Straßenverkehr und Menschen ab 75 sehe ich etwa gleich.“

Inge Elbert aus Aschaffenburg

„Ich finde, es sollte keinen verpflichtenden Test geben. Nur einen freiwilligen. Und ich sehe Fahranfänger als die größere Gefahr.“

Hans Lehmair aus Obernburg

„Ich finde nicht, dass es einen generellen Test geben sollte. Wenn es den geben würde, hätte ich aber kein Problem, mich dem Test nochmal zu unterziehen. Die Gefahr zwischen Senioren und Fahranfängern auf der Straße sehe ich als gleich an.“

Lara Junker aus Aschaffenburg

„Ich bin dafür, dass Senioren ab circa 85 einen Führerscheintest machen. Ich fühle mich bei meiner kleinen Schwester im Auto wohler - und die ist Fahranfängerin - als bei meinen Großeltern.“

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