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Angst vor dem Mega-Blackout?

11.01.2026, 06:30 Uhr in PrimaSonntag
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BAYER. UNTERMAIN (ps). Kein elektrisches Licht, keine Kommunikation, keine Heizung und einkaufen gehen ist auch nicht möglich:Ein sogenannter „Blackout“ kann tausende Haushalte treffen und eine Region schlagartig ins Mittelalter zurückversetzen.Zuletzt hatte der Sabotageakt einer linksextremistischen Gruppierung in Berlin dafür gesorgt, dass 45.000 Haushalte tagelang ohne Strom auskommen mussten – und das bei klirrender Kälte. Ein solcher „Katastrophenfall“ kann theoretisch jederzeit auch hier eintreten. Aber wie gut sind wir gerüstet? Welche Möglichkeiten haben unsere Einsatzkräfte und wo bekommen Bürger im Ernstfall Hilfe?

Ein sogenannter „Blackout“ kann aus verschiedenen Gründen entstehen. Sabotage, technische Störungen oder heftige Stürme können dafür sorgen, dass großflächig der Strom ausfällt. Ein solcher Zustand kann Stunden andauern aber auch, wie kürzlich in Berlin, Tage. Das stellt Behörden und Einsatzkräfte vor große Herausforderungen. „Es ist eher unwahrscheinlich, dass uns ein so gravierender Blackout trifft aber Berlin zeigt, dass es passieren kann. Und wir müssen auf alles vorbereitet sein“, stellt der Miltenberger Kreisbrandrat Martin Spilger klar. „Bei einem weitgreifenden Stromausfall funktioniert schon nach zwanzig bis dreißig Minuten kein Telefon und kein Internet mehr.“ Aber auch bei einem Stromausfall müssen Brände gelöscht und medizinische Notfälle versorgt werden.

Miltenberg im „Stresstest“
„Im April 2022 und im August 2024 hatten mehrere Gemeinden im Kreis Miltenberg einmal für 22 Stunden und das andere Mal für 26 Stunden keinen Strom, weil Bäume auf wichtige Leitungen gefallen waren“, so Spilger. Betroffen waren damals Amorbach, Kirchzell und Weilbach. „Zehn Minuten Stromausfall kriegen wir alle hin aber wenn es dann mal einen ganzen Tag ist, sieht man mal wie wichtig der Strom ist. Zum Beispiel, wenn dann die Wasserversorgung zusammenbricht.“ Es gebe Einsatzkonzepte, die regeln, was bei einem langanhaltenden Blackout passieren muss. „Man braucht Notstromaggregate für die Feuerwehrhäuser. Dafür benötigt man Treibstoff auf Vorrat, denn auch die Tankstellen funktionieren bei einem Stromausfall nicht mehr.“ Alle zwei Jahre werde im Kreis Miltenberg ein „Stresstest“ für den langanhaltenden Blackout durchgeführt. „Wir tun so, als wäre Stromausfall und testen alle Rückfallebenen. Das war zuletzt im November 2025, da haben zahlreiche Gemeinden, Feuerwehren und das THW im Kreis Miltenberg mitgemacht. Jeder wusste, wo er so steht in den ganzen Planungen“, erklärt Martin Spilger.

„Wir sind ganz ausgezeichnet aufgestellt“
Das Aschaffenburger Landratsamt teilt uns auf Nachfrage mit, dass auch kleinere Gefahrenlagen unterhalb der Schwelle zum Katastrophenfall - wie beispielsweise die Giftwolke über Mainaschaff - Anlass genug seien, um in Einsatzbereitschaft versetzt zu werden. „Es lässt sich sagen, dass sich die stets intensive Vorbereitung und regelmäßige Übung verschiedener Szenarien auszahlt und das Landratsamt in Sachen Katastrophenschutz ganz ausgezeichnet aufgestellt ist. Der Landkreis und die Feuerwehren halten außerdem für verschiedene Szenarien Gerätschaften und Materialien bereit.“ Alle Feuerwehrhäuser im Landkreis Aschaffenburg sind mit Notstromaggregaten ausgestattet, so dass sie beleuchtet und geheizt werden können. „Wegen dieser ‚Beleuchtung‘ werden sie auch Leuchtturm genannt“, erklärt uns Frank Wissel, Aschaffenburger Kreisbrandrat. „Bei einem Stromausfall, der länger als 15 Minuten dauert, besetzen die Feuerwehren im Landkreis ihre Feuerwehrhäuser. Der Kreis Aschaffenburg hat außerdem zehn Notstromaggregate gekauft.“

Der rettende Leuchtturm
Die Versorgung von Patienten gehört zu den größten Herausforderungen während eines Blackouts. „Im Falle eines Stromausfalls springen automatisch drei Notstromaggregate an und versorgen das Klinikum mit Strom“, erklärt uns Arian Ayazpoor, Sprecher des Klinikums Aschaffenburg-Alzenau. „Die Aggregate werden mit Diesel betrieben. Unser Dieselvorrat reicht für die Stromversorgung des Klinikums über einen Zeitraum von bis zu drei Wochen aus.“ Die Notstromaggregate werden außerdem monatlich getestet und von einer externen Firma gewartet. Der Kreis Miltenberg setzt ebenso wie der Kreis Aschaffenburg auf das „Leuchtturmkonzept“. „In unserem Alarmplan ist unter anderem festgelegt, dass an den Feuerwehrgerätehäusern im ganzen Landkreis Notrufe abgesetzt werden und sie als erste Anlaufstelle für betroffene Personen dienen“, teilt uns das Landratsamt Miltenberg mit. „Dort kann man warmes Essen, Getränke, medizinische Versorgung, Decken sowie in Notfällen eine Übernachtungsmöglichkeit bekommen.“ Es zeigt sich: Glücklicherweise ist ein flächendeckender, langanhaltender Blackout unwahrscheinlich - trotzdem wissen unsere Behörden und Einsatzkräfte, was zu tun ist, wenn es doch einmal dazu kommen sollte.

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Einsatzkräfte beraten sich wegen des Stromausfalls im August 2024 in Weilbach/Weckbach und Kirchzell. (Foto: Kreisbrandinspektion Miltenberg)