Abschied mit Augenzwinkern
Eine Beerdigung, bei der niemand weinen muss? Genau das gibt es bei der Bembelbeerdigung in Aschaffenburg. Statt schwarzer Kleidung und gedrückter Stimmung stehen hier vor allem gute Laune, Tradition und jede Menge Humor im Mittelpunkt. Hinter der ungewöhnlichen Idee steckt Alexander Kunkel vom Apfelweinkönig in Aschaffenburg. Dort wird jedes Jahr ein großer Bembel symbolisch zu Grabe getragen – als Abschluss der Saison der beliebten Apfelwein-Heckenwirtschaft. Was zunächst nach einem traurigen Anlass klingt, ist in Wirklichkeit eine große Liebeserklärung an die Apfelweinkultur und an die Menschen, die jedes Jahr wiederkommen. Mit Trauermarsch, Musik und vielen gut gelaunten Teilnehmern wurde auch in diesem Jahr wieder ein ganz besonderer Abschied gefeiert. Die Idee zur Bembelbeerdigung hat Alexander Kunkel vor rund sieben Jahren übernommen – inspiriert von einer ähnlichen Tradition. Seitdem ist die Veranstaltung für viele Gäste ein fester Termin. Doch ganz ohne Emotionen geht es nicht: Nach vier Monaten Heckenwirtschaft heißt es für Alexander Kunkel und sein Team Abschied nehmen. Jeden Abend Gäste bedienen, gemeinsam lachen und viele Stammgäste begrüßen – genau das macht für ihn den besonderen Reiz aus. „Man hat natürlich ein lachendes Auge und ein weinendes Auge, weil es so schön ist jeden Abend mit den Leuten“, erzählt Alexander Kunkel. In diesem Jahr war die Bembelbeerdigung größer als je zuvor. Ein Video über die Veranstaltung wurde im Vorfeld tausende Male angesehen und brachte viele neue Besucher zum Apfelweinkönig. Aus einer Veranstaltung für Stammgäste wurde plötzlich ein Treffpunkt für Menschen aus der ganzen Region. Der Bembel steht dabei natürlich nicht wirklich für ein Ende – sondern vielmehr für Geselligkeit, Erinnerungen und die Freude daran, gemeinsam Zeit zu verbringen. So wurde auch in diesem Jahr wieder eine ungewöhnliche Beerdigung gefeiert, bei der am Ende vor allem eines bleibt: viele lachende Gesichter. Doch Alexander Kunkel blickt nicht nur auf die vergangene Saison zurück – er schaut auch schon auf die nächste. Denn eine Sache wird für den Apfelweinkönig immer schwieriger: gute Äpfel zu bekommen. Deshalb hat er einen Wunsch an alle Besitzer von Streuobstwiesen und Apfelbäumen: Wer Äpfel übrig hat, darf sie gerne beim Apfelweinkönig vorbeibringen. Kunkel appelliert, die Früchte nicht automatisch an große Keltereien abzugeben, sondern die regionale Apfelweinkultur zu unterstützen. Denn jeder Apfel hilft dabei, dass auch in Zukunft solche besonderen Traditionen wie die Bembelbeerdigung weiterleben können.