"Das ist hier schon echt ein Schandfleck!"

BAYER. UNTERMAIN (lb/ld). Anfang Januar bot sich in vielen Kommunen in den Kreisen Aschaffenburg und Miltenberg ein Bild der Verwüstung vor Altglas-Containern. Leere Wein- und Sektflaschen stapelten sich davor, Bewohner wussten nicht mehr, wohin mit ihrem Altglas - von Abholservice keine Spur. Nach mehreren Beschwerden griffen jetzt sogar die Landratsämter ein.
Seit dem 1. Januar 2024 ist die Firma Weisgerber aus Wächtersbach für die Altglas-Container im Kreis Aschaffenburg zuständig. Zum Jahresbeginn 2026 hat der Betrieb zusätzlich die Aufstellung der Dosencontainer und die Entsorgung gelber Säcke im Kreis Aschaffenburg übernommen und kümmert sich jetzt auch um die Altglascontainer im Kreis Miltenberg - beauftragt von den „dualen Systemen“. Diese werden bereits beim Kauf eines verpackten Produkts mitbezahlt und beauftragen lokale Entsorgungsunternehmen mit dem Recycling oder der Entsorgung der entsprechenden Verpackung. Bei der aktuellen Ausschreibung erhielt Weisgerber den Zuschlag, doch der Wechsel von Werner zu Weisgerber lief nicht reibungslos ab. Immer wieder kam es zu überfüllten Containern, die vorerst nicht abgeholt wurden.
Flaschenberge im Keller
Besonders schlimm war die Lage unter anderem in Goldbach. Dort haben sich mehrere Bewohner über die Zustände beschwert: „Es steht wahnsinnig viel nebendran. Das ist hier schon echt ein Schandfleck“, äußert sich eine Goldbacherin. Inzwischen wurden die Container dort zwar geleert, einige wussten zeitweise aber gar nicht, wo sie die Flaschen und Dosen noch lagern sollen: „Ich habe meine Gläser wieder mitgenommen und gewartet, bis die Container wieder leer waren. Bis dahin ist das Altglas bei mir im Keller geblieben“, erzählt uns ein Betroffener. Außerdem sind noch nicht alle Container geleert worden. In Großostheim beispielsweise waren die Weisgerber-Container Mitte der Woche noch bis zum Rand gefüllt.
Landratsämter schreiten ein
Nachdem auch bei den Landratsämtern mehrere Beschwerden eingegangen sind, wurden die aktiv. Sowohl der Kreis Aschaffenburg, als auch Miltenberg hat die dualen Systeme und den Entsorger Weisgerber über die Zustände informiert und aufgefordert, die Container zu leeren: „Dies ist aktuell bereits erfolgt, nachdem der Landkreisverwaltung von Bürgerinnen und Bürgern sowie kreisangehörigen Gemeinden überfüllte Container unter anderem in den Gemeinden Großwallstadt, Collenberg, Wörth, Bürgstadt und Großheubach gemeldet wurden“, so das Landratsamt Miltenberg. Das Landratsamt Aschaffenburg wendete sich Anfang der Woche mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit: „Derzeit kommt es gleich an der Mehrzahl der Standorte dazu, dass Altglas und Dosen neben den Containern abgestellt werden, weil diese bereits voll sind. Daher hat das Landratsamt nun sowohl den Auftraggeber als auch dessen Auftragnehmer wiederholt zu mehr Nachdruck bei der Verbesserung der Abfuhrleistung aufgefordert und konkrete Maßnahmen verlangt.“
Was sagt Weisgerber?
Für die vollen Container zu Beginn des Jahres gibt es gleich mehrere Gründe, wie uns Sebastian Eberl, Betriebsleiter bei Weisgerber, telefonisch mitteilte. Über Weihnachten und Silvester habe sich viel Glas angesammelt. Dazu haben sich viele Mitarbeiter im Urlaub befunden. Nach den Feiertagen sei dann noch das winterliche Wetter erschwerend dazugekommen. Als Brennpunkte nennt Sebastian Eberl vor allem stark frequentierte Bereiche wie beispielsweise Container an Supermärkten. Eine weitere Tätigkeit kommt noch dazu: Aktuell ist die Firma beschäftigt, neue Dosencontainer im Kreis Aschaffenburg aufzustellen.
Das Dosen-Dilemma
Bei der Dosenentsorgung gibt es für den Bayerischen Untermain kein einheitliches System. Während die Dosen im Kreis Miltenberg über gelbe Säcke entsorgt werden, gibt es für die Stadt Aschaffenburg die gelbe Tonne und für den Kreis Aschaffenburg separate Dosencontainer. Bis zum Jahreswechsel wurden die noch von Werner geleert. Anschließend hat die Firma den Auftrag bekommen, die rund eintausend Container abzuholen. In einer Stellungnahme heißt es: „Eine Aufgabe die selbstverständlich möglich, aber trotz sorgfältigster Planungen auch zeitintensiv ist. Der Dezember ist ein Monat mit einem hohen Abfallvolumen und damit es für die Bürgerinnen und Bürgern zu keinem Engpass bei den Entsorgungsmöglichkeiten kommt, wurde ein Behälterabzug im letzten Jahr möglichst vermieden. (…) Im Landkreis Aschaffenburg wurde diese Woche mit der Abholung der Dosencontainer begonnen. In der Gemeinde Großostheim und deren Ortsteilen konnten bereits alle Behälter abgezogen werden. Aktuell holen wir die Sammelbehälter in der Gemeinde Kleinostheim und Karlstein ab. Bis zum Ende der Kalenderwoche 6 sollen alle Sammelbehälter zu unserem Betriebsgelände zurückgeholt werden.“
Besserung in Sicht?
Bei den Altglas-Iglus im Kreis Miltenberg ist die Firma Werner aktuell schon weiter – sie wurden inzwischen alle abgeholt. Auch die Firma Weisgerber ist zuversichtlich, das Problem schnell in den Griff zu bekommen. Die neuen Dosencontainer sollten nun überall stehen. Bis zum Ende der nächsten Woche sollen dann auch die restlichen Container geleert werden. Langfristig hofft Sebastian Eberl, dass sich bei der Abholung der gewohnte Rhythmus einspielt. Die Container, die besonders schnell voll sind, sollen künftig häufiger angefahren werden. Allerdings muss die Firma Weisgerber erstmal Erfahrung sammeln. Für diese Zwischenphase sollen sich Bewohner per E-Mail unter [email protected] oder telefonisch unter der 0800-2278336 melden, falls die Container wieder voll sind.