HÖSBACH (jg). Es ist 3 Uhr morgens und der Wecker klingelt. Der Blick aus dem Fenster zeigt eine dicke Schneeschicht auf den Straßen und im Raum steht die Frage, wie man es zur Arbeit schaffen soll. Genau dann sind sie im Einsatz – die Helfer vom Streudienst. Aber was genau macht der Räumungsdienst eigentlich alles? Und wie viel Salz wird für die Arbeiten benötigt? PrimaSonntag-Reporter Justin Glockauer hat den Selbst- und Härtetest gemacht und war mit dem Streuteam vom Hösbacher Bauhof unterwegs.
Der Arbeitstag unseres Reporters begann an jenem Tag bereits um fünf Uhr in der Früh. Schon die Anfahrt von Feldkahl nach Hösbach hatte es in sich. Die winterlichen Bedingungen ließen auf dem Kahlgrund Highway stellenweise kaum mehr als 20 km/h zu. An der Kreuzung zur A3 wurde es auch schon richtig heikel – die letzten Meter ging es rutschend und nur mit ganz viel Gefühl bis zum Bauhof. „Dieser Winter fordert uns besonders“, erzählt Bauhofsleiter Reiner Müller. So große Schneemengen habe er in seiner gesamten Laufbahn noch nicht erlebt. Nach einer kurzen morgendlichen Lagebesprechung mit dem eingeteilten Bereitschaftsdienst und der ersten Tasse Kaffee hieß es bereits: raus auf die Straße und ins Schneegetümmel.
Der Fuhrpark
Der Bauhof ist für alle gemeindlichen Strecken und Fußwege zuständig. Das bedeutet, dass alle Straßen, die zur Gemeinde Hösbach gehören, von ihnen gestreut und somit sicher gemacht werden müssen. Außerdem ist er für Kindergärten, Schulen, Bushaltestellen und die Wege zu den Läden und ins Rathaus zuständig. Um diese Aufgabe rechtzeitig zu bewältigen, stehen insgesamt fünf Fahrzeuge bereit, die regelmäßig mit Streumaterial beladen werden. Bei Justins Einsatz wurden die Fahrzeuge auch noch zusätzlich angepasst. „Wenn es viel geschneit hat und die Straße unter dem Schnee noch glatt ist, dann fahren wir auch mit Schneeketten, um bestimmte Wege überhaupt hochzukommen“, heißt es vom Bauhofchef.
25 Tonnen Salz
Mitfahren durfte Justin bei Timo Dreger, der an diesem Morgen einen LKW mit Streusalz steuerte. „Pro Fuhre verstreuen wir ungefähr drei Tonnen Salz. In diesem Winter haben wir schon ein komplettes Silo mit rund 25 Tonnen verbraucht“, erzählt Timo Dreger während der Fahrt. Sein Einsatzgebiet umfasst die Straßen in Hösbach, Hösbach-Bahnhof, Sand und Winzenhol. Rechnet man die Strecke zusammen, kommt er eigentlich auf rund sieben Kilometer. „Bei so einer Wetterlage kann es aber gut sein, dass ich am Ende des Tages fast 100 Kilometer gefahren bin“, sagt Dreger. Denn jede Straße müsse mindestens zweimal abgefahren werden, damit sie wieder sicher befahrbar ist. Damit dabei nichts vergessen wird, liegt im Fahrerhaus ein detailliertes Streuprotokoll. Es stellt sicher, dass wirklich jede Straße berücksichtigt wird – ohne Ausnahme. „Wir fahren überall rein, wo wir mit dem Fahrzeug Platz haben“, erklärt Dreger. Das Streuschild am LKW ist rund 2,80 Meter breit, theoretisch ließen sich damit alle Straßen räumen. In der Praxis gibt es aber auch Hindernisse. „Manchmal stehen Autos ungünstig am Straßenrand. Dann kommen wir leider nicht überall durch.“ Doch diese Straßen werden in der Regel dann bei darauffolgenden Fuhren wieder mit befahren.
Der Weg ist das Ziel
Während die Fahrbahnen von den Streufahrzeugen gesichert werden, kümmern sich sogenannte Fußtruppen um die Gehwege in Hösbach. Damit auch dieser Teil des Winterdienstes sichtbar wird, schloss sich unser Reporter Bauhofsleiter Reiner Müller an. Unterwegs war er mit einem Sprinter, beladen mit Schneeschaufeln und Streusalz. „Das ist körperlich schon sehr anstrengend“, erklärt Müller. Los geht es oft noch im Dunkeln, dazu kommt der festgetretene Schnee, der sich nicht immer einfach zur Seite schieben lässt. Wie fordernd diese Arbeit wirklich ist, bekam Justin schnell selbst zu spüren. Kaum bei der Fußtruppe angekommen, wurde ihm eine Schaufel in die Hand gedrückt. Was zuvor noch leicht aussah, entpuppte sich rasch als echte Knochenarbeit. „Die Jungs vom Bauhof lassen das so einfach wirken – das geht ganz schön in die Arme und den Rücken“, stellte der Reporter fest. Nach rund vier Stunden war die erste Tour geschafft. Ein Blick auf die Uhr zeigte: Es war gerade einmal neun Uhr morgens. Für viele beginnt der Tag dann erst – für unseren Reporter ging es erschöpft, aber mit großem Respekt für die Arbeit des Bauhof-Teams, zurück ins Funkhaus.
