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Rekordhoch der Fahrradunfälle

12.03.2023, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
KW10 Fahrrad

BAYER. UNTERMAIN (mz/jm). Egal ob Auto, Fahrrad, Motorrad oder E-Scooter - unsere Straßen werden immer voller. Und je Menschen unterwegs sind, desto größer ist auch die Unfallgefahr. Belege für diese Vermutung lieferte nun die Verkehrsunfallstatistik des Polizeipräsidiums Unterfranken. Besonders im Fokus: Radfahrer. Einen neuen Höchstwert erreichte die Anzahl der Fahrradfahrunfälle. Über 1.300 verletzte Radfahrer im vergangenen Jahr. Doch was sind die Gründe für den Anstieg und wo ist es unserer Region besonders gefährlich?

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Tino Fleckenstein, Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club

„Oft fehlt ein Radweg oder er ist in einem desolaten Zustand“, berichtet Tino Fleckenstein, Vorstand Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Aschaffenburg-Miltenberg. Er beobachtet die steigenden Verkehrszahlen im Radverkehr. „Das bedeutet bei fehlender oder unzureichender Infrastruktur dann eine entsprechende proportionale Zunahme der Unfallzahlen.“ Etwa ein Drittel der Radunfälle sind Alleinunfälle. Hier spielen schlechte Radwege mit baulichen Schäden, ohne Beleuchtung oder sonstigen Mängeln eine Rolle. Dazu sei der Autoverkehr auf einem hohen Niveau. Vorfahrtverletzungen durch den Kraftverkehr waren gerade in Aschaffenburg 2020 und 2021 stark als Unfallursache vertreten. „In der Stadt Aschaffenburg wird mittlerweile einiges unternommen“, erklärt Fleckenstein. „Die Zahlen der Radunfälle sind recht stabil, so um die 90 bis 120 pro Jahr. Das ist bisher ein Erfolg.“ Im Kreis gäbe es allerdings einige Schwerpunkte, die in den Unfallkarten immer wieder auftauchen. Eine genaue Bewertung wie in der Stadt erfolgte dort bisher nicht. Dennis Handt, Vorsitzender des Verkehrsclub Deutschland Aschaffenburg-Miltenberg, nimmt die Niederlande als lobenswertes Beispiel. „Trotz sehr vieler Radfahrer ist die Zahl der Todesfälle und Schwerverletzten gering.“ Zudem würden wissenschaftliche Studien zeigen, dass Autofahrer primär auf für sie gefährliche Verkehrssituationen achten. „Da fällt der Radfahrer halt raus“, erklärt Handt. „Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass es noch nicht genug Fahrradfahrer gibt und diese nicht präsent genug sind.“

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Dennis Handt, Verkehrsclub Aschaffenburg-Miltenberg

„Radwege müssen
sicherer werden“
Von der Politik wünscht sich Handt eine bessere Verfügbarkeit und Qualität der Rad-Infrastruktur. „Breite und gut ausgebaute Radwege, das kann aber auch die Beleuchtung oder der Oberflächen Belag sein“. Tino Fleckenstein fordert Tempo 30 innerorts und Tempo 70 außerorts bei fehlendem Radweg. Laut dem ADFC sind Problemstellen zu einem hohen Maße im Kontext mit Bundes- und Staatsstraßen zu sehen, dabei dann insbesondere mit deren Ortsdurchfahrten. „Das aktuell ins Laufen kommende Volksbegehren ‚Radentscheid Bayern‘ greift diese Themen auf“, erklärt Fleckenstein. „Bayerns Radwege müssen sicherer werden.“ Der Radentscheid Bayern hat das Ziel, Verkehrsunfälle mit schweren Personenschäden oder Todesfolgen zu verhindern. Hierfür sei eine fehlerverzeihende Infrastruktur sowie mehr geschützter Raum für den Fuß- und Radverkehr unerlässlich. Dass dieses Thema in der Politik noch zu wenig Aufmerksamkeit erhält, zeigt auch das dieswöchige Radforum vom Kreis Miltenberg. „Vom Landratsamt hat es wohl keiner für nötig gehalten zu erscheinen“, ärgert sich ein Besucher.


Auch E-Scooter brauchen
Kennzeichen
Doch immer Menschen lassen das Fahrrad in der Garage stehen und legen sich stattdessen einen E-Scooter zu - zum Leidwesen ihrer Mitmenschen. Viele sind genervt von den hohen Geschwindigkeiten und der dadurch steigenden Unfallgefahr. Und obwohl auf unseren Straßen immer mehr elektrisch unterwegs sind, scheinen noch viele Wissenslücken zu existieren. Jeder E-Scooter braucht ein eigenes Kennzeichen. Ohne Zulassung auf unseren Straßen zu düsen, kann ziemlich teuer enden. Eine saftige Geldstrafe oder Gefängnis bis zu einem Jahr sieht der Gesetzgeber vor.

Diese Stellen sind besonders gefährlich

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Stockstadt: Kreuzung Großostheimer Straße/Hessenstraße

Im Oktober des letzten Jahres kam es hier zu einem Unfall zwischen einem Rad- und einem PKW-Fahrer. Glücklicherweise kam es nur zu leichten Verletzungen. Welche Gefahr diese Stelle darstellt, zeigt allerdings der vergangene Montag. Hier musste ein Radfahrer nach einem Unfall auf der Großostheimer Straße ins Krankenhaus.

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Großostheim: Kreuzung Aschaffenburger Straße/Schönbornstraße

Auch an dieser Stelle wurde ein Radfahrer schwer verletzt. Als der Fahrer auf Höhe der dortigen Tankstelle nach links abbiegen wollte, erfasste ihn ein PKW.

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Kleinheubach: Kreuzung Dientzenhofer Straße/Im Mittelgewann

Im Januar fuhr ein Fahrradfahrer die Straße in Richtung Miltenberg entlang. Als auf Höhe der Dientzenhoferstraße plötzlich ein Kleintransporter in den Kreuzungsbereich einfuhr, musste der Fahrradfahrer voll abbremsen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Der Fahrer stürzte hierbei über seinen Lenker und verletzte sich dabei.


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Kahl am Main: Kreuzung Forststraße/Hanauer Landstraße

Auch hier kommt es immer wieder zu Unfällen. Ein Autofahrer übersah die Frau auf dem Rad und erfasste sie. Die Fahrradfahrerin musste mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus.

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Aschaffenburg: Würzburger Straße

Die Würzburger Straße war schon oft Schauplatz schlimmer Fahrradunfälle - zuletzt im Oktober 2022. Bei unserer Umfrage nannte ein Anwohner den dortigen Fahrradweg ein „Himmelfahrtskommando“.

Weitere gefährliche Stellen laut ADFC und VDC:

  • Ortsdurchfahrt Stockstadt im Ortskern
  • St 3308 in Karlstein
  • Kahl im generellen u.a. auch die Ortsdurchfahrt
  • Alzenau, Hanauer Straße
  • Großheubach, Ortsdurchfahrt

Das sagen unsere Leser

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Sigrid Krebs aus Aschaffenburg

„Ich denke, das liegt hauptsächlich an den E-Bikes. Viele können die Geschwindigkeit einfach nicht richtig einschätzen. Aber da sind natürlich auch die Autofahrer beteiligt, die die Geschwindigkeit etwas unterschätzen.“

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Sigrun Schlüchter aus Alzenau

„Das hängt vermutlich mit den E-Bikes zusammen. Ich fahre selber eins und bin selber mal über den Lenker abgestiegen. Der Wechsel von einem normalen Bike auf ein E-Bike wird von vielen unterschätzt.“

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Bernhard Brückner aus Hösbach

„Es sollte beiderseits Rücksicht genommen werden. Oft genug fahren Rad- und Autofahrer beide sehr rücksichtslos. Wobei ich sagen würde, dass die Schuld eher bei den Autofahrern liegt.“

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Sabine Schmitt aus Leiedersbach

„Ich denke, die Fahrradwege sind zu stark befahren weil es mittlerweile einfach zu viele Fahrradfahrer gibt. Wir fahren Rad im Wald, da sind nicht so viele unterwegs, da fühlen wir uns sicher.“

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Roland Brendler aus Aschaffenburg

„Die Politik tut einfach zu wenig für uns Radfahrer. Es gibt genug Fahrradwege, die einfach im Nichts enden. Ich habe hier in Aschaffenburg sehr schlechte Erfahrungen gemacht.“