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Bienen verbinden Fachbereiche am Campus Dieburg

31.07.2026, 14:47 Uhr in Kreis Darmstadt-Dieburg
310726 Dieburg Bee Lab 17

DIEBURG. Kameras beobachten den Flugverkehr, Sensoren messen die Bedingungen im Bienenstock und Studierende entwickeln neue technische Lösungen: Am Campus Dieburg der Hochschule Darmstadt ist mit dem Bee Lab ein außergewöhnliches Außenlabor entstanden. Die Bienen sind dabei nicht nur Forschungsobjekte, sondern Ausgangspunkt für Projekte aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen. „Jede Person bei uns an der Hochschule Darmstadt, die gerne etwas mit den Bienen machen möchte, muss im Endeffekt nur Bescheid sagen“, erklärt Dr. Marcus Zinn. Der Informatikprofessor, Hobbyimker und Leiter des Bee Labs betreut in Dieburg derzeit vier Bienenvölker. Insgesamt beteiligen sich bereits rund 70 Studierende an den verschiedenen Projekten.

Dabei können die Studierenden ihre ganz persönlichen Interessen einbringen. Wer eine neue Programmiersprache ausprobieren möchte, sucht gemeinsam mit Zinn nach einer Anwendung rund um den Bienenstock. Andere überlegen, wie Sensoren eingebaut werden können, ohne die Tiere oder die Arbeit des Imkers zu stören. Mittlerweile nutzen sechs der zwölf Fachbereiche der Hochschule das Bee Lab für ihre Lehre. Studierende aus der Mathematik werten etwa Kamerabilder aus, um Bienen und Hornissen zu unterscheiden. In der Architektur geht es um die natürliche Belüftung der Stöcke, im Medienbereich wurde ein Chatbot entwickelt, mit dem Nutzer gewissermaßen mit dem Bienenstock sprechen können. Der Fachbereich Wirtschaft arbeitet wiederum an einem digitalen Zwilling, der den Stock und seine Messwerte auf dem Bildschirm sichtbar machen soll. „Wichtig ist, dass die Personen alle ihr eigenes Thema darin sehen“, sagt Zinn. Denn: „Motivation trägt sehr lange.“

Dass Bienen Menschen aus völlig unterschiedlichen Bereichen zusammenbringen können, erlebt Zinn bereits seit Jahren. Als er neue Hobbyimker ausbildete, trafen dort Menschen zusammen, die sich im Alltag wohl kaum begegnet wären: vom Sparkassenchef über den Handwerker bis zur Rentnerin. „Das Thema Biene geht einfach quer durch die Gesellschaft“, erzählt er. Genau das zeige sich nun auch an der Hochschule. Die Tiere verbinden Fachbereiche, Interessen und Altersgruppen miteinander. Gleichzeitig liefern sie wichtige Informationen über ihre Umwelt. Über Vibrationen kommunizieren Tausende Tiere im Stock miteinander. Ihre Reaktionen auf Wetter, Nahrungsmangel oder andere Veränderungen machen die Biene laut Zinn zudem zu einer Art natürlichem Sensor für den Zustand der Natur.

Für das Bee Lab gibt es bereits zahlreiche weitere Pläne. Künftig sollen Interessierte die Bienenvölker über einen digitalen Lehr- und Forschungsbienenstand auch im Internet beobachten können. Live-Daten könnten dann beispielsweise zeigen, wie die Tiere auf besonders heiße oder kalte Tage reagieren. Im Oktober startet außerdem ein zweijähriges Projekt, bei dem künstliche Intelligenz und Bienendaten im Schulunterricht eingesetzt werden sollen. Auch die Forschung an Hummeln und anderen Wildbienen ist geplant. „Wir haben einen ganzen Korb voller Projekte“, sagt Zinn. Das Bee Lab soll damit nicht nur Wissen über Bienen liefern, sondern vor allem einen Raum schaffen, in dem Studierende ihre eigenen Ideen ausprobieren und gemeinsam mit anderen weiterentwickeln können.

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