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Ergebnisse des Energie-, Bau- und Verkehr-Ausschusses in Miltenberg

07.10.2021, 13:50 Uhr in Lokales
071021 Ausschuss Energie Verkehr Bau Kreis Miltenberg

KREIS MILTENBERG. Aufgrund der massiven Raumnot im Landratsamt Miltenberg gibt es derzeit mehrere Standorte: In Miltenberg die Außenstellen im Fährweg und in der Brückenstraße 20, in Klingenberg sitzt das Jugendamt, in Obernburg die Kfz-Zulassungsstelle und Teile des Bauamts. Das wird sich ändern, wenn Jugendamt sowie Zulassungsstelle und Führerscheinstelle aus der Römerstraße 91 in die Räume der Sparkasse in Obernburg einziehen. Das Bauamt wird künftig in Miltenberg konzentriert.

Die Mitglieder des Ausschusses für Energie, Bau und Verkehr nahmen bei ihrer Bereisung am Dienstag die neuen Räume in Augenschein und ließen sich von Kreisbaumeister Andreas Wosnik die Details erklären. Mitte 2021 sei man sich über ein Mietverhältnis auf Dauer von fünf Jahren handelseinig geworden, seitdem werde umgebaut. Im Erdgeschoss würden Empfang sowie Zulassungsstelle und Führerscheinstelle untergebracht, dazu kommen Räume für das Jugendamt im ersten und zweiten Obergeschoss. Man werde die Räume möbliert übernehmen, allerdings müsse noch spezielles Mobiliar angeschafft werden. Die Kundschaft könne in der Kurzparkzone vor dem Haus und in der Oberen Gasse parken, so Wosnik. Ob die vorgesehene Höchstparkdauer von 15 Minuten ausreicht, werde man beobachten. Ausreichend weitere Parkplätze gebe es in der Nähe. Das Landratsamt werde rund 80 Mitarbeiter*innen in Obernburg haben, schätzte Landrat Jens Marco Scherf. Der Umzug des Landratsamts werde auch die Innenstadt von Obernburg beleben, glauben er und der Kreisbaumeister. Die Kooperation von Sparkasse und Landratsamt sei hervorragend, sagte nicht nur Wosnik, sondern auch Hans Hermann Daub (Sparkasse). Die Mitarbeiter*innen des Landratsamts hätten sich bei Führungen angetan gezeigt von den neuen Räumen, ergänzte der Kreisbaumeister. Ende Oktober wolle man mit dem Umzug beginnen, vor Weihnachten will man fertig sein.
In Altenbuch befuhr der Ausschuss die Kreisstraße MIL35, die das Staatliche Bauamt im Auftrag des Landkreises im Sommer für 700.000 Euro sanieren ließ. Laut Klaus Gernhart vom Staatlichen Bauamt habe man den Oberbau und die Entwässerung erneuert. Dabei sei eine Kurve leicht verbreitert worden, sodass man nun durchgängig eine Breite von mindestens sechs Metern habe. Der nächste Abschnitt auf einer Länge von 500 Metern, komplett im Landkreis Aschaffenburg gelegen, soll nächstes Jahr folgen.

In Miltenberg machte der Ausschuss an mehreren Stationen Halt. Im Landratsamt erklärte Klimaschutzmanager Sebastian Randig die neue Holzpelletheizung, die in Kürze ans Netz gehen wird. Das Pelletlager, das vor dem Gebäude in die Erde versenkt wurde, fasse 26 Tonnen und werde siebenmal pro Jahr gefüllt, erklärte Randig. Kern der Anlage sind ein Pelletkessel mit einer Leistung von 201 kW Grundlast sowie ein Gaskessel für Spitzenzeiten mit einer Leistung von 300 kW. An die Anlage sei auch der Nordflügel angeschlossen; die dortige Heizanlage sei deinstalliert worden. Somit werde die Energie zu 90 Prozent aus regenerativer Energie gewonnen, der CO2-Anteil reduziere sich um über 70 Prozent, so Randig. Die gesamte Anlage werde über das Programm „Heizen mit Erneuerbaren Energien“ gefördert.
Im Gebäude führte der Kreisbaumeister den Ausschuss durch mehrere Räume, die mit moderner Sitzungstechnik ausgestattet wurden – etwa den großen Sitzungssaal, in dem dank zwei neuer Beamer und großer Leinwände perfekte Sichtverhältnisse von allen Plätzen herrschen. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten fehlen allerdings noch die Mikrofone an den Sitzplätzen des Kreistags. Auch mehrere Besprechungsräume wurden digital aufgerüstet, sodass sie aktuellen Anforderungen entsprechen. Die Aufrüstung hat komplett rund 450.000 Euro gekostet.

In der Dreifachsporthalle der Johannes-Hartung-Realschule sahen sich die Ausschussmitglieder die neue Werbeanlage an, die den Handballvereinen TV Kirchzell und TV Bürgstadt Sponsoreneinnahmen ermöglicht. sechs fest an der Wand installierte Werbeanlagen ermöglichen die Anbringung von Werbebannern. Die Anlagen sind in jeweils fünf Minuten be- und entspannbar und können während des Schulbetriebs geschützt werden. Sie sind jeweils drei Meter hoch und vier beziehungsweise sechs Meter breit. Die Konstruktion kostete 13.750 Euro, dazu kommen 5.000 Euro für die Montage, die Vereine stellen die Werbebanner.

Ruthard Bretzigheimer (Kreisbauamt) stellte die geplante Sanierung der Dreifach-Sporthalle des Johannes-Butzbach-Gymnasiums vor, die im Jahr 1967 gebaut wurde. Die Halle weise substanzielle Mängel auf, auch im Hinblick auf die energetische Situation bestehe dringender Handlungsbedarf, so Bretzigheimer. Bretzigheimer zeigte, wie sich die Geräteräume, der Kraftraum sowie die Umkleiden und Nebenräume künftig anordnen. Auch werden zwei Anbauten errichtet, in denen der Kraftraum und die Geräteräume untergebracht werden. Parallel zur Nikolaus-Fasel-Straße wird eine behindertengerechte Rampe mit separatem Eingang gebaut. Im Gymnasium stellte Sebastian Randig die Photovoltaikanlage auf dem Dach vor, die rund 86 kWp Leistung besitzt und deren erzeugter Strom in erster Linie der Eigennutzung dient. Die Anlage am JBG hat Randig zufolge von März bis Ende September 61.000 kWh Strom produziert, während im Gebäude 144.000 kWh verbraucht wurden. 75 Prozent des produzierten Solarstroms wurden selbst verbraucht, 25 Prozent wurden in schulfreien Zeiten eingespeist. Die Anlage habe somit bilanziell 43 Prozent zum Strombedarf der Schule beigetragen. Die Anlage auf der Realschule Obernburg hat im Frühjahr 2021 41.000 kWh Strom erzeugt, wovon 82 Prozent im Gebäude verbraucht wurden. Die Anlage auf dem Landratsamt hat bis Ende August 2021 55.000 kWh Strom erzeugt, wovon 93 Prozent direkt verbraucht wurden. Das Photovoltaikprogramm soll in diesem Jahr mit der Erschließung der Dachflächen des Erlenbacher Gymnasiums weitergeführt werden. Am Ende der Besichtigungsfahrt schloss sich ein kurzer Rundgang über die Baustelle des JBG an.

Kreistag wird über Lüftungskonzept für Landkreisschulen entscheiden

Gemäß einstimmiger Empfehlung des Ausschusses für Energie, Bau und Verkehr soll der Kreistag über dezentrale raumlufttechnische Anlagen der Schulen beschließen. Der Ausschuss will damit der Verantwortung des Landkreises für bestmögliche Hygiene an den Schulen in seiner Trägerschaft gerecht werden.
Laut Kreisbaumeister Andreas Wosnik lege der Landkreis seit 2012 im Zuge der Generalsanierungen ein verstärktes Augenmerk auf bestmögliche Luftqualität in den Klassenräumen. Die Raumluftanlagen seien immer mit den Schulen abgestimmt worden und es zeige sich, dass diese Form der Lüftung sehr geeignet sei. Im Zuge von Corona werde nun in Medien und der Öffentlichkeit verstärkt der Einsatz mobiler Luftfiltergeräte diskutiert. Der Luftaustausch und damit der Austausch von Aerosolen werde entweder durch eine fest installierte Lüftung oder Stoßlüften gewährleistet. Das werde an den Landkreisschulen entsprechend der sogenannten S3-Leitlinie – einer Zusammenfassung sämtlicher wissenschaftlicher Studien – gehandhabt. Eine Reinigung der Luft durch einen mobilen Filter, wie mitunter gefordert, sei nach aktuellem Stand der Wissenschaft aber nicht nötig. Diese Filter würden nur empfohlen, wenn in Räumen das Lüften nur eingeschränkt möglich ist, erklärte der Kreisbaumeister. Lüften sei trotz mobiler Filteranlage extrem wichtig, da sonst die Sauerstoffversorgung nicht ausreicht. „Luftreinigungsgeräte sollen Partikel, Viren und Bakterien aus der Luft filtern, sie verbessern aber den Sauerstoffgehalt der Luft nicht und verringern auch den CO2-Gehalt der Luft nicht“, stellte Wosnik klar. Deshalb lasse sich gute Luftqualität nur durch Zufuhr von Frischluft erreichen, was die Lüftungsanlagen in einigen Landkreisschulen sicherstellen.

Idealerweise sei die Luft pro Raum dreimal pro Stunde auszutauschen, so Wosnik – etwa durch weites Öffnen der Fenster. Je kälter es draußen ist, desto kürzer muss gelüftet werden, an warmen Tagen länger. Besser sei Querlüften – etwa durch offene Fenster im Zimmer und dem Gang gegenüber. Bei einer Abfrage hätten bislang fünf von sieben Landkreisschulen einen Bedarf an mobilen Luftfiltergeräten gemeldet, so Wosnik, der mit Kosten von 17.000 Euro pro Raum rechnet. Allerdings gebe es Förderprogramme von Bund und Land, die diese Summe mindern können. Die Anträge müssten bis Ende des Jahres gestellt werden. Landrat Jens Marco Scherf hofft darauf, dass es aber auch im nächsten Jahr weitere Förderprogramme geben wird.

Dass es mit dem Ausbau der Radwege gemäß der Radverkehrsförderung des Landkreises vorangeht, erklärte Mobilitätsbeauftragter Tim Haas. Das Ingenieurbüro Eilbacher sei mit Grundlagenermittlung, Vorplanung und Entwurfsplanung für den Radweg zwischen Amorbach und Kirchzell beauftragt worden. Der Radweg zwischen Elsenfeld und Hofstetten solle auf einer Trasse südlich der Kreisstraße MIL 25 realisiert werden, so Haas. Nächste Schritte seien die Klärung der Belange des Naturschutzes sowie der Grunderwerb durch die Kommunen. Am Kreisverkehr in Kleinheubach haben sich die Radwegführungen massiv verändert, deshalb soll das Planungsbüro VIA ein umfassendes Beschilderungskonzept ausarbeiten. Auch sollen die Radwege im Landkreis mit dem Radverkehrsnetz Bayern abgeglichen werden. Änderungsvorschläge seien von den Kommunen vorgelegt worden und würden nun in das Routenkonzept des Radverkehrsnetzes Bayern eingearbeitet. Ziel sei laut Haas die Umsetzung einer komplett standardisierten Radwegweisung. Er blickte auch kurz zurück auf die Siegerehrung der Aktion Stadtradeln, bei der 2021 über 380 Teilnehmer*innen 85.000 Kilometern zurückgelegt und dabei 13.000 Kilogramm CO2 eingespart hätten.
Im Gremium stellte sich auch der Geschäftsführer der neugegründeten Aschaffenburg-Miltenberg Nahverkehrs-GmbH (AMINA), Mark Hogenmüller, vor. Der 52-Jährige war zuvor bei mehreren Verkehrsverbänden tätig und ist seit 1. Juli am Untermain. Er umriss sein Betätigungsfeld und nannte erste Vorhaben wie etwa die Standardisierung von Aushangfahrplänen und das Vorantreiben der On-Demand-Verkehre. Auch werde man den Nahverkehrsplan um aktuelle Qualitätsanforderungen ergänzen.

Bei einer Online-Umfrage unter den Landkreiskommunen ist laut Kreisbaumeister Andreas Wosnik klargeworden, dass in den meisten Gemeinden Bedarf an Wohnraum herrscht, größte Schwierigkeit sei die Bereitstellung von Flächen für den Wohnungsbau. Sieben Gemeinden hätten eigene Wohnbaugesellschaften, 14 Kommunen sähen Potenzial für eine gemeinsam getragene Wohnbaugesellschaft. Die Schaffung von Wohnraum könne man laut Umfrage aber auch durch Altortförderung, Innenortsverdichtung durch Bauleitplanung und Einflussnahme auf Investoren voranbringen. Nun gelte es laut Kreisbaumeister, den Bedarf an Wohnraum genau zu ermitteln und die Wohnraumproblematik mit allen 32 Gemeinden in einer Arbeitssitzung zu erörtern.
Die Generalsanierung des Johannes-Butzbach-Gymnasiums Miltenberg geht laut Kreisbaumeister voran, sodass man den vierten Bauabschnitt hoffentlich bis Ende Mai 2022 fertigstellen kann. 80 Prozent der Gewerke sind mittlerweile ausgeschrieben und bislang haben sich die Kosten um rund 17 Prozent erhöht. Betrachte man die Preisindexsteigerung von knapp 27 Prozent, liege der Landkreis immer noch günstiger. Wosnik gab dem Gremium noch einen Überblick über den aktuellen Stand der Gewerke.

Bei der öffentlichen Ausschreibung der Potenzialanalyse zum schienengebundenen Güterverkehr hat sich laut Kreisbaumeister das Unternehmen railistics durchgesetzt mit dem Unterauftragnehmer SSP. Die Firma sei auch vom Staatsministerium mit der Erstellung der Untersuchung für den Freistaat Bayern beauftragt worden. Der erste Workshop zu diesem Thema findet in Kürze statt, die Ergebnisse der Untersuchung sollen bis Winter 2022 vorliegen.
Aus nicht öffentlicher Sitzung wurden mehrere Vergaben bekannt gegeben. Für die Generalsanierung des Johannes-Butzbach-Gymnasiums: Betonwerksteinarbeiten für 56.363 Euro, Bodenbelagsarbeiten für 79.868 Euro, Putz-, Maler- und Trockenbauarbeiten für 383.700 Euro, aufsteigendes Gestühl für 80.249 Euro. Dazu kommen für die Elektroinstallation 498.650 Euro und sanitärtechnische Anlagen für 191.182 Euro. Für Arbeiten an der Trafostation am Schulzentrum Obernburg wurden die Tiefbau-, Kabel- und Leitungsverlegungsarbeiten für 88.283 Euro und die Verlegung der Nahwärmeleitung für 18.796 Euro vergeben.

Quelle: Landratsamt Miltenberg