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Interkommunale Zusammenarbeit bei der hausärztlichen Versorgung im Main-Kinzig-Kreis

09.11.2021, 11:01 Uhr in Lokales
Arzt

MAIN-KINZIG-KREIS. In der Region rund um Bad Orb, Biebergemünd, Flörsbachtal und Jossgrund ist eine gute ärztliche Versorgung in absehbarer Zeit gefährdet, wenn nicht gegengesteuert wird. Deshalb hat der Main-Kinzig-Kreis bereits vor einigen Monaten erste Weichen gestellt, nachdem eine kreisweite Befragung von Hausärztinnen und Hausärzten zur aktuellen Versorgungssituation an ihrem Praxisort den drängenden Handlungsbedarf gerade in dieser Region nahe legte.

„Das Durchschnittsalter der betreffenden Medizinerinnen und Mediziner ist hoch, das heißt, diese setzen sich in den nächsten Monaten und Jahren zur Ruhe. Hinzu kommt der Umstand, dass die Hausärztinnen und Hausärzte davon ausgehen, voraussichtlich keine Nachfolgeregelung treffen zu können. Deshalb ist der Main-Kinzig-Kreis noch vor Abschluss seiner kreisweiten Analyse zur Hausarztversorgung tätig geworden“, erläutert Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und ergänzt: „Es kann davon ausgegangen werden, dass ohne Initiative der Kommunen und des Landkreises in den nächsten drei bis fünf Jahren die meisten Arztpraxen in dieser Region ohne Nachfolger ihre Praxen schließen werden und eine zufriedenstellende medizinische Versorgung für die Bürgerinnen und Bürger gefährdet ist.“

Verschärft wird diese Problematik durch den kontinuierlichen Bevölkerungszuwachs sowie einen steigenden Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung führt Susanne Simmler an. „Wir werden immer älter, damit geht ein erhöhter Bedarf an hausärztlicher Versorgung einher. Darauf müssen wir uns einstellen und Lösungen erarbeiten, damit die Menschen im Main-Kinzig-Kreis unabhängig von ihrem Wohnort eine gleichermaßen gute ärztliche Versorgung zur Verfügung haben. Das ist Teil der Daseinsvorsorge und hier übernimmt der Main-Kinzig-Kreis Verantwortung“, erklärt die Gesundheitsdezernentin.

„In ersten Gesprächen mit dem Landkreis hatten sich die vier Kommunen Bad Orb, Biebergemünd, Flörsbachtal und Jossgrund entschieden, diese Herausforderung gemeinsam anzugehen und Lösungen zu entwickeln“, erklärt die für die Versorgungsanalyse zuständige Koordinatorin beim Kreis, Julia Fock. Die Kommunen sind in einem ersten Schritt dem Vorschlag des Kreises gefolgt, in Kooperation ein Versorgungsprojekt zu starten. „Das Einzugsbiet der Ärztinnen und Ärzte beschränkt sich laut Versorgungsanalyse größtenteils auf diese vier Kommunen“, erläutert Julia Fock.

Ist die Versorgung in einer Kommune gefährdet, muss die Versorgung durch die umliegenden Kommunen aufgefangen werden. Das führe jedoch häufig dazu, dass Ärztinnen und Ärzte überlastet werden. „Eine enge Zusammenarbeit der Städte und Gemeinden ist deshalb sehr sinnvoll. Denn in der Zusammenarbeit können wertvolle Synergien genutzt werden. Davon können die Bürgerinnen und Bürger in den vier Kommunen profitieren“, führt Julia Fock aus.

Deshalb ist bereits im Frühjahr unter dem Titel „Konzeption eines Versorgungskonzepts zur Sicherung einer bedarfsgerechten ambulanten ärztlichen Versorgung in der Region Biebergemünd, Bad Orb, Flörsbachtal und Jossgrund“ ein interkommunales Projekt gestartet. Wichtigstes Ziel ist die Identifikation und die Entwicklung eines regional angepassten Versorgungskonzepts zur langfristigen Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in dieser Region. Mit der Umsetzung des Projekt wurde als externe Beraterin Karin Birkenbach beauftragt. „Der Main-Kinzig-Kreis finanziert das Projekt zur Hälfte mit einer Fördersumme von 24.000 Euro über das kreiseigene Programm ,Förderung der ärztlichen Versorgung‘ und trägt damit direkt dazu bei, dass Arztbesuche auch in Zukunft in diesen Orten möglich sein werden so Susanne Simmler. Die Kommunen übernehmen die andere Hälfte der anfallenden Kosten.

Derzeit finden Gespräche mit den Hausärztinnen und Hausärzten aus den betreffenden Kommunen statt, an denen auch die Bürgermeister, Karin Birkenbach und Julia Fock teilnehmen. „Ein wichtiges Augenmerk liegt auf der Beteiligung der Ärztinnen und Ärzte. Ihre Bedürfnisse bestmöglich zu berücksichtigen, hat hohe Priorität“, erklärt Julia Fock. In einem weiteren Schritt ist die Beteiligung von Fachärzten oder Gesundheitsdienstleistern in dieser Region möglich und gewünscht. Auch die Kassenärztliche Vereinigung wird in den Prozess eingebunden. Im Kürze wird ein erster Entwurf eines Versorgungskonzeptes erstellt.