Kirchners erste Eisenbahn kehrt zurück nach Aschaffenburg
ASCHAFFENBURG. Ein besonderes Stück Kunstgeschichte ist nach Aschaffenburg zurückgekehrt: Die Bleistiftzeichnung einer Eisenbahn, die Ernst Ludwig Kirchner im Alter von drei Jahren anfertigte, befindet sich nun im Kirchner-Haus-Museum, seinem Geburtshaus in der Ludwigstraße.
Die Zeichnung entstand 1884 in Aschaffenburg und gilt als das früheste bekannte Werk des späteren Expressionisten. Kirchner selbst erinnerte sich mehrfach an seine Kindheit am Bahnhof und daran, wie ihn die vorbeifahrenden Züge zum Zeichnen inspirierten. Noch 1935 griff er das Motiv auf und schuf nach der Kinderzeichnung einen Holzschnitt. Heute wurde das außergewöhnliche Dokument im Rahmen einer Pressevorführung erstmals einem Fachpublikum präsentiert. Der Weg zurück nach Aschaffenburg war lang: Viele Jahre hatte sich das Kirchner-Haus um die Rückkehr der Zeichnung bemüht. Nachdem der Schweizer Kunsthändler und Kirchner-Kenner Eberhard W. Kornfeld das Blatt zunächst behalten hatte, entschieden sich seine Erben im vergangenen Jahr, die Zeichnung dem Kirchner-Haus-Verein zu übergeben.
Zurück zum Ursprung
Dauerhaft zu sehen sein wird das kostbare Blatt allerdings nicht. Da die Bleistiftzeichnung auf Papier äußerst lichtempfindlich ist, kann sie aus konservatorischen Gründen nur selten ausgestellt werden. Die breite Öffentlichkeit erhält jedoch im kommenden Jahr Gelegenheit, das frühe Werk zu sehen: Im Rahmen einer großen Kirchner-Ausstellung im Kirchner-Haus soll die historische Kinderzeichnung präsentiert werden. Damit kehrt das wohl persönlichste Zeugnis aus den Anfängen des Künstlers an den Ort zurück, an dem es vor mehr als 140 Jahren entstand. Die Präsentation der Kinderzeichnung erfolgte passenderweise im Rahmen der Ausstellung des kunstpädagogischen Gunter-Ulrich-Preises. Die Werke der jungen Gewinner können derzeit im Kirchner-Haus bewundert werden.


