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Künstler Hermann Nitsch jetzt im goldenen Buch der Stadt Aschaffenburg

23.11.2021, 14:37 Uhr in Lokales
231121 Nitsch Herzing goldenes Buch Aschaffenburg
Oberbürgermeister Jürgen Herzing und Hermann Nitsch

ASCHAFFENBURG. Anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung seiner Werke in der Kunsthalle Jesuitenkirche hat sich der international renommierte österreichische Aktionskünstler Hermann Nitsch am 19. November inmitten seiner Werke in das Goldene Buch der Stadt Aschaffenburg eingetragen und mit einer Zeichnung verewigt.

Die Ausstellung „Hermann Nitsch. Mythos Passion. Mit Werken der Sammlung Jaegers“ ist bis 27. Februar 2022 in der Kunsthalle Jesuitenkirche zu sehen.

Hermann Nitsch

International bekannt und vieldiskutiert wurden Nitschs seit Ende der sechziger Jahre in den USA und Deutschland durchgeführten Aktionen. 1971 gelang ihm der Ankauf des niederösterreichischen Schlosses Prinzendorf aus dem Besitz der Kirche, wo Nitsch im Zuge größer angelegter Aktionen auch seine Vorstellungen von der Musik zu seinem Theater verwirklichte. Bei den Aktionen wurden Lärmorchester, Schreichöre und elektrisch verstärkte Instrumente eingesetzt.

Häufig finden sich an zentraler Stelle im Gemälde seine eingefügten Malhemden, so dass der Künstler in seinen Werken präsent bleibt und als Mittler zwischen seinem künstlerischen Werk und den Betrachtern auftritt. Assoziationen zum Schweißtuch der Veronika, in dem sich nach christlicher Überlieferung das Antlitz Christi abgebildet hätte, sind bewusst gesetzt. Nach Gastprofessuren an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt am Main und der Hochschule für bildende Künste Hamburg, unterrichtete Nitsch seit 1989 bis zu seiner Emeritierung an der Städelschule eine Klasse für Interdisziplinäre Kunst.

Das Lebenswerk des 1938 in Wien geborenen Aktionskünstlers hat erst dieses Jahr wieder eine besondere Ehrung erfahren: Auf Einladung der Bayreuther Festspielleitung hat Nitsch das diesjährige Bühnenbild der Wagner-Oper „Walküre“ gestaltet. Großformatige Schüttbilder, die sowohl als Studien im Vorfeld wie auch bei der eigentlichen Aufführung entstanden sind, haben bereits Eingang in die Sammlung des aus Aschaffenburg stammenden Privatsammlers Dr. Gunther Jaegers gefunden und werden erstmals in einer Ausstellung zu sehen sein.

Für den Künstler, der weltweit in den wichtigsten Museen Ausstellungen hatte und dessen Werke Eingang in deren Sammlungen gefunden haben, ist es besonders reizvoll, seine von Kritikern fälschlicherweise als „blasphemisch“ abqualifizierten Arbeiten in einem Kirchengebäude präsentieren zu können. Hermann Nitsch schreibt in einem Text zur Ausstellung: „als 17-jähriger junger mensch wollte ich kirchenmaler werden. ich bin es geworden, aber ohne kirche. jeden raum, der sich mir als ausstellungsmöglichkeit anbot, habe ich in einen sakralen raum verwandelt. dies gilt auch für die kunsthalle jesuitenkirche in aschaffenburg. im besonderen fall dieser ausstellung wurde eine kirche säkularisiert und wieder der transzendierenden bemühung zurückgeführt.“

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