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Ostergruß des Landrats aus dem Main-Kinzig-Kreis

14.04.2022, 14:29 Uhr in Lokales
140422 Thorsten Stolz

MAIN-KINZIG-KREIS. Zum bevorstehenden Osterfest in Zeiten eines Angriffskriegs in Europa wendet sich Landrat Thorsten Stolz mit einem Ostergruß an die Bürgerinnen und Bürger des Main-Kinzig-Kreises. Darin dankt er für die geleistete Hilfe und Geduld in diesen Zeiten und bittet um „das Mindeste, was wir für die Menschen in der Ukraine tun können, Solidarität zu zeigen und diese auch zu leben“. Seine Grußbotschaft im Wortlaut:

Liebe Bürgerinnen und Bürger im Main-Kinzig-Kreis,

ich wünsche Ihnen und Ihren Familien frohe Ostern, erholsame Feiertage und ein paar schöne Stunden im Kreise Ihrer Lieben.

Ein unbeschwertes Osterfest zu verbringen, das wird vielen Menschen in diesen Wochen nicht leicht fallen oder sogar unmöglich sein. Zu erschreckend sind die Bilder, die uns aus dem Kriegsgebiet Ukraine erreichen. Wir sehen, welch massives Leid Putin über die Menschen gebracht hat, die nun vor Tod und Zerstörung fliehen und Schutz für sich und ihre Familie suchen – auch im Main-Kinzig-Kreis. Das sind Bilder, die sich tief einprägen.

Lassen Sie uns deshalb jene Menschen nicht vergessen, die das Osterfest – egal wo auf der Welt – nicht so friedlich feiern können wie wir, weil sie in Kriegsgebieten leben oder auf der Flucht sind. Lassen Sie uns gemeinsam daran denken, für was das Osterfest steht: nämlich für Hoffnung und Frieden.

Genau diese Hoffnung und diesen Frieden wünschen wir uns auch für die Menschen in der Ukraine. Seit mittlerweile sieben Wochen tobt dort ein entsetzlicher Krieg. Tausende Menschen sind in den ersten Wochen dieses Wahnsinns getötet worden, Millionen von Menschen sind auf der Flucht und haben ihre Heimat verlassen oder leben noch immer in Angst und Schrecken unter unvorstellbaren Bedingungen, ohne Strom, Wasser und Heizung, ohne Zugang zu Lebensmitteln und medizinischer Versorgung.

Die Wunden, die dieser Krieg mitten in Europa verursacht hat, werden lange brauchen, bis sie heilen: Jahre, wahrscheinlich sogar Jahrzehnte, falls dies überhaupt möglich ist. Narben dieses Krieges werden aber bleiben: Häuser kann man wieder aufbauen, Straßen, Brücken, Eisenbahnnetze wieder instandsetzen, aber niemand kann ein kostbares Menschenleben ersetzen. Niemand gibt der Ehefrau ihren gefallenen Ehemann zurück, niemand der Mutter ihre getöteten Kinder und niemand den Kindern ihre Mama, ihren Papa.

Und weil genau das uns alle bewegt und nicht gleichgültig lässt und auch nicht lassen darf, ist das Mindeste, was wir für die Menschen in der Ukraine tun können, Solidarität zu zeigen und diese auch zu leben.

Solidarität mit der Ukraine – das bedeutet jetzt vor allem eines: Menschen, die vor diesem schrecklichen Krieg flüchten müssen, brauchen ein Dach über dem Kopf und eine vernünftige Versorgung. Genau das ist jetzt unsere dringlichste Aufgabe auch hier im Main-Kinzig-Kreis. Wir sind gefordert als europäische Nachbarn und vor allem als mitfühlende Menschen.

Mittlerweile sind rund 3.600 Menschen aus der Ukraine zu uns in den Main-Kinzig-Kreis gekommen. Sie wurden in den 29 Städten und Gemeinden aufgenommen. Rund 40 Prozent der Geflüchteten sind Minderjährige, die einer unbeschwerten Kinder- und Jugendzeit beraubt wurden.

Umso wichtiger ist es, zu helfen. Ich bedanke mich in diesem Zusammenhang bei allen, die in irgendeiner Form die Ukrainehilfe hier vor Ort unterstützen und ein großes Maß an Mitmenschlichkeit und Herzenswärme zeigen. Ohne die vielen helfenden Hände an den ganz unterschiedlichen Stellen ginge es nicht. Sie packen an und tragen dazu bei, eine schwierige Situation zu meistern und für die Betroffenen etwas leichter zu machen.

In diesem Zusammenhang möchte ich eines ganz offen ansprechen: Weil innerhalb eines kurzen Zeitraums verhältnismäßig viele Menschen im Main-Kinzig-Kreis aufgenommen werden müssen, kommen wir aktuell nicht darum herum, einen Teil der Geflüchteten in größeren Liegenschaften – darunter auch Sporthallen – unterzubringen. Das ist kein Idealzustand, aber derzeit nicht anders machbar, weil die Unterbringung in Wohnungen unglaublich zeitintensiv und vor allem kleinteilig ist und die Lage auf dem Wohnungsmarkt ohnehin sehr angespannt ist. Gleichwohl ist es unsere Aufgabe, viele Menschen, die mit wenig bis nichts hier ankommen, zeitgleich mit einer ersten, sicheren Bleibe zu versorgen.

Umso mehr freuen uns die zahlreich eingegangenen Wohnungsangebote. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, diese zu prüfen und für den Bezug herzurichten, denn die geflüchteten Menschen mussten ihren Hausstand zurücklassen und fangen hier ganz neu an. Hinzu kommt, dass wir die Wohnungen so vergeben wollen, dass etwa barrierefrei erreichbare Wohnräume an solche Menschen gehen, die gar nicht oder nur schwer Treppen steigen können. Deshalb bitten wir alle, die auf eine schnelle Rückmeldung zu ihrem Wohnungsangebot warten, noch um etwas Geduld.

Abschließend ist mir noch eines wichtig zu sagen: Dieser Krieg kann uns, je nach Entwicklung und vor allem Dauer, noch vor sehr große Herausforderungen stellen und uns auch in Deutschland einiges abverlangen, was vielleicht heute noch nicht vorhersehbar ist. Schon jetzt spüren wir die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges, wenn bestimmte Produkte im Supermarkt nicht wie sonst erhältlich sind. Auch die Frage, ob wir im nächsten Winter genug Energie zum Heizen haben oder einzelne Industriezweige, die einen hohen Energiebedarf haben, in Schieflage geraten werden, treibt uns um und lässt uns mit Sorge in die Zukunft blicken.

Und deshalb bitte ich Sie schon heute: Lassen Sie uns zusammenstehen – gerade, wenn es auch einmal schwierig werden sollte. Solidarität braucht es vor allem dann, wenn es vielleicht mal nicht so rund läuft und wenn schwierige Entscheidungen auf unterschiedlichen politischen Ebenen getroffen und auch mitgetragen werden müssen. Wir alle sind gefordert, uns für Solidarität, Versöhnung und für den Frieden einzusetzen. Das gilt in diesen schwierigen Wochen mehr denn je.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien deshalb ein friedvolles Osterfest sowie Zuversicht und Hoffnung, die wir gerade in diesen Zeiten besonders brauchen!

Qulle: Main-Kinzig-Kreis