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Windrad-Debatte in Freigericht: Sonntag ist Bürgerentscheid!

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08.07.2022, 08:50 Uhr in Lokales
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FREIGERICHT. Es ist ein Thema, das jeden Bürger der Gemeinde interessiert: Kommen Windräder nach Freigericht oder nicht? Um das weitere Verfahren einzuleiten, gibt es am Sonntag einen Bürgerentscheid. Hierbei geht es erstmal darum, ob weitere Prüfungsverfahren eingeleitet werden sollen. Wir haben unter anderem mit Bürgermeister Albrecht Eitz gesprochen (Video). Er apelliert: "Nutzen Sie das Wahlrecht und gehen Sie am Sonntag zum Bürgerentscheid!"

Auch die CDU Freigericht ruft zum Wählen auf - sie positioniert sich gegen die Windräder im Wald. Wir haben mit den stellvertretenden Parteivorsitzenden Florian Altmann und Fraktionsvorsitzender der GfF Waldemar Gogel gesprochen:

Was ist die Ansicht der CDU bei der Windrad-Debatte?

Florian Altmann: „Die CDU Freigericht spricht sich gegen die Windräder im Gemeindewald Freigericht aus. Wir sagen: Die Abholzung im Wald rechtfertigt die zu erwartenden Vorteile, Umsätze, Einnahmen nicht. Wir sind der Auffassung, dass die Windräder dort oben im Gemeindewald allein aufgrund der zu erwartenden, nicht ausreichenden Windstärke nicht rentabel sein werden. Wir sind nicht grundsätzlich gegen Windenergie, sondern schlicht und ergreifend gegen den Standort.“

Inwiefern wird die Artenvielfalt durch die Windräder bedroht?
Florian Altmann: „Es handelt sich hier bei dem Gemeindewald nicht um den reinen, klassischen Nutz-Wald, der für die Forstwirtschaft genutzt wird, sondern das ist ein alter, gemischter Laubwaldbestand. Dieser ist auch durch die Artenvielfalt derart wertvoll, dass es unseres Erachtens nicht wert ist, diesen dafür zu opfern. Wir müssen einfach sehen, dass diese Windkraftanlagen einen gewissen Platz dort oben benötigen. Gerade auch für die Zuwegungen sind große Schneisen in den Wald zu schlagen und dazu werden teilweise in den engen Kurven bis zu 14 Meter Breite benötigt. Auch wenn dies wieder aufgeforstet werden sollte, muss man davon ausgehen, dass das wahrscheinlich 20, 25 Jahre dauert, bis diese Aufforstung wirklich einen Waldbestand regeneriert hat, den wir heute haben. Dann sind wir gerade an dem Punkt, dass wir diese Windräder wieder abbauen werden und haben dann wieder genau das gleiche Thema: Dass es erneut abgeholzt werden müsste.“

Gibt es in Freigericht einen anderen Standort, der für Sie geeigneter wäre?
Florian Altmann: „Das Problem daran ist, dass es hier ausgeschriebene Flächen sind - Wind-Vorrangs-Flächen. Das ist schlicht und ergreifend die einzige Fläche, die ausgewiesen worden ist. Es würde sicherlich die eine oder andere Stelle in Freigericht geben. Ob da mehr oder bessere Windverhältnisse herrschen, das können wir so nicht beurteilen, aber das steht im Grunde genommen gar nicht zur Debatte.“

Windenergie ist ja nicht die einzige Möglichkeit für grünen Strom, welche Alternativen gibt es für Freigericht noch?
Waldemar Gogel: „Als Alternativen haben wir bereits schon mehrere andere Sachen im Geschäftsgang. Da gibt es zum einen den CDU-Antrag zum Solarpark. Da sind wir auch schon ein Stück weiter, es gab eine Begehung, es gab eine Flächenpotenzialanalyse von der Firma "next energy". Das ist eine im Main-Kinzig-Kreis ansässige Firma, die sich darauf spezialisiert hat und auch schon einige Solarparks hier im Main-Kinzig-Kreis gebaut hat, beispielsweise in Gelnhausen. Hier hatten wir mittlerweile auch zwei Ausschusssitzungen vor kurzem, bei denen sich der Ausschuss auch einstimmig für den Bau eines Solarparks bei uns in Freigericht ausgesprochen hat - in der Nähe vom Hof Trages. Das wird dann auch der größte und modernste Solarpark im Main-Kinzig-Kreis. Dazu haben wir dann am 14.7. die Gemeindevertreter-Sitzung - wir sind auch recht optimistisch, dass damit dann der Bau des Solarparks in die Wege geleitet wird. Dieser kann die Grundversorgung der Bürger in der Gemeinde auch abdecken. Dann haben wir vor kurzem auch einen neuen Antrag mit eingereicht, um den Ausbau von privaten Solaranlagen nochmal zu fördern. Und zwar wollen wir kommendes Jahr eine Solarkampagne starten, bei der wir die Bürger nochmal aufklären, welche Vorteile private Solaranlagen mit sich bringen. Und dann die dritte Sache, die wir auch als Alternative im Geschäftsgang haben, ist eine Biogasanlage. Da gab es auch eine Begehung in Gründau, der Friedrichshof beispielsweise, wo die Bürger der Kommune Abfälle vorbeibringen können. Der deckt auch die Grundversorgung von circa 2.000-2.500 Haushalten in Gründau ab.“

Beim Bürgerentscheid geht es jetzt erstmal nur um das Prüfverfahren. Lohnt es sich trotzdem, die Bürger jetzt schon zum Gegenstimmen aufzurufen oder sollte man erstmal die Ergebnisse des Prüfungsverfahrens abwarten?
Waldemar Gogel: „Grundsätzlich muss man einmal festhalten: In der HGO steht festgeschrieben, dass die Bürger die Möglichkeit haben, über ein Bürgerbegehren diesen Bürgerentscheid in die Wege zu leiten. Die Bürger der Gemeinde haben sich auch mit unserer Unterstützung am Ende des Tages zusammen getan und haben die entsprechenden Unterschriften gesammelt. Und da haben wir ab dem Moment kein Handhaben mehr. Das ist ein Wunsch der Bürger und dem kommen wir am Ende des Tages als Gemeindevertretung jetzt nach. Man muss natürlich Eins ganz klar sagen: Wenn die Planungen und Prüfungen jetzt losgehen, wird niemand hier her nach Freigericht kommen und jahrelang prüfen. Das sind ja doch einige Jahre, bis die Prüfungen am Ende abgeschlossen sind. Und wenn wir in Freigericht dann nach 3,4 Jahren sagen: Jetzt wollen wir das doch nicht mehr so, dann ist das schon mit einem erheblichen finanziellen Risiko auch für die Gemeinde verbunden. Dementsprechend sind wir jetzt gespannt, was beim Bürgerentscheid rauskommt. Der Zeitpunkt ist aus unserer Sicht gerechtfertigt. In ein paar Tagen ist es dann soweit!“

Florian Altmann: „Wir fordern alle Bürger auf: Beteiligen Sie sich bitte an der Wahl. Nehmen Sie Ihre Bürgerpflichten wahr. Gehen Sie zur Wahl oder nehmen Sie die Briefwahlmöglichkeiten wahr, die Benachrichtigungen wurden ja jetzt zugestellt. Wenn Sie nicht am 10.7. ins Wahllokal gehen wollen, wählen Sie bitte per Biref und stimmen Sie mit ‚Ja‘, um den Freigerichter Gemeindewald zu erhalten.“