„SERVUS, macht’s gut, das war’s!“

ASCHAFFENBURG (ps). Als Claus Jäger vor fast einem halben Jahrhundert bei der Raiffeisen Volksbank Aschaffenburg angefangen hat, gab es dort noch keine Computer. Seitdem hat sich sehr viel verändert, aber eines ist gleich geblieben: Der 65-Jährige brennt für seinen Beruf. Mit 16 Jahren begann er im Jahr 1976 seine Ausbildung und seit Montag ist er offiziell im wohlverdienten Ruhestand. Uns hat er erzählt, welche Pläne er jetzt hat, wie es in der Bank in den 70ern ablief und wieso er vor fast fünfzig Jahren doch nicht Polizist geworden ist.
Herr Jäger, was passiert als Nächstes in Ihrem Leben?
„Ich muss alles erstmal sacken lassen. Wir haben ein Jahr technische Fusion hinter uns, da gab’s natürlich sehr viel zu tun. Wir haben eine Menge erreicht und ich bin sehr zufrieden. Deswegen kann ich mit ruhigem Gewissen sagen: ‚Servus, macht’s gut, das war’s.‘“
Haben Sie nichts im Hinterkopf – jetzt, da Sie mehr Zeit haben?
„Durch meine Arbeit im Vorstand hat die Familie ein Stück weit gelitten, gerade was die Zeit betrifft und die will ich mir jetzt erstmal nehmen. Ich habe ein paar Ehrenämter mitgenommen, also beschäftigungslos bin ich nicht. Ich habe auch noch ein paar Hobbys: Kochen und gärtnern und wir werden natürlich auch reisen, paar Großstädte anschauen und in die Schweiz. Schauen wir mal, was das Leben noch so bringt.“
Was werden Sie am meisten vermissen?
„Ich bin fast 50 Jahre in der Bank und wir waren schon wie eine Familie. Dieses tägliche Miteinander, das wird mir fehlen. Die Entwicklung der Bank liegt mir natürlich nach wie vor am Herzen. Das werde ich beobachten und die Stimme aus dem Hintergrund wird sich melden, wenn sie mit irgendetwas nicht einverstanden ist.“ (lacht)
Wie hat sich das Bankenwesen in den Jahrzehnten entwickelt?
„Als ich 1976 bei der Bank angefangen habe, da war vieles ein Stück weit familiärer und die technische Situation war eine ganz andere. Es gab 1976 keine Computer in der Bank. Wenn man heute zurückblickt, war das fast wie im Mittelalter.“
Wie haben Sie sich in der Zeit verändert?
„Ich habe ziemlich zugenommen (lacht). Natürlich war das eine Persönlichkeitsentwicklung, wenn man da als 16-Jähriger angefangen hat. Ich habe über die verschiedenen Aufgaben in der Bank Anfang der 90er Führungsverantwortung bekommen. Und wenn man dann Vorstand wird, ist das nochmal eine andere Liga. Ich hatte immer das große Glück, tolle Menschen um mich zu haben, die es gut mit mir gemeint haben.“
Was war Ihre allererste Tätigkeit bei der Bank?
„Auszüge einsortieren. Wir hatten ja keinen Computer und die Auszüge kamen immer doppelt - wir hatten eine zentrale Abteilung, wo alle Kundenauszüge für paar Monate aufgehoben werden mussten. Es war die Aufgabe des Auszubildenden, jeden Tag tausende von denen in Mappen einzusortieren. Das machen heute alles die Computer.“
Wollten Sie immer Bankkaufmann werden?
„Ganz früher, bevor ich angefangen habe, hab ich mich für die Polizei interessiert. Meine Mutter hat eine Bewerbung dort abgegeben und ich wurde tatsächlich genommen. Sie hat mir dann aber geraten, mir das gut zu überlegen – und dass ich lieber zur Bank gehen sollte. Als braver Sohn habe ich mich dann dafür entschieden. Ich finde den Beruf des Bankkaufmanns nach wie vor toll – er ist dermaßen vielfältig. Vor allem ist es toll, wenn man Kunden Lebensträume erfüllen kann.“
Welche Musik hören Sie?
„Das ist bei mir breit gefächert. Es kann klassische Musik sein, aber auch Rock und Pop. Ab und zu höre ich mal bisschen Heavy Metal, zum Beispiel Rammstein.“