Außerirdische am Untermain

LÜTZELBACH/UNTERMAIN (acm). Gibt es Aliens? Und waren sie schon bei uns am Bayerischen Untermain? Diese Fragen kann Deutschlands „Ufo-Inspektor“ Hansjürgen Köhler aus Lützelbach zwar nicht beantworten - dafür weiß er aber fast immer, was an unserem Himmel los ist. Über 13.000 Sichtungen von zunächst unbekannten Himmels-Phänomenen sind in den letzten 50 Jahren bei dem Odenwälder eingegangen. Bis auf einen Bruchteil hatte er immer eine logische Erklärung parat.
Angefangen hat für Hansjürgen Köhler alles in den 70er Jahren. Gemeinsam mit einem damaligen Arbeitskollegen gründete er vor 50 Jahren CENAP - das Centrale Erforschungsnetz für außergewöhnliche Himmelsphänomene. Gemeinsam hatten sie ein Ziel: Alles aufklären, was unerklärlich scheint - zumindest das, was sich an unserem Himmel abspielt. Was für viele Menschen zunächst rätselhaft oder sogar beängstigend wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen fast immer als irdisches Phänomen. „In den allermeisten Fällen sind es ganz normale Dinge“, erklärt Köhler. „Helle Sterne wie Sirius oder Planeten wie Venus und Jupiter werden oft falsch eingeschätzt. Dazu kommen Drohnen, Flugzeuge, Satelliten oder auch Meteore.“
Immer mehr Meldungen
Gerade in den vergangenen Jahren hat die Zahl der Meldungen deutlich zugenommen. Ein Grund dafür: neue Technik. „Satellitenketten wie Starlink sehen am Himmel spektakulär aus. Wenn dann eine ganze Lichterreihe über den Himmel zieht, glauben viele Menschen, jetzt passiert etwas Außergewöhnliches“, sagt Köhler. Tatsächlich kreisen inzwischen mehrere tausend dieser Satelliten um die Erde – sichtbar vor allem in der Dämmerung. Auch Drohnen sorgen regelmäßig für Verwirrung. Ob private Fluggeräte, industrielle Vermessungsdrohnen oder Drohnen von Hilfsorganisationen: Sie alle haben andere Lichter als Flugzeuge oder Hubschrauber. „Die blinken anders, bewegen sich anders - und schon ist das Rätsel perfekt“, so der 67-Jährige. Besonders nachts würden viele Menschen deshalb zum Telefon greifen oder Videos schicken. Über 13.400 solcher Meldungen hat Köhler in den vergangenen Jahrzehnten gesammelt und ausgewertet. Nur 93 Fälle gelten bislang als ungeklärt - allerdings nicht, weil sie besonders spektakulär wären. „Da fehlen uns schlicht die Grunddaten“, erklärt er. Datum, Uhrzeit, Ort und Blickrichtung seien entscheidend. „Ohne diese Informationen kann man nichts seriös überprüfen.“
Auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen
Jede Meldung wird sachlich und unvoreingenommen untersucht, ganz ohne Sensationslust. „Die Leute haben ein Recht auf eine vernünftige, wissenschaftlich fundierte Erklärung“, sagt Köhler. Rund 99 Prozent der Rückmeldungen seien positiv. „Viele sind richtig erleichtert, wenn sie wissen, was sie da gesehen haben.“ Gleichzeitig warnt Köhler vor zu schnellen Schlussfolgerungen - vor allem in sozialen Netzwerken. „Wenn irgendwo eine reißerische Schlagzeile auftaucht, sollte man erst mal durchatmen“, rät er. „Einfach mal sacken lassen und sich fragen: Woher bekomme ich noch eine zweite Information?“ Gerade im Internet würden Mythen und falsche Behauptungen oft ungefiltert weiterverbreitet. Die Faszination für den Himmel sei dabei nichts Neues. „Seit es die Menschheit gibt, schauen wir nach oben“, sagt Köhler. Früher galten Kometen oder besondere Lichterscheinungen als göttliche Zeichen, heute sucht man nach technischen oder wissenschaftlichen Erklärungen. „Eine Sternschnuppe reicht schon - und man bleibt stehen und schaut.“
Doch keine Aliens bei uns?
Außerirdische Besucher schließt Köhler grundsätzlich nicht aus, Beweise dafür sieht er bislang aber keine. „Wenn es sie gibt, dann ganz weit draußen“, sagt er. „Aber bei uns war bislang noch niemand.“ Sein Credo bleibt deshalb nüchtern: hinschauen, prüfen, erklären. Und genau das will er auch in Zukunft weiter tun. „Solange Menschen rätselhafte Dinge am Himmel sehen, wird es unsere Arbeit geben.“ Für Köhler ist klar: Nicht alles, was fremd wirkt, ist auch außerirdisch - aber fast alles lässt sich erklären.