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„Mein Großvater hat dafür sein Land aufgegeben“

20.06.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
KW25 Streuobstwiese

ALZENAU (lt). Seit Jahrzehnten kämpfen sie für ihr Baurecht – jetzt ist die Enttäuschung größer denn je. Rund 150 Eigentümer im Gebiet Eichwald oberhalb der Burg Alzenau fühlen sich von der Stadt Alzenau im Stich gelassen. Ihr Vorwurf: Vor der Wahl habe es positive Signale gegeben, dass eine Bebauung der Streuobstwiesen gestattet werden würde, nach der Wahl sei wieder alles beim Alten. Die Betroffenen Matthias Wilz und Ansgar Mette kämpfen gemeinsam mit der Initiative Eichwald für eine Bebauungserlaubnis.

Nachdem das Gebiet ab 1975 als künftiges Wohngebiet in den Planungen auftaucht, vertrauten viele Familien auf die Zusicherungen von Bürgermeister und Stadträten, dass dort später gebaut werden könne. Auf dieser Grundlage wurden Erbschaften aufgeteilt und Grundstücke getauscht – doch das versprochene Bauland wurde nie Realität. Der Stadtrat hat 2013 entschieden, den Eichwald nicht als Wohnbaufläche auszuweisen. „Die Gründe waren die hohe natur- und artenschutzrechtliche Bedeutung, der enorme Ausgleichsbedarf sowie sehr hohe Erschließungskosten. Diese Rahmenbedingungen haben sich seitdem nicht verbessert, sondern eher verschärft“, betont die Stadt Alzenau. Auch Matthias Wilz‘ Großvater entschied sich für einen Tausch: „Er hatte damals Land, als Alzenau das Industriegebiet ansiedeln wollte. Dann hatte er gesagt bekommen, dass er sein Land gegen ein wunderschönes Baugebiet oberhalb der Burg Alzenau tauschen könnte.“ Doch die Fläche ist bis heute leer. 

KW25 Bebauungsplan KI
Bebauungsvorschlag der Eigentümer

Seltene Tiere im Eichwald

Doch was steckt hinter dem Bebauungsverbot? „Angeblich wurde unter anderem ein Steinkauz gefunden“, erzählt Ansgar Mette, der Vorstand der IG Eichwald Alzenau. Der Beweis für den Fund? Ein Kothaufen. Doch zwischen dem Fund und dem Hier und Jetzt ist bereits einige Zeit vergangen und neue Indizien soll es nicht gegeben haben. Dabei sei Wohnraum in Alzenau dringend gefragt. „Die Stadt hat kaum noch Flächen, gleichzeitig kommt immer mehr Industrie. Irgendwo müssen die Menschen doch auch wohnen“, so Matthias Wilz. Die Eigentümer betonen, dass sie keineswegs eine großflächige Bebauung fordern. Stattdessen könnten sie sich naturnahe Konzepte vorstellen. „Wir wollen das Gebiet nicht zerstören“, erklärt Ansgar Mette. „Mittlerweile reden wir sogar über Tiny-Häuser und ökologische Lösungen, bei denen nur Natursteine aufeinandergesetzt werden sollen, damit sich Eidechsen und Insekten in den Zwischenräumen einfinden können. Es gibt genügend Beispiele, wie man Natur und Wohnen miteinander verbinden kann. So viele Obstbäume und Grünflächen wie möglich sollen dabei erhalten bleiben.“

Stadt bleibt bei ihrer Linie

Die Stadt Alzenau sieht die Situation allerdings deutlich anders. Die Rahmenbedingungen hätten sich seither „nicht verbessert, sondern eher verschärft“. Zwar sei eine erneute Prüfung angeregt worden, beschlossen sei diese bislang jedoch nicht. Die Verwaltung sehe aktuell „keine realistische Entwicklungsperspektive“, auch weil sich die Flächen nicht im Eigentum der Stadt befinden. Stattdessen konzentriere sich Alzenau auf andere Bauprojekte wie die Gebiete „Wellpappe“ und „Im Schild“. Der Eichwald sei „nicht grundsätzlich ausgeschlossen“, habe derzeit aber „keine Priorität".

„150 Leben hängen daran“

Für die Eigentümer ist das eine weitere Enttäuschung. Sie fühlen sich von der Politik nicht ernst genommen und wünschen sich zumindest einen offenen Dialog. „150 Leute klingt vielleicht nicht viel“, sagt Matthias Wilz. „Aber dahinter stehen 150 Leben und Familien. Wir wollen einfach, dass man uns zuhört.“ Für die Eigentümer ist die Idee eines Wohngebiets im Eichwald bis heute mehr als ein Bauprojekt: „Solch ein modernes und dem Zeitgeist entsprechendes Wohngebiet würde mit sehr großer Sicherheit hohen Zuspruch finden, da unsere Bürger ‚das naturnahe Wohnen im Grünen, mit den Annehmlichkeiten einer Stadt‘ für sich und ihre Familie suchen. Morgens das Reh im Garten stehen sehen, den Specht am Obstbaum neben dem Haus hämmern hören und trotzdem laufen die Kinder nur ein paar Minuten zur Schule“, träumt Ansgar Mette. Die Eigentümer geben die Hoffnung auch nach 50 Jahren nicht auf und kämpfen weiter für ihre Dorfidylle in der Kleinstadt.