Wir gehen wählen, weil…

BAYER. UNTERMAIN (lb). Wir wählen Demokratie! Nächsten Sonntag ist es so weit - in Bayern steht die Kommunalwahl an. Doch gehen die Leute bei uns wirklich wählen? Und wieso ist es eigentlich so wichtig, auch bei einer Kommunalwahl sein Kreuzchen zu setzen? Gibt es für die Leute am Bayerischen Untermain bei der Wahlentscheidung irgendwelche Unterschiede im Vergleich zur Bundestagswahl und spielen hier Persönlichkeiten eine größere Rolle als Parteien? Wir haben nachgefragt.
Carmen Kloschefski aus Röllbach:
„Ich gehe wählen. Man kann nicht nur schimpfen, man muss natürlich auch Stellung beziehen. Und wenn ich nicht wählen gehe, brauche ich mich auch nicht beschweren im Endeffekt. Ich wähle in erster Linie schon nach Programm. Ich habe mich selber in Röllbach aufstellen lassen als Gemeinderätin. Ich will da gar nicht meine Politik mit reinbringen, sondern für meinen Ort da sein. Ich weiß, was ich wähle, aber für den Gemeinderat wäre es halt wichtig, dass da auch Leute reinkommen, die sagen: Wir brauchen eine neue Quelle für Wasser oder Anschaffungen für Kindergärten. Sowas finde ich auch wichtig.“
Kurt Bauer aus Johannesberg:
„Wichtig ist für mich, dass es jemand ist, der den Ort kennt und auch da lebt. Es muss jemand sein, der ein Runduminteresse hat. Aber das ist nicht immer einfach, da eine Richtung zu finden. Ich wähle nicht unbedingt anders, als bei einer Bundestagswahl, außer die Partei. Die kann sich unterscheiden, da ja die Programme nochmal viel regionaler sind.“
Elisabeth Schlett aus Niedernberg:
„Ich finde, wer nicht wählen geht, sollte nicht den Mund aufmachen. Wir gucken, wen wir kennen und den wähle ich dann, weil ich zu der Person Vertrauen habe.“
Hedi Schedler aus Großostheim:
„Es ist immer wichtig, wählen zu gehen, weil man ja einen gewissen Einfluss hat - nicht viel, aber ein bisschen. Wenn ich einen Favoriten habe, von dem ich überzeugt bin, dann wähle ich den.“
Marco-Björn Murgia aus Aschaffenburg:
„Selbstverständlich gehe ich wählen. Aufgrund der aktuellen Situation ist es mehr als wichtig, wählen zu gehen und nicht zu Hause sitzen zu bleiben, um gewisse Tendenzen zumindest eingrenzen zu können. Bei kommunalen Wahlen spielen ganz andere Themen eine Rolle. Es unterscheidet sich bei mir nicht extrem, aber man findet sicher hier Kandidaten, die man bei einer Bundestagswahl nicht wählen würde.“
Oliver Katzenmeier aus Aschaffenburg-Schweinheim:
„Gerade eine Kommunalwahl, die betrifft die Dinge, die hier im Ort sind oder in der Stadt. Ich wähle auf jeden Fall anders als auf Länder- oder Bundesebene. Ich guck da schon, welche Personen da sind.“
Thomas Goes aus Aschaffenburg:
„Die Wahl bedingt, dass man doch auch ein bisschen Einfluss nehmen kann in die Kommunalpolitik. Sie ist zwar sehr personenbezogen, aber ich kann natürlich dann Personen wählen, von denen ich glaube, dass sie durchaus für die Stadt als Stadträte was leisten können.“
Walter Schork aus Neuenbuch:
„Wählen sollte so oder so jeder gehen, egal was. Kommunal ist im näheren Umkreis, damit man da eine Stimme hat. Bei der Kommunalwahl schaue ich schon mehr auf die Kandidaten, die aus der Nähe sind, die auch die Anliegen, die ich habe, vertreten.“
Stefanie aus Mainaschaff:
„Man interessiert sich ja und wir können froh sein, dass wir wählen dürfen. Woanders ist es nicht so. Klar, wenn man jemanden kennt, dann ist das wieder eine andere Sache, aber meist wähle ich das Gleiche wie bei der Bundestagswahl.“
Berthold aus Mainaschaff:
„Also bei mir dürfte es kommunal und auf Bundesebene das Gleiche sein, weil man sich informiert und nachliest.“
Sigrid Maihöfer aus Aschaffenburg:
„Ich habe schon gewählt, mit Briefwahl. Ich finde es in Ordnung, wenn vor allem jüngere Leute wählen gehen würden. Ich schaue schon nach Sympathie bei Kommunalwahlen.“
Isabel Müller-Bartz aus Aschaffenburg:
„Wenn man schon seine Meinung frei äußern darf, dann sollte man die auch auf jeden Fall äußern und davon Gebrauch machen. Also alle Generationen, jeder der es kann, der es schafft, und ansonsten gibt es Briefwahl. Ich finde, da sollte man sich interessieren und sich ein bisschen schlau machen. Ich schaue schon auf die Partei, weil ich finde, dass das wichtig ist, dass man auch da dann hinter seiner politischen Meinung steht. Vielleicht gibt es da auch nochmal regionale Unterschiede, aber im Großen und Ganzen geht man da auch eher nach dem, was man fürs Land wählt.“
Corinna Rompos aus Aschaffenburg:
„Kommunalwahl ist das, was mich betrifft, also direkt meine Umgebung- mein Spielplatz in der Nähe für meine Kinder zum Beispiel. Deshalb sollten wir da schön mitbestimmen. Ich wähle schon nach Sympathie der Kandidaten, die Partei ist da eher zweitranging, aber gewisse Parteien werden trotzdem ausgeschlossen.“
Christian Rudolph aus Großostheim:
„Beteiligung an der Demokratie ist immer wichtig. Ich muss sagen, ich bin nicht der allerpolitischste Mensch, insofern würde ich dann doch eher nach Partei anstatt nach dem Kandidaten wählen, weil ich mich jetzt nicht besonders mit den Persönlichkeiten auseinandersetze.“
Roland Full aus Aschaffenburg:
„Ich bin erst vor kurzem zugezogen, deshalb weiß ich nicht, ob ich schon wahlberechtigt bin, aber ich hoffe es, denn ich würde gerne wählen gehen. Manchmal kennt man die zu wählenden Personen persönlich. Es geht über alle Parteigrenzen hinweg, denn das hier ist keine politische, sondern eine Persönlichkeitswahl.“
Maya aus Aschaffenburg:
„Die Mitbestimmung im Ort ist eigentlich sogar noch größer. Man kann viel schneller was verändern. Deswegen finde ich's da immer besonders wichtig. Man kann ja auch schon ab sechzehn wählen auf kommunaler Ebene. Da kann man schon früher abchecken, was geht und seine Stimme einsetzen. Da ich Parteimitglied bin, wähle ich normalerweise die Partei, bei der ich auch Mitglied bin. Aber es ist auch legitim, auf der kommunalen Ebene nochmal spezifischer nach den Themen zu gucken. Gibt's irgendwas, was einem besonders wichtig ist? Und dann genau auch für die Partei zu stimmen, die sich dafür einsetzt.“
Andreas aus Aschaffenburg:
„Ich wähle erst seit letztem Jahr. Ich möchte wählen, dass sich vielleicht ein bisschen etwas verändert hier.“
Silke Braklow aus Aschaffenburg:
„Weil es um unsere Region geht. Wir wollen ja, dass da alles gut läuft. Ich wähle eigentlich nicht anders bei der Kommunalwahl, da die Richtung ja auch die gleiche ist. Es hängt natürlich aber auch von der Person ab.“

Urban Priol, Aschaffenburger Kabarattist:
„Also erstens mal, weil es Spaß macht, weil es unser Recht ist. Es ist ein Recht, dass wir wählen gehen dürfen. Wir können kommunal mitbestimmen, wie das Bild unserer Stadt in Zukunft sein soll. Und wer das nicht als Geschenk begreift und an dem Sonntag hingeht, um hinterher noch ein Bier zur Belohnung zu trinken, dem weiß ich nicht, wie man helfen soll.“

Percy Scheidler, Geschäftsführer der IG Metall Aschaffenburg:
„Leben und Arbeiten findet vor Ort statt. Wir haben Respekt vor allen Kandidaten, die aktiv sich der Verantwortung für eine handlungsfähige Kommune stelle - für bessere Kinderbetreuung, Daseinsvorsorge, soziale Projekte, Bildungschancen, öffentlichen Nahverkehr und gute Arbeit vor Ort. Die Arbeitnehmer erwarten eine Politik, die vor Ort ist und vor Ort wirkt. Zu den Kommunal- und Landratswahlen gilt das gleiche, wie bei den laufenden Betriebsratswahlen in den Betrieben: Stark machen! UND wählen gehen!“
Ragnar Cornelius, Center Manager City Galarie:
„Wählen gehen bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, die eigene Zukunft mitzugestalten. Auch wenn man sich in keiner Partei zu 100 Prozent wiederfindet. Nicht wählen verändert nichts. Mitwählen schon. Nicht wählen stärkt zudem den linken und den rechten Rand der Gesellschaft. Wir haben in Deutschland das Privileg, frei wählen zu dürfen. Ohne Angst vor Einschüchterung und Repressionen. Das ist nicht in allen Ländern der Fall. Durch das Wählen gehen schützen wir unsere Demokratie. Die Macht wird nur auf Zeit vergeben. Das verhindert, dass einzelne Personen oder Gruppen dauerhaft zu viel Einfluss bekommen. Aus den vorgenannten Gründen gehe ich wählen.“
Matthias Hartmann, Vorstand der Viktoria Aschaffenburg:
„Jeder, der über die Politik schimpft, sollte selbst gewählt haben. Auch wenn jeder glaubt, dass seine Stimme keinen Unterschied macht. Wenn viele so denken, dann kommt da eine Masse zusammen, deren Stimme den Unterschied hätte machen können. Also geht wählen!“