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Traurige Abschiede und Neustart ins Familienleben!

03.05.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
KW18 Collage Buergermeister

BAYER. UNTERMAIN (lt/jh/ld). Die Jahre sind wie im Flug vergangen – voller Höhen und Tiefen. Auch für Jürgen Herzing gehen sechs ereignisreiche Jahre als Aschaffenburgs Oberbürgermeister zu Ende. Bei einem gemütlichen Spaziergang durch die Innenstadt und einem Eis von seiner Lieblingseisdiele blickt er mit uns auf seine Amtszeit zurück und erzählt von seinen Zukunftsplänen. Doch nicht nur für ihn endet die Amtszeit, sondern auch für viele weitere Rathaus-Chefinnen und -Chefs, die unsere Region mehrere Dekaden geprägt haben. 

KW18 Herzing spaziergang
Spaziergang mit Jürgen Herzing

Jürgen Herzing, Oberbürgermeister Aschaffenburg (6 Jahre Amtszeit)

Hat Ihnen die Arbeit bei der Feuerwehr auch im Amt als Oberbürgermeister geholfen?

Die Feuerwehrausbildung und auch die Führungsausbildung ist grandios und deshalb wusste ich in den Krisen immer, was ich machen muss, wo ich stehe, und war Herr der Lage das Rathaus zu führen. 

Welcher Moment hat sich in Ihre Erinnerungen eingeprägt?

„Es ist der Augenblick am 22. Januar: Ich war gerade auf der Skipiste und bekam den Anruf über das schreckliche Attentat im Schöntal. Es gibt aber auch viele schöne Momente, an die ich mich immer erinnern werde, manchmal auch die ganz einfachen Dinge, bei denen man den Menschen hilft. Aber ich habe mich auch riesig gefreut beim Volksfest das Bierfass anstechen zu dürfen.“

Jetzt mal ganz ehrlich, haben Sie mit einer Niederlage gerechnet?

„Ich bin schon davon ausgegangen, dass mich die Menschen kennen und mich auch wiederwählen. Ich habe sehr viele Termine wahrgenommen, am Ende hat es nicht gereicht, aber damit kann ich sehr gut umgehen, weil ich mich damit davor schon beschäftigt habe. Ich schaue immer nach vorne und bin ein sehr optimistischer Mensch.“

Wie hat Sie Ihr alter Beruf als Feuerwehrmann geprägt? 

„Ich habe so viel erlebt, ich habe meinen eigenen Vater nach einem Herzinfarkt reanimiert, und er durfte noch 13 Jahre leben. Ich weiß, dass sich mit einem Schnipsen alles ändern kann, aber mir geht es aktuell körperlich und mental so gut und hoffe, dass das noch lange so bleibt.“

KW18 herzing lieblingsbild
10-Jahre-aktiv-Fairtrade-Town-Feier im Jahr 2025

Was haben Sie während Ihrer Amtszeit gemacht, um sich den Aschaffenburgerinnen nahe zu fühlen?

Ich bin manchmal einfach für eine halbe Stunde durch die Stadt gelaufen, ohne irgendetwas zu machen, und habe in den Geschäften nachgefragt, wie es denn läuft. Viele haben mich immer gefragt, wieso machst du das, du wirst doch alle zehn Meter angehalten? Doch genau das ist doch das Schöne. Ich war schon immer nah an den Menschen und werde es auch weiter sein. 

Der Aufzug am Main hat für einige Kritik gesorgt und wird oft als „Schandfleck“ der Stadt bezeichnet, wie stehen Sie dazu?

„Das ist so ein typisches Beispiel, wo man sagen muss: „Habt ihr noch alle Tassen im Schrank?“ Seit 2009 hat man gesagt, dort wird ein Aufzug hingebaut, und hat dann einen Wettbewerb gemacht, welcher einstimmig beschlossen und so umgesetzt wurde. Natürlich war am Anfang nicht alles einfach und jeder hat sich erst einmal aufgeregt. Aber Menschen sind für dieses Kunstwerk sogar von weit weg hergekommen und mittlerweile fährt er häufiger als normale Aufzüge."

Was ist jetzt für Ihre Zukunft geplant?

„Es gibt noch ein paar Dinge, im Rathaus zu machen sind und dann muss ich auch noch etwas am Haus machen. Ich möchte auch wieder Rennrad und Motorrad fahren und meine Wochenenden freier gestalten.  Zusätzlich wurde ich zwar auch in den Stadtrat gewählt, aber nach langen Überlegungen habe ich beschlossen, dass das doch nicht so viel Sinn macht und ich es gerne einer jüngeren Person zur Verfügung stelle.“

Was wünschen Sie sich von und für Ihren Nachfolger Markus Schlemmer

„Ich wünsche ihm viel Glück und glaube auch, dass er das schafft, denn er trifft auf eine gut aufgestellte Verwaltung. Ich wünsche mir für die Stadt, dass er Erfolg hat, denn es geht nicht nur um uns als Personen, sondern um die gesamte Stadt. Mir lag das Thema Nachhaltigkeit immer sehr am Herzen, dort sind wir auch Vorreiter in Deutschland. Ich hoffe, dass dieses Thema nun eben nicht untergeht. Das liegt jetzt aber in den Händen von Herrn Schlemmer.“

Haben Sie noch abschließende Worte an die Bürger?

„Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich sowohl bei der Wahl als auch auf dem Weg dorthin unterstützt haben, bei allen Verwaltungsmitarbeitern und natürlich bei allen Bürgerinnen und Bürgern, für die ich zwölf Jahre als Bürgermeister und Oberbürgermeister da sein durfte. Ich habe es sehr genossen, mich mit Ihnen auszutauschen. Vielen Dank an Alle!"

Marianne Krohnen, Bürgermeisterin Geiselbach (42 Jahre Amtszeit)

KW18 Marianne Krohnen Ozapftis
Schöne Erinnerungen an das 31. Geiselbacher Frühlingsfest

Wie schwer ist es, nach 42 Jahren das Bürgermeisteramt abzugeben? 

„Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Zum einen war das mein Lebensinhalt, und ich möchte diese Zeit nicht missen. Ich habe sehr viel gestalten können. Für mich beginnt jetzt aber auch ein neuer Lebensabschnitt. Ich werde meine Zeit anders nutzen, auf dem großen Hof meiner Tochter. Dort wird jede helfende Hand gebraucht. Das ist für mich auch Erfüllung für die Zukunft, dort mithelfen zu können.“

Was wird Ihnen fehlen?

„Ich vermisse natürlich die intensiven Begegnungen mit der Bürgerschaft. Auf der anderen Seite bin ich dann auch froh, einen neuen Abschnitt in guter Gesundheit eingehen zu können, weil ich eine große Familie habe, die mich doch auch manchmal sehr vermisst hat.“

Gibt es etwas, dass Sie gerne anders gemacht hätten? 

„Die Kinderbetreuung, das war am Anfang überhaupt nicht auf der Tagesordnung, weil da immer im Fokus gestanden hat, dass die Familie ausreicht. Und da hat sich sehr, sehr vieles geändert und ich persönlich habe mich mit meiner Einstellung natürlich auch korrigiert.“

KW18 Marianne Krohnen mit innenminister Guenther beckstein 2006
Marianne Krohnen und Ex-Innenminister Günther Beckstein 2006

Was war denn in den ganzen Jahren Ihr Lieblingsmoment, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

„Sehr schön sind natürlich Trauungen, die man vollziehen darf. Das erfüllt einen mit besonderer Freude aber auch die 750-Jahr-Feier 2019, wo die beiden Ortsteile unterwegs waren. Das sind Momente, die mir sehr gut gefallen haben."

Gibt es unvollendete Projekte, von denen Sie sich wünschen, dass Ihr Nachfolger diese zu Ende bringt?

„Es gibt drei Großprojekte. Das ist einmal die Turnhallensanierung. Das ist die Seniorentagespflegestätte und das ist das Feuerwehrgerätehaus. Da sind alle Beschlüsse gefasst. Das Ganze muss jetzt natürlich umgesetzt werden. Da werde ich auch ein Augenmerk drauf haben. Und insbesondere ist mir die Seniorentagespflegestätte eine Herzensangelegenheit. Da hoffe ich, dass das Ganze auch zügig umgesetzt wird."

Sie gehen nun mit Ruhe, liegt es auch daran, dass Sie glauben, dass das Amt in guten Händen ist? 

„Ich hoffe, das Amt ist in guten Händen, das wird sich natürlich zeigen und dann denke ich dann auch, wenn das Amt in guten Händen ist, dann ist es sehr, sehr gut und wenn es nicht in guten Händen wäre, was ich nicht hoffe, dann wären sechs Jahre eine lange Zeit."

Siegfried Scholtka, Bürgermeister Mömlingen (18 Jahre Amtszeit)

KW18 Scholtka foto

Welcher Moment ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben? 

„Ein besonderer Moment ist sicherlich die 1.200-Jahre-Feier gewesen, wo wirklich 5.000 Mömlinger hier gefeiert haben. Da war sehr viel Emotion im Spiel und immer wenn Emotionen im Spiel sind, ist es natürlich auch sehr bewegend und der schönste Moment war dann die Lasershow, die wir da gemacht haben, wo sich dann die Menschen in die Arme gefallen sind.“

Wie geht es Ihnen mit dem Abtritt? 

„Vor sechs Jahren habe ich gesagt, ich trete das letzte Mal an. Das war aber vor sechs Jahren noch so weit weg, dass ich mir da keine Gedanken gemacht habe. Spätestens mit der Verabschiedung kamen dann die Emotionen hoch. Das ist so, wenn man was mit Liebe gemacht hat, dann ist das wie eine Trennung. Es ist zwar alles geplant und alles gewollt, aber trotzdem tut es dann doch ein bisschen weh, mit dieser Aufgabe aufzuhören.“

Wie war denn Ihre Abschlussfeier?

„Es war sehr bewegend. Es waren auch die 200 Gäste da, die gewürdigt haben, was in diesen 18 Jahren gelaufen ist. Und ich habe als Abschiedsgeschenk eine Bürgermeisterbank gekriegt und da werde ich mich von Zeit zu Zeit mal hinsetzen und ein Weißbier trinken.“

Was ist denn jetzt für die neue Phase geplant? 

„Mich mehr um die Familie kümmern. Wobei die Kinder natürlich jetzt groß geworden sind. Der Jüngste war damals 10, als ich angefangen habe. Die Zeit kann man auch nicht mehr zurückholen. Und ich werde mich um unseren Garten mehr kümmern und noch einen zusätzlichen Garten machen. Ich habe mir ein Obstgrundstück gekauft, also so eine Streuobstwiese. Und ich habe mir fest vorgenommen, einen Schnittkurs zu machen und dann muss man gucken, wie die Zeit ausreicht, dass man sich auch nicht übernimmt.“

Was werden Sie besonders vermissen? 

„Ich habe sehr viel Spaß an Projektarbeit und gerade sind wir ja noch aktuell dran an dem Windkraftprojekt. Ich bin dran an dem MVZ, das wird jetzt am Montag eröffnen. Da hätte ich die Babys schon noch ein bisschen begleitet, aber es ist halt diese Zäsur drin. Ich konnte auch nicht um ein Jahr verlängern, ich musste mich entscheiden, mache ich sechs Jahre nochmal oder höre ich auf. Deshalb ist es halt so, dass ich gesagt habe, ich höre auf und dann muss man halt trennen. Hermann Hesse sagt, in jedem Anfang wohnt ein Zauber inne und auch im Abschied liegt ja was, weil jeder Abschied ist auch ein Neubeginn einer neuen Phase."

Werden Sie die Gemeinde weiterhin unterstützen?

„Ich bleibe Vorsitzender vom Abwasserzweckverband, von der Bürgerenergie und der Touristischen Arbeitsgemeinschaft. Ich werde mich in den Gruppen, die ich ins Leben gerufen habe ehrenamtlich engagieren. Ich bin im Königswald-Team, da werde ich jetzt auch aktiv beitragen, indem ich jetzt da helfe, wenn der Grünschnitt gemacht werden muss. Ich bin im Ader-Mutter-Vogelhaus-Team mit drin, da sind noch Restarbeiten zu erledigen, damit es noch ein bisschen hübscher wird. Dann werde ich natürlich auch weiterhin das Gemeindeleben beobachten und meiner Nachfolgerin mit Rat und Tat beiseite stehen."

Andreas Zenglein, Bürgermeister Haibach (20 Jahre Amtszeit)

KW18 Andreas Zenglein jung
Zenglein in seiner Jugend

Was war der einprägendste Moment Ihrer Amtszeit?

„Es gibt eine ganze Menge Dinge in den letzten 20 Jahren, die mich weitergebracht haben, aber sowohl politisch als auch gesellschaftlich, aber auch zwischenmenschlich berührt haben. Allen voran glaube ich, als meine Initiative und ich eine Familie wieder aus der Ukraine zurück nach Haibach zu holen, nachdem die ausgewiesen wurden. Das waren natürlich schon berührende Momente, als wir mit dem Bus da runtergefahren sind und sie von der polnischen Grenze abgeholt haben.“

Was werden Sie am meisten vermissen?

„Mein Team. Die haben auch jetzt für den letzten Arbeitstag offiziell nochmal was vorbereitet. Wir haben schon eine Themenwoche seit Montag. Die haben jeden Tag ein neues T-Shirt an mit einem Konterfei von mir. Es gibt Bilder hier im Haus. Das tägliche Grüßen, das tägliche Lachen, das tägliche Scherzen, sei es nun auf der Treppe oder in den Büros, das wird mir sehr fehlen.“

KW18 Andreas Zenglein Faschingszug 2012
Andreas Zenglein beim Faschingszug 2012

Und was werden Sie nicht vermissen?

„Das morgendliche Aufstehen, meistens durch den Wecker geweckt werden. Das wird jetzt weniger, aber ich bin eigentlich ein Frühaufsteher.“

Was steht jetzt die nächste Zeit für Sie an?

„Tatsächlich jetzt im Mai für zehn Tage erst einmal Urlaub machen. Da fahren meine Frau und ich mal an die Ostsee, im August nochmal nach Langeoog und dann im September in den Bayerischen Wald. Ich bin ja leidenschaftlicher Radfahrer und ich werde meinem Ausdauersport sicherlich jetzt wieder mehr Zeit widmen können…“

Ralf Reichwein, Bürgermeister Klingenberg (14 Jahre Amtszeit)

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Reichweins Abschiedsfeier

Wie blicken Sie auf die letzten 14 Jahre zurück?

„Es ist schön auf diese Zeit zurückzublicken, weil ich mich wohl gefühlt habe. Es ist nicht so, dass ich mit großem Wehmut gehe, weil ich ein bestelltes Feld hinterlassen habe. Der nächste Bürgermeister kann einige Projekte jetzt weiterführen und beenden – und ich glaube, dass wir die Stadt Klingenberg in den letzten 14 Jahren nach vorne gebracht haben.“

Was waren wichtige Stationen in Ihrer Zeit?

„Wir – Verwaltung, Stadtrat und alle Beteiligten - haben zusammen einen Kindergarten, eine Schule und ein Rathaus gebaut In dieser Zeit ist eine neue Ortsmitte in Trennfurt entstanden und eine neue Ortsmitte in Klingenberg. Wir haben unsere Friedhöfe komplett umstrukturiert und haben die Kultur dabei nicht vergessen.“

Gab es einen Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

„Die schönste Zeit war das Rathaus in der Schule. Wenn ich über den Pausenhof gegangen bin, sind Kinder auf mich zugekommen. Wir haben uns auf die Bank oder Treppe gesetzt und haben uns in der Pause unterhalten. Das war so schön – ich war richtig traurig, als wir in unser neues Rathaus umgezogen sind.“ 

Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Ich muss jetzt mal abwarten, was kommt. Ich bin ganz offen und freue mich schon auf die Zeit mit meinen Enkelkindern, weil meine Kinder darunter leiden mussten, dass ich nicht so viel Zeit hatte. Das möchte ich jetzt mit meinen Enkelkindern nachholen – und bei fünf Stück, da kann man schon viel machen. Ich bin im Kreistag und habe noch eine Herzenssache, die ich unheimlich gerne mache: Ich bin der Vorsitzende von Churfranken, also habe ich mehr Zeit, mich um das zu kümmern.“

Auch diese Bürgermeister vom Untermain verabschieden sich:


Angelika Krebs, Kleinkahl             (30 Jahre)

Thomas Köhler, Kleinwallstadt     (24 Jahren)

Wolfgang Seitz, Neunkirchen       (24 Jahre)

Matthias Müller, Blankenbach      (18 Jahre)

Roland Eppig, Großwallstadt        (18 Jahre)

Stefan Schwab, Kirchzell               (18 Jahre)

Peter Zenglein, Johannesberg      (18 Jahre)

Günther Winkler, Eichenbühl        (18 Jahre)

Dietmar Fieger, Oberburg            (12 Jahre)

Thomas Grün, Bürgstadt              (12 Jahre)

Wolfgang Hörnig, Faulbach         (12 Jahre)

Bernd Schraud, Hausen               (12 Jahre)

Andreas Amend, Altenbuch         (12 Jahre)

Gernot Winter, Großheubach       (6 Jahre)