Das große Krabbeln

ASCHAFFENBURG/HÖSBACH (mg). Sie bauen Untergrund-Superkolonien. Darin oft hunderte Königinnen. Über unterirdische Gänge vernetzten sie die einzelnen Nester miteinander. Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum – eingeschleppt über importierte Pflanzen und Obstkisten – untergraben sie jetzt Gehwege und Fundamente in unserer Region. Sie befallen Wohnhäuser und greifen Strom- und Internetkabel an. Die Große Drüsenameise ist bei uns eingezogen.
Besonders betroffen ist der Aschaffenburger Stadtteil Leider - dort ist ein Befall in den Bereichen der Marienbader Straße, Ruhlandstraße, Brunnengasse und der Karlsbader Straße bekannt. Ab Dienstag will die Stadt den Ameisen vermehrt an den Kragen gehen. Mithilfe von heißem Wasser und einer Schädlingsfirma werden zunächst die befallenen Stellen im öffentlichen Raum behandelt. 2000 Euro kostet der Einsatz pro Tag. Zu teuer, auf Dauer – deshalb überlegt die Stadt jetzt eigene Ameisenjäger auszubildenden, mit einem Heißwassergerät auszustatten und auf die invasiven Ameisen loszulassen. Unsere heimischen Ameisen sind wichtige Nützlinge in den Gärten, sie lockern den Boden, bauen organische Materialien ab und verbreiten die Samen unserer Pflanzen. Deshalb wichtig: Ameise ist nicht gleich Ameise! Gartenbesitzer sollten nicht vorschnell zu Insektiziden greifen. Unsere vertrauten Ameisenarten leben in kleinen, klar abgegrenzten Nestern und konkurrieren mit benachbarten Kolonien. Anders die Große Drüsenameise – die Kolonien bekämpfen sich nicht, sondern verschmelzen zu Superkolonien mit hunderten Königinnen und Millionen Arbeiterameisen. Diese riesigen Nester können sich über mehrere Hektar erstrecken und der Klimawandel begünstigt die Ausbreitung zusätzlich. Heiße Sommer und milde Winter machen die Große Drüsenameise glücklich. Die verschiedenen Ameisenarten zu unterscheiden ist nicht ganz so leicht. Die Drüsenameise ist komplett schwarz, sehr aktiv und aggressiv. Sie hinterlässt einen Auswurf von Sand oder Erde rund um die Nesteingänge. Ihre Größe kann stark variieren. Am Ende kann nur ein Spezialist Klarheit bringen. In Hösbach ist die invasive Ameisenart schon länger ein Thema und auch auf dem Friedhof in Rodgau-Dudenhofen gibt es Probleme. Der Befall in Rodgau ist nach ersten Maßnahmen zwar zurückgegangen – ganz verschwunden sind die Ameisen aber noch nicht.Vollständig auslöschen lässt sich die Drüsenameise nach Einschätzung der Fachleute sowieso nicht - Ziel ist deshalb, erstmal eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern.