Das Handwerk ist zurück!

BAYER. UNTERMAIN (lt). Rund 2.400 Azubis in unserer Region starteten am ersten September in den Berufsalltag. Für sie stehen dreieinhalb Jahre Berufsausbildung an. Kraftfahrzeugmechatroniker, Elektroniker undAnlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik waren in diesem Jahr besonders begehrt, wie die Zahlen der Handwerkskammer zeigen. Auch Ludwig Paul, Geschäftsführer der Handwerkskammer Unterfranken freut sich über den Zuwachs von vergebenen Ausbildungsplätzen.
Die Coronazeit war auch für das Handwerk eine harte Zeit, doch jetzt scheint die Krise endlich überstanden zu sein. „Die Lehrverträgezahlen haben sich sehr positiv entwickelt. Wir haben eine Steigerung von fast vier Prozent und sind damit wieder vor Corona Niveau“, freut sich der Geschäftsführer der Handwerkskammer Unterfranken Ludwig Paul.
Das ist die Nummer 1
Ganz vorne ist der Fahrzeugmechatroniker. Mit 492 abgeschlossenen Verträgen ist er der beliebteste Ausbildungsberuf im Handwerk und das mit großem Abstand. Bei der Arbeit wird gewartet, repariert und diagnostiziert - mit Hilfe von technischen Systemen an Autos, Lastwagen oder Motorrädern. Platz zwei ist der Elektroniker mit 243 vergebenen Ausbildungsplätzen dicht gefolgt vom Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.
Mehr Präsenz der Handwerksberufe
Hinter dem Handwerks-Boom steckt ganz schön viel Arbeit, wie uns Ludwig Paul erzählt. „Sei es die Kreishandwerkerschaften, die aktiven Betriebe, die Handwerkskammer, die hier sehr viel auch macht“ Sie alle haben mehr Präsenz gezeigt. Viele Azubis berichten, dass sie ihren Ausbildungsunternehmen auf einer Jobmesse aufmerksam geworden sind. Und diese Anstrengungen, die lohnen sich und vielleicht ist das jetzt ein Stück Ernte, welche man für diese gemeinschaftliche Anstrengung in der Handwerkerfamilie jetzt einfahren kann.
Vielfalt auf dem Ausbildungsmarkt
Wie vielfältig das unterfränkische Handwerk ist, zeigt sich auch bei den neuen Ausbildungsverträgen: Rund 22 Prozent der Auszubildenden haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Insgesamt kommen die jungen Menschen, die derzeit im unterfränkischen Handwerk ausgebildet werden, aus fast 90 Nationen. Für Handwerkskammer-Präsident Ludwig Paul ist das ein Zeichen dafür, dass das Handwerk nicht nur eine wichtige Wirtschaftskraft, sondern auch eine starke integrative Kraft ist. Auch bei den Schulabschlüssen zeigt sich ein bunt gemischtes Bild. „Wir hatten jetzt schon einige Bewerber, die ihr Fachabi gemacht hatten, aber auch Leute, die einen Realschulabschluss hatten. Überwiegend sind es immer noch welche mit Haupt- bzw. Qualiabschluss“, sagt Ausbildungsleiter bei Gentil Joris Cholevas.
Noch 1500 Stellen frei
Jedoch sind noch nicht alle Plätze vergeben: „Wir haben noch 1.500 offene Lehrstellen in ganz Unterfranken, das sind 1.500 Lebensfundamente, die noch gegossen werden wollen. Da kann man also bis Ende des Jahres auf jeden Fall noch den Einstieg üben hier im Handwerk.“ Gleich am Montag gibt es bei der Bundesagentur für Arbeit in Aschaffenburg wieder eine Bildungs- und Berufsmesse, die sich speziell an Quereinsteiger oder Leute, die eine Weiterbildung in Erwägung ziehen, richtet.
Davyd Nakonechnyi (19 Jahre) Azubi bei Gentil Hartmetall
„Ich finde Metallbearbeitung total spannend. Ich habe schon als Kind viel mit Handwerk gemacht. Mein Vater hat mir das alles gezeigt. Die Stelle habe ich im Internet gefunden – auf der Website der Arbeitsagentur. Mein erster Tag war total entspannt. Wir haben sehr viel über Sicherheit und die Arbeit mit Metall an sich geredet und ich habe sogar alles verstanden. Ich habe vor meiner Ausbildung ein Praktikum im Metallbereich gemacht. Ich möchte in den nächsten Jahren gerne hierbleiben und meinen Meister machen.“
Elia Killinger (15 Jahre), Azubi bei Gentil Hartmetall
„Auf der Berufsmesse habe ich die Firma und den Beruf kennengelernt. In der ersten Ferienwoche durfte ich hier dann ein Praktikum machen. Jetzt mache ich erstmal die normale Ausbildung, und dann kann ich mir immer noch überlegen, ob ich meinen Meister machen will oder nicht. Eigentlich wollte ich in der Gärtnerei was machen…“
Joris Cholevas (Ausbildungsleiter bei Gentil in Stockstadt)
„Wir haben dieses Jahr zum ersten Mal drei Lehrlinge – sonst hatten wir maximal zwei. Es haben sich dieses Jahr aber auch mehr beworben. Das könnte aber auch daran liegen, dass wir in die Schulen gegangen sind oder uns generell präsenter gezeigt haben.“