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Die Samtpappel schlägt zu

01.11.2026, 00:00 Uhr in PrimaSonntag
KW44 Landwirt 3

ALZENAU (lt). Thomas Pörtner steht vor seinem rund sechs Hektar großen Zuckerrüben-Feld in Alzenau. Der Rübenroder war schon längst da, doch die Zuckerüben stecken immer noch fest in der Erde. Die Rodung musste kurzfristig abgebrochen werden. Der Grund? Die Unkrautpflanze Samtpappel. Sie verbreitet sich rasant durch ihre zahlreichen Samen. Die kleinen Samen bleiben in der Maschine hängen und können so auf andere Felder verschleppt werden. Doch das passende Pflanzenschutzmittel fehlt. 

„Diese Fläche ist siebenmal gespritzt“, beteuert Pörtner. Doch das Pflanzenschutzmittel würde lange nichts mehr bringen. Das verändernde Klima lässt auch das Unkraut sprießen und die meisten Pflanzen sind gegen die Bekämpfungsmittel immun. „Und die sind in ihrer Wirkung auch begrenzt“, erklärt Pörtner. Es darf weder zu heiß noch zu kalt sein, nicht zu nass, aber auch nicht zu trocken. Und auch das Unkraut muss die passende Größe haben. Zusätzlich muss das Mittel auch noch ganze vier Tage einwirken. 

Immer weniger Rübenanbau

Pörtner ist mit seiner Situation längst nicht allein. „30 bis 40 Prozent an Fläche ist in den letzten fünf Jahren wegen dieser Umstände abgesprungen“, bedauert der Alzenauer Landwirt. Immer mehr Flächen könnten für den Zuckerrübenanbau wegfallen. Das hätte Folgen, die weit über die einzelnen Höfe hinausreichen: Wird hierzulande weniger angebaut, muss mehr importiert werden. Und das kann sich am Ende auch auf die Preise auswirken. Hinzu kommt, dass Pörtner die Ernte nicht einfach selbst übernehmen kann, denn ein eigener Rübenroder ist finanziell kaum stemmbar. Deshalb ist er auf einen landwirtschaftlichen Maschinenverbund angewiesen, über den die teure Spezialmaschine organisiert wird. Wenn diese anrückt und die Rodung dann abgebrochen werden muss, bleibt nicht nur die Ernte liegen – auch die Kosten für die Anfahrt stehen im Raum. Für Pörtner geht es dabei um eine Summe im vierstelligen Bereich.

KW44 Landwirt 2
KW44 Landwirt 1

Erschreckende Prognose für Ernte

Die Samtpappel ist jedoch nur eine von vielen Herausforderungen, mit denen Landwirte am Untermain in diesem Jahr zu kämpfen haben. Prognosen zeigen erschreckendes: Aufgrund des extrem heißen und trockenen Sommers werden statt 80 Tonnen Zuckerrüben pro Hektar nur rund 52 Tonnen erwartet. Auch der Stolbur-Befall macht vielen Landwirten schwer zu schaffen. Diese Pflanzenkrankheit gibt den Rüben eine gummiartige Konsistenz. Für Pörtner ist die vierstellige Rechnung deshalb nicht das eigentliche Problem. Was ihm fehlt, ist eine wirksame Lösung gegen die hartnäckigen Unkräuter, um einen Befall langfristig zu bekämpfen. „Es geht um die Zukunft der Zuckerrüben-Landwirtschaft und um ein Nahrungsmittel“, sagt er. Bis sein Feld endlich gerodet wird, muss er noch bis mindesten Mitte November warten. Er kommt ganz zum Schluss dran mit weiteren befallen Feldern, um eine weitere Verbreitung der Samen möglichst zu verhindern.