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Das Wechselkarussell: Landtagswahlen in Bayern

14.10.2023, 11:30 Uhr in PrimaSonntag
KW41 Titel Politik
Fotos: privat

BAYER. UNTERMAIN (jm). Die Landtagswahl 2023 ist Geschichte und Bayern hat einen neuen Landtag. Für unsere Kandidaten vom Bayerischen Untermain war der vergangene Sonntag gleichzeitig ein Tag des Triumphes und der Wehmut. PrimaSonntag stellt die Veränderungen näher vor.

Abgänge:

KW41 Landtag Rueth online
Berthold Rüth (CSU)

Der Eschauer war seit 2003 Mitglied des Bayerischen Landtags. Vor der jetzigen Wahl gab der 65-Jährige bekannt, nicht mehr anzutreten.

„Die CSU im Kreis Miltenberg hat nach einem engagierten Wahlkampf ein hervorragendes Ergebnis erzielt“, analysiert Berthold Rüth. Damit sei die CSU hier gestärkt und könne optimistisch in die Zukunft blicken. Als Rüths Nachfolge wird der Sulzbacher Bürgermeister Martin Stock antreten. „Er ist mein Wunschnachfolger und braucht keine Ratschläge. Er soll so bleiben, wie er ist.“ Bleibende Erinnerungen an seine Amtszeit hat der Eschauer einige: „Da ist zu allererst die Audienz der CSU-Landtagsfraktion beim damaligen Papst Benedikt in Rom. Und im krassen Gegensatz dazu die Teilnahme der bayerischen Delegation an der Maikundgebung in Havanna, in direkter Nachbarschaft zu Raúl Castro.“ Konkrete Pläne für den Ruhestand hat er nicht. „In erster Linie will ich Zeit für meine Familie und insbesondere meinen Enkel haben.“

KW41 Landtag 2
Dr. Helmut Kaltenhauser (FDP)

2018 schaffte es Kaltenhauser in den Landtag und war unter anderem Mitglied des Ausschusses für Staatshaushalt und Finanzfragen. Bei der jetzigen Wahl schaffte es die FDP nicht in den Landtag.

„Wenn man sich fünf Jahre mit all seiner Kraft für die Heimat und die Freiheit der Menschen eingesetzt hat, hätte man sich natürlich mehr erhofft“, erklärt Helmut Kaltenhauser. Das Wahlergebnis ist für den 62-Jährigen schockierend. „Dass die ‚Lauten‘ und diejenigen, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, zum Teil sogar bewusst lügen oder einfache Lösungen vorgaukeln, die Stimmen auf sich ziehen, ist in diesem Ausmaß erschreckend. Sachthemen spielen kaum noch eine Rolle. Unsere Gesellschaft muss dringend wieder zu einem offenen fachlichen Diskurs zurückkehren, das würde die politischen Rattenfänger zurückdrängen.“ Inhaltlich blicke er auf erfolgreichen Einsatz für den Erhalt der Berufseinstiegsbegleitung. „Fachlich war es der gute Austausch mit Kollegen fast aller anderen Fraktionen im Haushaltsausschuss, jedenfalls solange kein Mikrofon in der Nähe war. Und menschlich die kollegiale und an gemeinsamen Zielen orientierte Zusammenarbeit in meiner Landtags-Fraktion, was bei einer Ansammlung von alpha-Tieren ja keineswegs selbstverständlich ist.“ Zwei Sachen hat er sich für die Zukunft vorgenommen: „Mehr Zeit für mein Ehrenamt als Präsident des bayerischen Musikrates und für meine Enkel. Ob ich noch einmal eine berufliche Aufgabe übernehme, ist noch offen. Jedenfalls ist meine Tatkraft nach dem Wahlkampf und dem Wahlabend schon wieder zurückgekehrt.“

Zugänge:

KW41 Landtag Thomas Zoeller online
Thomas Zöller (Freie Wähler)

Zöller war seit 2008 Bürgermeister in Mönchberg. Bei der Wahl zieht er über die Listenplätze erstmals in den Landtag.

„Zum einen freue ich mich sehr über die neue Aufgabe in München, allerdings habe ich auch ein weinendes Auge“, erzählt Thomas Zöller. „Wenn ich an die letzten 15 Jahre denke, in denen ich gemeinsam mit all unseren Mitarbeitenden und dem Marktgemeinderat für den Markt Mönchberg arbeiten durfte, dies wird mir fehlen!“ Vom Abschneiden der AfD ist er erschrocken. „Deren Direktkandidaten haben im Kreis Miltenberg kaum Wahlkampf gemacht haben und sind hier überhaupt nicht in Erscheinung getreten.“ Sein Augenmerk liege auf die Unterstützung der Vereine, Verbände und Kommunen im derzeitigen „Förderdschungel“ und beim Abbau der „überbordenden Bürokratie“. „Weiterhin möchte ich den Mittelstand, das Handwerk und unsere Firmen am bayerischen Untermain stärken. Damit wir auch weiterhin genügend ordentlich bezahlte Arbeitsplätze haben!“

2021 Martin Stock Sulzbach Buergermeister MN
Martin Stock (CSU)

Der Bürgermeister von Sulzbach tritt Rüths Nachfolge an und sicherte sich das Mandat im Kreis Miltenberg.

„Das Wahlergebnis macht mich natürlich sehr glücklich, gleichzeitig aber auch etwas demütig. Knapp 40 Prozent - so deutlich hätte ich das nicht erwartet“, erzählt der frisch gewählte Landtagsabgeordnete Martin Stock. „Ich war am Dienstag schon bei der ersten Fraktionssitzung in München dabei, da hat Ministerpräsident Söder explizit Unterfranken gelobt und gedankt für das starke Ergebnis.“ Jetzt tritt Stock die Nachfolge von Berthold Rüth an, der 20 Jahre im bayerischen Landtag vertreten war. „Er hatte immer ein offenes Ohr für die Menschen - das möchte ich beibehalten.“ Das Bürgermeisteramt in Sulzbach wird Stock abgeben. Besonders fehlen werde ihm das tolle Team im Rathaus sowie die immer gute Zusammenarbeit im Gemeinderat. Die Kontakte aus Sulzbach will Stock auch von München aus weiter pflegen. Doch was sind seine Ziele im Landtag? „Ich möchte Anwalt der Bürger, Kommunen und Unternehmen sein. Ich war Bürgermeister, Richter und Mediator - da bringe ich hoffentlich ganz gute Problemlöser-Qualitäten mit.“

KW41 Landtag Joerg Baumann online
Jörg Baumann (AfD)

Der 42-Jährige kommt aus Haibach und arbeitet als Polizeibeamter. Für die AfD zieht er über den Listenplatz in den Landtag.

„Die Freude ist natürlich riesengroß. Damit habe ich nicht gerechnet“, freut sich Jörg Baumann. „Das ganze Leben verändert sich jetzt. Ich freue mich auf die kommenden Aufgaben. Bei allen Wählern kann ich mich nur für das Vertrauen bedanken.“ Das Wahlergebnis bewertet er als Abstrafung der Ampelparteien. „Da spielen natürlich bundespolitische Themen mit rein. Für uns freut es mich natürlich, dass wir ein Rekordergebnis eingefahren haben. Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg, jetzt sind wir in der Pflicht, die Wähler zu bestätigen.“ Berufsbedingt als Polizeibeamter liegt Baumann die innere Sicherheit am Herzen. „Ich würde auch gerne in den Innenausschuss. Wir müssen die Polizei stärken und die illegale Massenmigration bekämpfen. Das zeigen auch die radikalen Muslime bei uns, die die Anschläge auf Israel feiern.“

Die AfD-Abgeordnete Ramona Storm hat auf Anfrage unserer Redaktion nicht reagiert.

Sie verbleiben im Landtag:

Prof. Dr. Winfried Bausback (CSU)

Judith Gerlach (CSU)

Martina Fehlner (SPD)