• Frequenzen: 100,4 & 99,4 & 90,8
  • Funkhaus Tel 06021 – 38 83 0
  • Stauhotline 0800 – 66 66 400
  • Kontakt

On Air

Jetzt anhören

„Der Job meines Lebens“

01.08.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
KW30 Harry Kimmich online

ASCHAFFENBURG (mg). „Die Welt können wir nicht verändern, aber unsere Stadt.“ – so lautet bis heute das Leitmotiv des Vereins Grenzenlos. Gegründet wurde er vor fast 30 Jahren von Harry Kimmich – heute sind 140 Mitarbeiter im Kampf gegen die Armut aktiv. Viele Menschen fanden durch den Verein Hilfe, Hoffnung und ein offenes Ohr – jetzt endet eine Ära. Harry Kimmich gibt den Vorsitz ab. Sein Nachfolger Michael Wenzel will den erfolgreichen Weg fortsetzen. Wir haben mit dem Vorbild und Mutmacher Kimmich über sein Lebensprojekt gesprochen.

„Die Hoffnung vor 30 Jahren war, dass unser Verein irgendwann mit mehr gebraucht wird -das hat sich leider nie bewahrheitet.“, berichtet Kimmich. Umso wichtiger ist ein Nachfolger, der den Verein mit genauso viel Engagement und Herzblut weiterführt. Nach fast vier Jahren Suche und einigen – „Nein, danke“ – Absagen steht jetzt fest: Michael Wenzel übernimmt den Job. Wenzel sitzt im Stiftungsrat der Stiftung „Hilfe in Not“, aus dem Kreis Miltenberg und bringt wichtige Erfahrung mit. Der 63-jährige Obernburger ist promovierter Physiker und kehrt für die Nachfolge aus dem Ruhestand zurück. Weitere Veränderungen im Vorstand des Vereins stehen an und Kimmich zeigt sich dankbar: „Ich bin sehr überzeugt, dass das neue Team es super machen wird. Für mich gibt es deshalb nicht einfach nur Erleichterung, sondern auch Freude.“

Mehr als nur Lebensmittel

Das ist auch für die vielen Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen, welche auf die Hilfe des Vereins angewiesen sind, eine gute Nachricht. Für von Einsamkeit Betroffene, Alleinerziehende, Menschen mit Migrationshintergrund oder auch Rentner, denen die Rente einfach nicht reicht, ist der Verein eine wichtige Säule in ihrem Leben: „Diese sind auf unsere Hilfe angewiesen, ob in Form von günstigen Lebensmitteln oder, weil sie auch einen Hunger nach Kommunikation im Café haben.“ Es entstehen besondere Begegnungen und manche lassen einen auch nicht mehr los: „Es kam mal ein Mann zu uns, der eigentlich all die Jahre auf unsere Hilfe angewiesen war. Über Jahre hatte er Flaschen gesammelt und das Geld zurückgelegt. Eines Tages stand er mit 1.100 Euro in 5-Euro-Scheinen vor uns und wollte es dem Verein zurückgeben. Das hat mich sehr berührt.“, erzählt Kimmich. Ein besonderes Zeichen des Zusammenhalts: Viele, die sich bei Grenzenlos engagieren, kämpfen selbst mit den Folgen von Armut und unterstützen dennoch andere.

Ein Mann, der Türen öffnete

Sich in die Gesellschaft einbringen und einen positiven Beitrag leisten - doch wo startet man damit? „Man muss halt erst mal überlegen, was hat man zu geben und was kann man gut. Jeder kann auf seine Art versuchen, unsere Stadt ins Positive zu verändern und gegen die Spaltung vorzugehen.“ Kimmich blickt zurück: „Das war eigentlich der Job meines Lebens - weil es mir einfach gelegen hat, Türen für Menschen zu öffnen, die sich noch nicht mal getraut hätten anzuklopfen.“