"Manche haben nicht mal was zu essen"

ASCHAFFENBURG (lt). Wir alle bemerken, dass sich der Geldbeutel immer schneller leert und wir manchmal auf den kleinen Alltags-Luxus verzichten müssen. Für viele ist das aber nicht ein neues Kleidungsstück, sondern es fehlt Geld für Wichtiges wie eine Packung Windeln für das Baby oder Grundnahrungsmittel. Die Armut hat sich in den letzten Jahren vervierfacht und breitet sich wie ein loderndes Feuer auch bei uns aus.
Manche bekommen dies intensiver mit als andere.Gutherzig e.V., hilft seit mehreren Jahren Menschen, die nichts für ihre Zustände können und startet ein neues Gesamtprojekt, um zahlreichen Familien neue Hoffnung zu schenken und ihnen die vielen Steine aus dem Weg zu räumen.

Neuer Rollstuhl zu groß für das Auto
Isabella Crede aus Aschaffenburg ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Sie selbst ist vorerkrankt: „Ich habe einen Grad der Behinderung von 100. Bei mir ist viel psychische Belastung und mir fehlt ein Auge.“ Aber auch ihr mittlerweile 12 Jahre altes Frühchen Lian ist schwerstbehindert und auf beiden Augen blind. Ihr Sohn wächst und so musste natürlich auch ein neuer Rollstuhl und Kindersitz für das Auto her, doch ihr Fahrzeug wächst leider nicht mit. Der neue Rollstuhl ist zu groß für den Kofferraum, sodass der Rücksitz umgeklappt werden muss, doch wo sollen jetzt die drei Kinder sitzen? Auch Lian wird mit den Jahren für die zierliche Isabella immer schwerer hochzuheben, um ihn auf seinen Sitz ins Auto zu setzen.
Kaum Hilfe vom Bezirk
Isabella stellte einen Antrag beim Bezirk Unterfranken und bat um Hilfe, doch der Bezirk beschränkt sich nur auf Lians Behinderung und berücksichtigt dabei nicht, dass Isabella auch vorerkrankt ist. Die vorübergehende Lösung ist alles andere als sicher: „Lian sitzt jetzt auf einer Sitzschale, was aber gar nicht gut für ihn ist. Wenn was passieren sollte, kann er sich ja gar nicht abfangen.“ Isabella braucht ein neues Auto, denn ohne ist ihr Leben nicht zu managen. Der Weg zum Kindergarten nach Kleinwallstadt oder zur Einrichtung, die Lian besucht, ist ohne Auto undenkbar. Doch sie weiß nicht, woher sie das Geld nehmen soll. "Aufgrund seiner Behinderung schnappt Lian nach seinen Geschwistern", erzählt uns Mama Isabella. „Deshalb soll er eigentlich gesondert sitzen und nicht neben seinen Geschwistern.“ Mit dem aktuellen Auto ist das alles einfach nicht möglich.

„Jetzt bricht alles über mir ein“
Auch Sandra Szkoda aus Erlenbach erlitt einen schweren Schicksalsschlag. Sie fuhr letzten Sommer mit ihrer mittleren Tochter Fiona ganz gemütlich vom Östereich-Urlaub zurück nach Hause. Plötzlich ging ihr Auto in Flammen auf. Das Geld für das Auto hatte sie sich von ihrem Bruder geliehen, da sie als alleinerziehende Mutter mit einem Teilzeitjob nicht kreditfähig ist. Sie blieb auf den Kosten sitzen und muss nun ein Auto abbezahlen, das gar nicht mehr existiert. Einen Tag nach dem Unfall bekam sie die erschreckende Nachricht: Ihre älteste Tochter Emely leidet an Leukämie. Das Leben der Familie drehte sich von heute auf morgen um 180 Grad. „Ich musste das alles alleine machen. Der Vater war nicht greifbar. Ich habe auch keine Familie hier in der Gegend, weil ich ursprünglich nicht von hier komme. Von Dezember bis März mussten wir dann täglich von Erlenbach aus nach Würzburg in die Uniklinik“, erzählt sie. Ihre damals dreizehnjährige Tochter Fiona blieb in dieser Zeit oft alleine zu Hause zurück.
„Ich habe einfach nur funktioniert“
Im März dann die positive Nachricht: Emely hat den Kampf gegen den Krebs gewonnen. Für sie und ihre Mama geht es trotzdem weiterhin regelmäßig nach Würzburg zum Blutcheck und bis jetzt ist es noch unsicher, ob die 70 Euro Kosten pro Fahrt von der Krankenkasse bezahlt werden. Als es Emely langsam wieder besser ging, brach Sandra zusammen und bemerkte, wie dass sie nur funktioniert hatte. Jetzt muss sie sich selbst priorisieren und sich gemeinsam mit ihren Töchtern zurück ins Leben kämpfen. „Es war alles sehr anstrengend. Meine Tochter hat auch oft die letzten Wochen immer nur noch gesagt, dass sie nicht mehr kann.“ Doch Andre versucht, Emely ein Ziel vor Augen zu geben, für das es sich zu kämpfen lohnt. Schon ewig wünscht sich die Teenagerin einen Trip in die englische Hauptstadt London. Diesen Traum möchte ihr Andre nun nach den kraftzehrenden Chemotherapien erfüllen.

Jeden Tag neue Hilferufe
Isabellas und Sandras Fälle sind bei weitem nicht die einzigen, der Verein bekommt täglich Anfragen und Hilferufe: „Wir haben im Moment auch zwei Babys aus der Region, die leider gestorben sind, beide nicht mal vier Wochen alt und zwei der Eltern sind schwer krank, die anderen beiden schwerbehindert und leben auch in Armut“, erzählt der Vereinsvorsitzende Andre Döbber. Auch diesen Familien möchte Gutherzig e.V. beiseite stehen. Sie werden an der 125-Jahrfeier von Viktoria Aschaffenburg teilnehmen und Verpflegung für die Gäste verkaufen. Von dem Erlös möchten sie dann versuchen, die Beerdigungskosten der beiden Säuglinge zu decken. Eines beobachtet Andre Döbber ganz deutlich: „Wir mussten in den letzten fünf Jahren unserer Weihnachtsaktion feststellen, dass sich die Armut vervierfacht hat. Ich erinnere mich an ein Beispiel von einer alleinerziehenden Mutter mit vier Kindern. Die hat ihre Kinder nicht mehr zur Schule geschickt. Sie hatte noch drei Scheiben Toastbrot im Kühlschrank und sagte mir, dass sie sie lieber zu Hause lässt, damit die Kinder nicht so viel Energie verbrauchen.“ In Andres 15 Jahren Erfahrung kann er eines festhalten: „In 99 Prozent der Fälle trifft die Armut Schwerbehinderte mit Angehörigen. Sie schaffen es alleine nicht mehr und bekommen Sozialleistungen.“ Doch die Sozialleistungen reichen bei weitem nicht mehr aus, deshalb möchte er all diesen Menschen beiseite stehen, sieht aber auch in der aktuellen Regierung eine ganz große Baustelle: „Jeder Politiker in Berlin müsste mal mindestens sechs bis acht Wochen schauen, was wir machen. Dann weiß man, was die Menschen durchmachen und trifft auch eine Entscheidung mit dem Herzen und Verstand fürs Volk.“

Schon lange steht das Funkhaus Aschaffenburg dem Verein Gutherzig e.V. zur Seite, um gemeinsam Familien neue Hoffnung zu schenken. So wie der Spendenaufruf für Jonte und seine Familie aus Sailauf. Der Junge erlitt plötzlich epileptische Anfälle und kein Medikament half. Für die Ärzte war sein Zustand unerklärlich. Durch die zahlreichen Krankenhausaufhalte fehlte der Familie gemeinsame Zeit und sie wünschten sich nichts sehnlicher als einen Familienbus, um gemeinsame Ausflüge machen zu können. Jontes Mutter schrieb uns nun: „Es sind nun 25.000 Euro zusammengekommen, diese haben zwar nicht für einen Bus gereicht, aber für ein tolles Familienauto, in dem alle Hilfsmittel und drei Kindersitze auf der Rücksitzbank Platz haben. Wir wollen für die große Anteilnahme und die ganze Herzlichkeit Danke sagen. Und das Beste: Jonte geht’s zurzeit vergleichsweise wirklich gut. Es haben sich Ehrenamtliche gemeldet und uns im Alltag unterstützt, eine Heilpraktikerin betreut nun die ganze Familie, eine Cranio Therapeutin und eine Osteopathin helfen, Freunde, Ehrenamtliche und Familie helfen mit Fahrdiensten. Es wurden so viele Aktionen gestartet, wie vom Kindergarten und Vereinen aus unserem Dorf und Nachbardörfern. Eine Schwimmlehrerin übt mit uns unermüdlich und wir erlernen so viel Verständnis. Menschen haben angerufen und uns ihre Geschichte als Mutmacher erzählt und die Kraft der positiven Gedanken hat uns so viel Zuversicht gegeben.“ Gemeinsam mit Jontes Familie sagen auch wir DANKE!
Auch Sie können all den Menschen wie Sandra mit Emely, Isabella mit Lian und den trauernden Familien der beiden verstorbenen Säuglinge beiseite stehen und gemeinsam - so wie bei Jonte - Großes erreichen:
Das Spendenkonto von Gutherzig e.V.:
Kontoinhaber: GUTHERZIG e.V.
IBAN: DE31-5019-0000-0007-1626-34
Verwendungszweck: Wir für neue Hoffnung