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"Wir ziehen unsere Gegner über den Tisch"

28.02.2026, 15:00 Uhr in PrimaSonntag
KW09 Fingerhakler 4

LAUFACH (to). Einst ein rustikales Duell im Wirtshaus, heute ein regulierter Wettkampfsport mit festen Statuten: Fingerhakeln hat sich längst vom Kneipentisch auf die Meisterschaftsebene entwickelt. In Laufach ist daraus ein organisierter Vereinsbetrieb entstanden - mit genormtem Wettkampftisch, klaren Gewichtsklassen und Anschluss an den Landesverband. Trainiert wird regelmäßig zwei Mal die Woche - vor allem Kraft, Technik und Schnelligkeit stehen auf dem Plan. Neben erfahrenen Aktiven steht aber auch der Nachwuchs im Fokus, teilweise greift bereits die dritte Generation zum Lederring. Wie der Sport funktioniert, welche Regeln am Tisch gelten und wie anspruchsvoll ein Wettkampf tatsächlich ist, haben uns der 2. Vorstand Gerhard Joksch und Gründungsvorstand Peter Fleckenstein erklärt. 

„Beim Fingerhakeln geht es wortwörtlich darum, den Gegner über den Tisch zu ziehen!“, erzählt Gerhard Joksch lachend. Dafür gibt es einen speziellen Tisch und den Haklerring. Als einziges anderes Hilfsmittel darf Magnesia verwendet werden. Beide Kontrahenten stecken einen Finger durch den Ring. „Auf dem Tisch sind zur Hilfe für den Schiedsrichter zwei Mittellinien eingezeichnet, damit beim Start beide Hakler die gleichen Voraussetzungen haben. Dann darf man zunächst ein Knie an der Tischkante abstützen. Früher bestand der Tisch noch komplett aus Holz, heute ist der Rand gepolstert.“ Zum Start gibt der Schiedsrichter dann das Kommando: Fertig, zieht! „Eigentlich war das mal: Fertig, zieht an! Aber die Kerle sind so schnell geworden, da hat man das Ende weggelassen“, erklärt Joksch. Wenn das Kommando ertönt, lautet das Ziel: Den Gegner über die Außenlinie des Tisches zu ziehen!

KW09 Fingerhakler 3

Mit dem Hakler-Virus infiziert

Alles begann 1980 in Laufach, im Gasthaus „Zum Grünen Baum“. Zwei junge Männer hatten sich während ihrer Wehrdienstzeit in Bad Reichenhall mit dem sogenannten „Hakler-Virus“ infiziert - und brachten die Sportart kurzerhand zurück nach Hause. „Daraufhin gründeten sie den Verein Fingerhakler Laufach und ich übernahm den ersten Vorsitz. Schon ein Jahr später traten die ersten aktiven Hakler unter dem Dach des Gaus Altmühltal an und starteten bei offiziellen Meisterschaften des Bayerischen Landesverbandes“, so Peter Fleckenstein. 1984 richtete der Verein seine erste Deutsche Meisterschaft aus, 1990 kam die eigene Vereinsfahne dazu – eingeweiht bei den Meisterschaften. 1991 entstand der Gau Spessart, die Heimat der Laufacher Hakler, und in den Folgejahren wurden regelmäßig Bayerische und Alpenländische Meisterschaften ausgerichtet.

„Muss Schmerzen überwinden“

Trainiert wird zwei Mal die Woche bei den Laufacher Fingerhaklern: „Dabei kommt es vor allem auf Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit an - und natürlich, dass man nicht mit den Fingern aus dem Ring rutscht!“ Beim Kampf selbst kommt es aber nicht nur auf einen starken Finger an. Beansprucht werden Rückenmuskulatur, Beine, Arme und eigentlich der ganze Körper – aber auch die Technik ist enorm wichtig. „Wie setzte ich mich hin? Wie fühle ich mich wohl? Wie stelle ich mein Bein auf? Wie kriege ich die Kraft auf den Tisch?“ Um sich fit zu halten trainieren die Hakler ganz normal an Fitnessgeräten, wie Hantelbank oder Rudermaschine. „Man kann sich da fürs Training echt einiges einfallen lassen – und unsere Erfolge zeigen auch, dass wir das ganz gut machen!“ Beim Hakeln steht das Durchhaltevermögen im Vordergrund. „Man kann sich ja vorstellen, wenn man da mal eine Minute am Tisch gegen den Gegenüber im Ring hängt – das ist anstrengend, da muss man Schmerzen überwinden können!“

KW09 Fingerhakler 2

Mehr Aufmerksamkeit verdient

„Bei der Gründung waren wir damals fünf oder sechs junge Leute und das meiste ging dann natürlich erstmal über Bekannte und Freunde. Ein bisschen Quälerei gehört beim Sport eben dazu, da bleibt dann leider nicht jeder dran. Aber wir sagen immer: Wenn dich der Hakler-Virus einmal erfasst hat, dann bist du dabei!“ Neben den Alteingesessenen haben auch einige Kids Spaß an dem Sport gefunden. „Mittlerweile sind wir quasi in der dritten Generation. Auch hier sind natürlich einige Bekannte, Enkel von Ehemaligen und Freunde von Freunden dabei, wir besuchen aber beispielsweise auch Schulen und werben da ein bisschen.“ Diese Sportart hat mehr Aufmerksamkeit verdient! Wer Lust hat, sich das Training mal anzuschauen, kann gerne bei Gau Spessart ins schöne Laufach vorbeikommen. Vor Ort herrscht eine sehr familiäre Stimmung.