• Frequenzen: 100,4 & 99,4 & 90,8
  • Funkhaus Tel 06021 – 38 83 0
  • Stauhotline 0800 – 66 66 400
  • Kontakt

On Air

Jetzt anhören

Können wir uns Wohnen noch leisten?

31.05.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
KW22 Mieten und Wohnen Collage

ASCHAFFENBURG (lt). Deutschland ist das Mieterland Nummer eins in der EU: 2025 lebten 52,8 Prozent der Bevölkerung zur Miete. Seit diesem Jahr gilt Aschaffenburgs Wohnungsmarkt offiziell als angespannt. Nicht nur die Miete steigt an, auch die Baufläche für ein Eigenheim werden immer teurer. Menschen schaffen es nicht mehr, die Unterhaltskosten problemlos abzudecken und brauchen zusätzlich soziale Hilfe. Auch auf dem Land wird es immer schwieriger, ein bezahlbares Eigenheim zu finden und gleichzeitig noch die eigenen Lebenshaltungskosten abdecken zu können. Was sagen die Bewohner selbst - Ist wohnen in und um Aschaffenburg noch bezahlbar?

Für den Mietspiegel der Stadt Aschaffenburg wurden im Jahr 2024 rund 4.000 Leute zu ihren Mietkosten und der Wohnungsausstattung befragt. Diese Ergebnisse bilden die Grundlage für den aktuellen Mietspiegel, denn für 2026 wurden die Werte nur rechnerisch um 4,4 Prozent angepasst. Der Mietspiegel zeigt damit einen offiziellen Orientierungswert für die ortsübliche Vergleichsmiete — er bedeutet aber nicht, dass jede Miete in Aschaffenburg automatisch um 4,4 Prozent gestiegen ist. Die gefühlte Realität bei Wohnungssuchenden dürfte jedoch oft deutlich teurer sein. Denn aktuelle Angebotsmieten auf Portalen liegen teils klar über den offiziellen Vergleichsmieten – um die 12 Euro pro Quadratmeter statt circa 9 Euro bei einer Zweizimmer-Wohnung. 

Wohnen belastet viele Haushalte

Aschaffenburg gilt offiziell als angespannter Wohnungsmarkt, seit diesem Jahr stehen die Stadt und Teile der Region auch in der Mieterschutzverordnung. Das heißt: Neue Mieten dürfen nicht beliebig hoch sein, bestehende Mieten nur begrenzt steigen, und nach der Umwandlung einer Mietwohnung in eine Eigentumswohnung sind Mieter länger vor einer Eigenbedarfskündigung geschützt. Laut der Begründung zur bayerischen Mieterschutzverordnung, die das Staatsministerium der Justiz veröffentlicht hat, liegt die Mietbelastung in Aschaffenburg bei 29,8 Prozent. Der kritische Wert beginnt bei 27,5 Prozent. Dazu kommt: Knapp jede zehnte Wohnung gilt als überbelegt, und leerstehende Wohnungen sind knapp. Die Stadt selbst geht sogar nur von etwa drei Prozent Leerstand aus. Eigentlich steht der bayerische Untermain wirtschaftlich nicht schlecht da. Die Kaufkraft liegt in Stadt und Landkreis Aschaffenburg über dem bundesweiten Schnitt, Miltenberg nur knapp darunter. Trotzdem wird Wohnen schwieriger bezahlbar, weil Mieten, Kaufpreise, Baukosten und Nachfrage stark gestiegen sind.

Eigentum ist besonders teuer

Auch beim Kaufen ist Aschaffenburg teuer. Laut Sparda-Wohnstudie kostet Wohneigentum in der Stadt im Schnitt 3.900 Euro pro Quadratmeter. Im Landkreis Aschaffenburg sind es 2.900 Euro, im Landkreis Miltenberg 2.500 Euro. Wer aus der Stadt rausgeht, kommt also günstiger weg — leicht bezahlbar ist Eigentum aber trotzdem oft nicht. Auch die Bodenrichtwerte des Landkreises Aschaffenburg zeigen einen Anstieg von 9 bis 13 Prozent. Insgesamt ist deshalb auch die Bautätigkeit im Stadtgebiet um 19 Prozent in den letzten fünf Jahren gesunken, wie uns die Verwaltung der Stadt Aschaffenburg selbst bestätigt. 

Jobcenter setzt zu niedrige Wohnkostengrenzen

Wohnen ist bezahlbar, wenn man circa ein Viertel seines monatlichen Nettogehalts dafür verwendet“, hält die Friedrich Ebert Stiftung fest. Nur bei solch einem Preisniveau würde genug Geld für die restlichen Lebenshaltungskosten übrigbleiben. Auch die Sozialpädagogin Marion Forche des Vereins Grenzenlos in Aschaffenburg sieht mit einer großen Besorgnis auf die aktuelle Situation: „Es sind wirklich alle Altersgruppen aus den verschiedensten Schicksalen dabei. Man sieht, wie sehr es die Menschen mitnimmt. Sie sind teilweise total verzweifelt.“ Die Miete sei auch ein großer Punkt, wieso bei vielen am Ende des Monats das Geld nicht ausreicht. „Die Mietobergrenzen, die von den Jobcentern akzeptiert werden, sind meiner Einschätzung nach nicht mehr realistisch. Im Rahmen dieser Obergrenzen in und um Aschaffenburg einen Wohnraum zu finden, gestaltet sich zunehmend schwierig - in vielen Fällen unmöglich. Das Jobcenter akzeptiert jedoch nach einem gewissen Zeitraum nur noch die Miete bis zur Mietobergrenze. Die übersteigenden Mietkosten müssen dann selber aufgebracht werden. Das führt dazu, dass die Leute wirklich drastisch verarmen.“

Schicksalsschläge verschärfen die Wohnungsnot

Wie belastend die Situation werden kann, zeigt auch das Beispiel einer Bürgergeldempfängerin: „Nach dem Tod ihres Ehemanns konnte sie unmöglich für die Wohnung vollkommen alleine bezahlen. Sie wurde vom Jobcenter gebeten, sich eine neue, deutlich, günstigere, Unterkunft zu suchen, doch bis jetzt ohne Erfolg. Die Geldknappheit macht ihr extrem zu schaffen“, erzählt Marion Forche. 

Stadtbau will Wohnraum für alle schaffen

Auch die Stadtbau Aschaffenburg versucht den hohen Mietpreisen entgegenzuwirken und beschränkt Quadratmeterpreise auf sieben Euro, um Wohnraum für alle zugänglich zu machen. „Unsere durchschnittliche Nettokaltmiete liegt aktuell deutlich unter dem allgemeinen Marktniveau in Aschaffenburg“, erklärt Andre Kazmierski von der Stadtbau Aschaffenburg. Doch dabei gehe es nicht nur um günstige Wohnungen, sondern auch um soziale Verantwortung. „Unser Anspruch ist es, im Rahmen unserer Möglichkeiten frühzeitig Unterstützung anzubieten, bevor sich finanzielle Schwierigkeiten verfestigen.“ Deshalb setze man bewusst auf den direkten Kontakt zu den Mietern und funktionierende Nachbarschaften. „Wichtig bleibt aus unserer Sicht vor allem, ausreichend bezahlbaren Wohnraum anzubieten, soziale Stabilität in den Quartieren zu fördern und Menschen bei Bedarf frühzeitig zu unterstützen.“

Bezahlbares Wohnen bleibt große Herausforderung

Trotz einzelner Projekte und Hilfsangebote bleibt die Wohnungsfrage am Bayerischen Untermain eines der drängendsten Probleme der Region. Viele Menschen spüren die steigenden Kosten inzwischen jeden Monat ganz direkt im Geldbeutel – egal ob beim Mieten oder Kaufen. Besonders Familien, Alleinerziehende und ältere Menschen geraten dabei immer stärker unter Druck. Klar ist: Bezahlbarer Wohnraum wird nicht nur in Aschaffenburg, sondern auch auf dem Land zunehmend zur Herausforderung. Umso wichtiger dürfte es in den kommenden Jahren werden, neuen Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig soziale Unterstützung auszubauen.

Desiree Dörner und Tristan Kaiser aus Karlstein

Man muss schon darüber nachdenken, also gerade, weil wir beide noch studieren und auch teilweise der Nahverkehr nicht so gut ist, muss man halt auch mit dem Auto zur Uni fahren. Deshalb haben wir am Ende des Monats jeweils nur so 100 bis 200 Euro übrig. Wir werden beide finanziell von unseren Eltern unterstützt. Ohne das könnten wir gar nicht leben, obwohl wir neben dem Studium auch noch arbeiten.“

KW22 Desiree Doerner und Tristan Kaiser aus Karlstein
Desiree Dörner und Tristan Kaiser aus Karlstein

Marie Hennen aus Waldaschaff

„Ich habe ein Eigentum, aber nicht hier in Aschaffenburg, wohne hier aber zur Miete. Ich habe mich bewusst für die Mietwohnung entschieden, weil ich wie gesagt noch mein Elternhaus habe. Wir zahlen hier das Gleiche, wie in Hamburg – da kommen wir ursprünglich her. Das hat mich ein bisschen erschrocken, muss ich ehrlich sagen. Ich hätte es hier günstiger eingeschätzt. Auch bei meinem Eigentum sind die Kosten deutlich gestiegen. Da meckern die Mieter natürlich, aber man kommt halt in die Bringschuld und in Erklärungsnot den Mietern gegenüber.“

Marie Hennen aus Waldaschaff
Marie Hennen aus Waldaschaff

Kyra Kühle-Zeitler aus Haibach

„Wir wohnen schon sehr lange in dem Haus, die Miete werden da gar nicht angehoben. Aber ich habe schon mitbekommen, dass manche Mieten stark angehoben wurden und das finde ich gar nicht gut. Vor allem für Familien mit Kindern geht das gar nicht.“

Kw22 kyra kuehle zeitler Haibach
Kyra Kühle-Zeitler aus Haibach

Melanie Tichi aus Aschaffenburg

„Wir sind erst vor einem Jahr nach Aschaffenburg gezogen. Da war es für uns klar, dass wir uns keine Eigentumswohnung holen, sondern eine Mietwohnung, damit wir einfach erstmal überhaupt gucken können, ob es ihr uns hier gefällt. Mit den Mietpreisen ist das bei uns ganz ok – auf längere Sicht wollen wir dann schon eine Eigentumswohnung haben, aber erstmal ist es ok.“

Melanie Tichi aus Aschaffenburg
Melanie Tichi aus Aschaffenburg

Peter Geyer aus Amorbach

„Wir wohnen in einem Eigenheim. Wir haben damals - 1974 - ein Haus gekauft. Es ist älter und im Frankenstil gebaut. Als meine Tochter von England kam, wurde dann angebaut. Und jetzt haben wir vor ein paar Jahren das Haus so unterteilt, dass jeder seine eigene Wohnung hat.  Wenn jetzt noch die ganzen Fixkosten für die Gasheizung und den Strom niedriger wären, wäre es gut. Gerade wenn ich höre, dass wir teilweise zu viel Strom haben, wenn die Sonne zu lange scheint, finde ich das nicht gut, dass man so den Strom verschenkt.“

Peter Geyer aus Armorbach
Peter Geyer aus Amorbach

Manfred Gaier aus Aschaffenburg

„Vor 60 Jahren haben wir ein Haus bei Kleinwallstadt gebaut. Aber durch die Verschlechterung der Infrastruktur dort, sah ich mich gezwungen vom Dorf wieder in die Stadt zu ziehen, wo hier alles stimmt – wo alles in Ordnung ist. Meine Freunde haben mir gesagt, dass ich einen großen Fehler damit mache, aber ich bereue es nicht. Ich hatte kein Problem, mir eine Wohnung zu suchen. Die Mietpreise finde ich ok, wenn es eine 1-A-Lage ist. Wenn der Quadratmeter 20 Euro kostet, dann kostet er eben 20 Euro. Wenn ich das nicht will, kann ich ja aufs Dorf ziehen. Ich muss ja nicht in der Innenstadt wohnen. Aber da mir das am besten gefällt, mache ich das so.“

Manfred Gaier aus Aschaffenburg
Manfred Gaier aus Aschaffenburg

Hendrik Gehder aus Aschaffenburg

„Wir haben einen Mietvertrag mit einer Staffelmiete. Alle zwei Jahre wird unsere Miete angehoben. Also wir kommen irgendwie damit zurecht, aber für die Zukunft aussorgen ist da echt ziemlich schwierig.“

KW22 Hendrik gehder aschaffenburg
Hendrik Gehder aus Aschaffenburg