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Die Rosenkriege werden immer heftiger

02.03.2024, 08:00 Uhr in PrimaSonntag
Scheidung

ASCHAFFENBURG (ps). Gegenseitige Anfeindungen, Geschrei im Gerichtssaal oder friedliche Gespräche, in denen jeder nur das Beste für den Partner will - Scheidungen haben viele Gesichter. Marita Korn-Bergmann hat als erfahrene Anwältin für Familienrecht in Aschaffenburg schon vielen Paaren zur Seite gestanden, für die es kein „Wir“ mehr gibt.

Das Statistische Bundesamt belegt es: Seit Jahren geht die Zahl der Scheidungen immer weiter zurück. Während im Jahr 2000 noch jede zweite Ehe geschieden wurde, war es 2023 immerhin nur noch jede dritte. Laut einer aktuellen Studie des Bayerischen Landesamts für Statistik ging die Scheidungsrate in Bayern um 6,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Mehr als die Hälfte der geschiedenen Ehepaare hatte mindestens ein gemeinsames Kind unter 18 Jahren. „Es ist schwierig zu sagen, warum sich weniger Leute scheiden lassen. Interessant ist aber, dass die Leute heutzutage auch viel später heiraten“, erzählt Marita Korn-Bergmann. Im Durchschnitt heiraten Frauen in Deutschland mit 33, Männer sogar erst mit 35 Jahren. Über die Gründe für den Rückgang der Scheidungen lässt sich nur spekulieren - vielleicht hat die aktuelle wirtschaftliche Lage damit zu tun oder die Eheleute achten einfach mehr aufeinander. Wenn es dann doch zur Scheidung kommt, bleibt das friedliche Miteinander häufig auf der Strecke, wie die Aschaffenburger Anwältin berichtet.

Sucht, Sorgen, Seitensprung
„Die meisten Menschen, die sich scheiden lassen, möchten keinen Rosenkrieg. Gerade, weil viele selbst Scheidungskinder waren und wissen, was das mit einem Menschen machen kann. Das klappt nur leider in vielen Fällen nicht.“ Grund dafür seien starke Emotionen wie Wut und Frust, sowie mangelnde Bereitschaft, den Standpunkt des Partners einzunehmen und miteinander zu sprechen. Dass die Gefühle bei einer Scheidung mal überkochen und in Vorwürfe oder Beleidigungen ausarten, ist verständlich. Vor allem dann, wenn vor der Trennung fremdgegangen wurde oder eine der Parteien ein Suchtproblem hat. „Die häufigsten Scheidungsgründe sind fehlende Kommunikation, ein Seitensprung oder finanzielle Sorgen. Gewalt in der Partnerschaft und Suchtprobleme wie Alkoholabhängigkeit kommen auch oft vor. Das kann der Partner irgendwann nicht mehr ertragen.“

Rosenkrieg muss nicht sein
Dass die Zahl der Scheidungen seit Jahren zurückgeht, ist eine erfreuliche Nachricht. Marita Korn-Bergmann beobachtet aber auch, dass Streitigkeiten heutzutage eher eskalieren. „Wenn dann mal gestritten wird, dann härter. Der Streit ist häufig viel emotionaler und abwertender - außerdem wird er von manchen Anwälten auch noch angefeuert.“ Vor allem dann, wenn es um das Sorgerecht geht, falle der friedliche Umgang häufig schwer. „Es ist eine Gratwanderung. Man muss aufeinander zugehen und auch mal den Standpunkt des anderen einnehmen, trotz Wut und Enttäuschung. Schuldsuche und gegenseitige Vorwürfe bringen einen nicht weiter.“ Eine Scheidung ist oft schon schwer genug, sie muss nicht auch noch zum (Rosen-)Krieg ausarten.

Das sagen die Leser:

Anja Ziemlich aus Sulzbach:
„Ich hab eine sehr gute Ehe und finde, man sollte mehr zusammenhalten, eben mehr miteinander reden. Meine Tipps für 22 verheiratete Jahre: Treue, Vertrauen, ehrlich sein, Verständnis haben, mit Liebe aneinander festhalten.“

Anja Ziemlich Sulzbach

Roland Fuchs aus Aschaffenburg:
„Ich erlebe es bei jungen Menschen eher andersrum, da werden Beziehungen eingegangen, die sind so oberflächlich. Schön, wenn sich die Menschen wirklich dazu entscheiden, sich zu binden und auch zusammen bleiben. Eine Beziehung ist nicht irgendetwas Austauschbares.“

Roland Fuchs AB

Thomas Schwinger-Caspari aus Kleinwallstadt:
„Aufeinander zugehen und miteinander an der Beziehung arbeiten, sonst geht das nicht. Es gibt, wie immer, im Leben Höhen und Tiefen und die muss man bewältigen und es natürlich wollen!“

Thomas Schwinger Caspari Kleinwallstadt

Phillipp und Sarah aus Aschaffenburg:
„Vielleicht heiraten nicht so viele?! Wir sind beide geschieden. Oder vielleicht sind auch viele in die zweite Ehe rein? Manchmal lohnt es sich auch, es noch mal zu probieren. Bei uns auf jeden Fall!“

Sahra u Phillip AB

Mustafa aus Aschaffenburg:
„Weniger Scheidungen? Ich hab mich scheiden lassen. Das ist, glaube ich, auch die wirtschaftliche Lage, dass die Leute halt auch ein bisschen zusammenhalten finanziell. Hauptgrund für eine Scheidung ist das verheiratet sein.“

Mustafa AB

Angelika und Walter Krautwurst:
„Wir sind 60 Jahre verheiratet und Scheidung haben wir eigentlich noch nie im Sinn gehabt. Wir wollten auch mal davon rennen, aber nicht so weit und da sind wir wieder zurück. Vielleicht, wenn’s den Leuten bisschen schlechter geht, bleiben sie doch eher zusammen.“

Angelika u Walter Krautwurst

Gerda Melle aus Mainaschaff:
„Weniger Scheidungen?! Ich hätte gedacht mehr. Vielleicht lieben sie sich mehr? Verheiratet bin ich seit 60 Jahren. Das Geheimnis einer Ehe - soll ich ehrlich sein? Mal muss man kämpfen und dann muss man sich auch wieder vertragen.“

Gerda Melle Mainaschaff