„Eine Nacht und Nebel-Aktion“

GOLDBACH/ELSENFELD-EICHELSBACH. Es ist eine uralte Tradition – auch bei uns in der Region: Der Maibaumklau beschäftigt Ende April viele Kommunen am Bayerischen Untermain. Diesmal hat es die Eichelsbacher getroffen. Der Burschenverein Goldbach nahm ihren Maibaum mitten in der Nacht einfach mit. Mit viel Verhandlungsgeschick wurde dann aber doch noch eine Lösung gefunden.
Dabei ist einen Maibaum zu klauen gar nicht so einfach, erzählt Marco Bischof vom Burschenverein Goldbach: „Mit circa 12-15 Mann waren wir hier in einer Nacht und Nebel-Aktion und haben über den Sportplatz von Eichelsbach den Maibaum entwendet. Der Transport war durch die Strecke von Eichelsbach nach Goldbach relativ aufwendig. Wir waren mit zwei Fahrzeugen hier und einem Tieflader.“ Wo sie den Baum in der Zwischenzeit gelagert haben, verraten die Goldbacher natürlich nicht – nur so viel: Er wurde rund um die Uhr gut überwacht. Daraufhin mussten sie Kontakt zu den Eichelsbachern aufnehmen und verhandeln: „Die Eichelsbacher waren sehr stabil! Sie haben lange darauf gepocht, dass wir einknicken. (…) Jetzt nach einer guten Woche war man sich einig.“, verrät Dominik Schäfer, der erste Vorstand des Burschenvereins. Das Angebot: Fünf Kästen Bier und zehn Dosen Wurst.
Ein Baum reicht nicht
Doch damit nicht genug - in diesem Jahr hat die Burschenschaft zu ihrem 10-jährigen Jubiläum, das sie Mitte Mai mit einem Fest feiern, auch den Maibaum in Lützelbach-Seckmauern mitgenommen: „Beim Zweiten war es letztendlich eine schnellere Geschichte. Den haben wir in der Nacht von Freitag auf Samstag geklaut. Samstagmittag wurden wir gleich handelseinig – bei denen sind wir jetzt zum Grillabend eingeladen.“, so Dominik Schäfer. Allerdings läuft nicht immer alles reibungslos: „Heiter ist natürlich keiner, wenn er morgens kommt und der Baum ist weg.“ Die Gemeinden und Vereine reagieren sehr unterschiedlich. In Sailauf beispielsweise fand man 2017 in 10 Minuten eine Lösung – die Heimbuchenthaler erwiesen sich als schwierigere Verhandlungspartner. Die Bäume in Seckmauern und Eichelsbach sind inzwischen übrigens wieder zurück: „Immer gut, wenn der Baum wieder da ist, auf jeden Fall - auch wenn es Alternativlösungen gegeben hätte. Aber wir wollen den Brauch gerne weiterziehen.“, sagt der 1. Vorsitzende der Feuerwehr Eichelsbach Andreas Weis. Und mit dieser Einstellung konnten die Goldbacher mit den Eichelsbachern am Mittwochabend freundschaftlich anstoßen.


