Hinter den Kulissen des Aschaffenburger Tierheims

BAYER. UNTERMAIN (jdw). Wer schon mal ein Tierheim besucht hat, trifft bellende Hunde, zwitschernde Vögel und schnurrende Katzen. Aber wie läuft dieses Zusammenleben ab und wie sieht der Arbeitsalltag der Pfleger in einem Tierheim aus? Ein Besuch im Tierheim Aschaffenburg zeigt, wie vielseitig die Arbeit für Mensch und auch Tier ist.
Schon am frühen Morgen beginnt der Tag für die Mitarbeiter im Tierheim. „Meistens schauen wir, dass wir schon um 7:30 Uhr eintrudeln. Dann müssen wir uns oft noch umziehen. Wir haben dann noch eine kurze Besprechung, damit der Tag durchgeplant ist“, sagt Tierpflegerin Eva Orschler. Doch gerade im Frühling kann es auch mal sein, dass sich die Zeiten verschieben: „Jetzt beginnt wieder die Babyzeit - also gehen die Handaufzuchten auch mal mit nach Hause“, erzählt sie. In der Wildtierstation kümmert sich Eva um verletzte und teilweise junge Wildtiere. Meist sind es junge Hasen und Eichhörnchen, die in einer Notsituation gefunden oder von Menschen fälschlicherweise eingesammelt wurden.
Hilflose Wildtiere
„Bei den Wildtieren ist es meist relativ traurig“, sagt Eva. Die drei Hasen, die sich momentan in der Wildtieraufzucht befinden - Klitschko, Sepia und Mupfel -kamen alle durch unterschiedliche Umstände nach Aschaffenburg. Klitschko wurde von einem freilaufenden Hund auf dem Feld erwischt, Sepia wurde von einer Freigängerkatze eingesammelt und verletzt und Mupfel wurde von Erwachsenen eingesammelt, als sie Kinder gesehen haben, wie sie mit dem Hasen auf einem Spielplatz gespielt haben. „Bei den Hasen hat man auch häufig das Problem, dass Leute sie einsammeln, weil sie Sorge haben, dass sie verstoßen wurden: Dabei liegen die wirklich als Nestflüchter irgendwo draußen in der Weltgeschichte herum. Und das Muttertier kommt dann zweimal am Tag zum Füttern. Die meisten sind dann in Sorge, dass so ein kleines süßes Würmchen eben ganz allein in der Gegend liegt, und dass die Mutter sie verlassen hat. Aber das ist tatsächlich ganz normal“, sagt Eva Orschler.

Action und Gemütlichkeit
In der Hundeabteilung ist anschließend großes Putzen angesagt. Näpfe werden frisch gefüllt, die Boxen gereinigt und erste Gassi-Runden organisiert. Während den Putzarbeiten werden die Hunde ins Außengehege gelassen. Ein paar Türen weiter geht es wesentlich ruhiger zu. Im Katzenhaus liegen einige Katzen entspannt in ihren Körben, andere beobachten die Putzarbeiten. Helena Kujat macht gerade ihren Bundesfreiwilligendienst und kümmert sich täglich um die Tiere. Die meisten Katzen sind Fundtiere, die von der Tierrettung, der Polizei oder von Privatpersonen gebracht werden. Auch hier beginnt der Tag mit der Reinigung der Gehege und festen Fütterungszeiten am Morgen, Mittag und Abend. Zusätzlich werden die Katzen regelmäßig zum Tierarzt gebracht, etwa für Untersuchungen oder Eingriffe. Am Nachmittag stehen häufig Termine mit Interessenten an.
Ein Zuhause für über 300 Tiere
Lukas Kneisel ist der Tierheimleiter des Tierheims Aschaffenburg. Im Interview macht er deutlich, wie groß die organisatorischen und finanziellen Herausforderungen für Tierheime sind. „Wir geben im Laufe eines Jahres fast eine ganze Million Euro für die Versorgung für Tiere aus“, erklärt er. Möglich ist das Ganze nur durch Spenden, Mitgliedschaften und ehrenamtliche Unterstützung. „Wir haben viele Menschen, die herkommen, mit den Hunden Gassi gehen oder in der Spülküche unterstützen und da sind wir eigentlich immer auf der Suche nach Leuten. Vor allem werktags ab 8/9 Uhr“, sagt der Tierheimleiter. Im Laufe eines Jahres sind es ungefähr zweieinhalbtausend Tiere die kurzzeitig im Tierheim betreut werden. „Wir haben einen dauerhaften Bestand von 300 bis 350 Tieren, die immer da sind und tatsächlich auf unsere Hilfe angewiesen sind“, sagt Lukas Kneisel. Vor allem Hunde, Katzen und Kleintiere wie Kaninchen, Vögel oder auch exotischere Tierarten sind im Tierheim zuhause.



