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Zwischen Mainufer und Kieler Woche

01.08.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
KW31 Sport Titel

ASCHAFFENBURG (to). Segeln gilt noch immer als teurer und exklusiver Sport – bei der Segelabteilung des SSKC Poseidon braucht es dafür aber weder ein eigenes Boot noch einen großen Geldbeutel. Rund neun Vereinsboote stehen den Mitgliedern direkt am Main zur Verfügung. Anfänger können den Sport gemeinsam mit erfahrenen Seglern kennenlernen, feste Trainingszeiten oder Mannschaften gibt es nicht. Stattdessen wird sich unkompliziert zu gemeinsamen Fahrten verabredet. 

Rund 30 aktive Segler gehören derzeit zur Abteilung des SSKC Poseidon. Vertreten sind dabei nahezu alle Generationen: Die Altersspanne reicht nach Schätzung von Lukas Ruth vom etwa fünfjährigen Kind bis zum 85-jährigen Senior. Einer der jüngeren Aktiven ist Ruth selbst. Der 20-Jährige kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit und sitzt bereits seit seiner Kindheit im Segelboot. Zum Sport kam er durch seinen Vater, der aus Norddeutschland stammt und schon als Kind gesegelt ist. Als die Familie nach Aschaffenburg zog, fand sie beim SSKC Poseidon eine neue Anlaufstelle. Ruth war ungefähr sechs Jahre alt, als er zum ersten Mal mitsegelte. Im Jugendalter war er dann auch schon alleine in kleineren Booten unterwegs. „Das war sehr cool, weil man dadurch schon früh eigenständig segeln konnte“, erinnert er sich.

Zwischen Gleiten und Action
Was Ruth am Segeln besonders fasziniert, ist der Kontrast zwischen Ruhe und sportlicher Herausforderung. „Es ist unfassbar leise, man gleitet richtig über den Main“, erzählt er. Ohne Motor sind fast nur der Wind und das Wasser zu hören. Gleichzeitig kann das Boot bei starkem Wind aber auch mal ordentlich schräg im Wasser stehen. „Das kann schon actionreicher sein als Motorbootfahren“, stellt Ruth klar. Während manche Mitglieder dabei bewusst versuchen, das Maximum aus ihrem Boot herausholen, zählt er sich selbst eher zu den gemütlichen Seglern.

Zwölf Kilometer vor der Haustür
Von Aschaffenburg aus steht der Abteilung ein rund zwölf Kilometer langer Abschnitt des Mains zur Verfügung: etwa sechs Kilometer in Richtung Stockstadt und weitere sechs Kilometer in Richtung Obernau. Eine Schleuse muss auf dieser Strecke nicht passiert werden. Trotzdem ist der Main kein ganz einfaches Segelrevier. Bäume am Ufer schirmen den Wind stellenweise ab, während er sich auf der langen Geraden entlang des Stadtgebiets besonders gut aufbauen kann. „Der Main hat schon seine Schwierigkeiten – aber durch die Kurve findet sich je nach Windrichtung meistens ein passender Abschnitt“, erklärt Ruth. Auf dem Boot kommen die Segler auch der Natur besonders nahe. An der Maininsel lassen sich immer wieder Rehe oder Waschbären beobachten. „Vorher wusste ich gar nicht, dass es die dort überhaupt gibt“, erzählt der 20-Jährige. Die schönste Perspektive bietet sich für ihn jedoch auf dem Rückweg: „Wenn man mit dem Schloss vor Augen zurücksegelt, ist das schon ein besonderer Anblick.“´

Meist trocken, aber nicht ganz ungefährlich
Im Vergleich zu vielen anderen Wassersportarten geht es beim Segeln meistens tatsächlich eher trocken zu. Ein Neoprenanzug oder spezielle Wasserkleidung sind bei normalen Bedingungen nicht nötig. „Einige von uns, mich eingeschlossen, steigen einfach in normalen Straßenklamotten ins Boot“, gibt Ruth zu. Auch einen Segelschein braucht man grundsätzlich nicht. Eine Rettungsweste gehört trotzdem immer dazu! Außerdem müssen die Segler den beweglichen Baum des Großsegels im Blick behalten. Schwingt er bei einem Richtungswechsel über das Boot, kann ein unaufmerksamer Segler auch mal im Wasser landen. Hinzu kommt die Berufsschifffahrt: Frachter und Passagierschiffe brauchen auf dem Main viel Platz. 

KW31 Segeln 4

Gemeinsam zur Kieler Woche
Einmal im Jahr führt der Weg für die Aschaffenburger Segler vom Main bis an die Kieler Förde. Bei der Marine-Kutterregatta im Rahmen der Kieler Woche war die Abteilung zuletzt mit einem Team aus 13 Teilnehmern vertreten. Die Boote werden von der Marine gestellt. Nach einem Einweisungstag folgen insgesamt sechs Regatten innerhalb von drei Tagen. „Allein auf dem Marinestützpunkt zu zelten und direkt auf der Kieler Förde zu segeln, ist eine besondere Erfahrung“, schwärmt Ruth. Mit Platz elf unter 25 Mannschaften landete das Team aus Aschaffenburg im guten Mittelfeld. „Dafür, dass wir noch relativ neu dabei sind, waren wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“ 

Wer jetzt neugierig geworden ist und selbst einmal die Segel setzen möchte, findet alle Kontaktmöglichkeiten auf der Internetseite des SSKC Poseidon. Eine weitere Gelegenheit zum Kennenlernen bietet der monatliche Seglerhock. Dort sprechen die Mitglieder über ihre Boote, geplante Fahrten und die nächsten gemeinsamen Ausflüge.