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Kein Freischwimmer? Kein Einlass!

21.06.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
KW25 Collage Schwimmabzeichen

BAYER. UNTERMAIN (lt). Die Tage werden immer heißer, die Schwimmbäder immer voller. Doch das könnte sich in manchen Orten gravierend ändern. Viele Schwimmbäder Deutschlands verschärfen die Einlassregeln für Minderjährige drastisch. Auch Erlenbach und Großwallstadt haben eine Abzeichenpflicht für die Kids eingeführt. Was sagen die Schwimmmeister unserer Bäder dazu und was die Besucher? Sollte es vielleicht sogar eine Abzeichenpflicht für Volljährige geben? 

Wer unter 16 ist, soll ohne Begleitperson nur noch mit Abzeichen das Schwimmbad besuchen dürfen - und zwar nicht das Seepferdchen, sondern mindestens das Bronze-Abzeichen, also das ehemalige Freischwimmerabzeichen, muss vorgewiesen werden. Die Schwimmmeister und Betriebsleiter Jürgen Graf vom Plattenbergbad Kleinwallstadtund Sandra Schäfer vom Bergschwimmbad Erlenbach sind sich bei einem einig: Für Kinder wäre eine Abzeichenpflicht durchaus sinnvoll. Erlenbach hat sich bereits bewusst dafür entschieden. Dort dürfen 10- bis 13-Jährige ohne Erziehungsberechtigten nur mit Vorlage des Bronzezeichens die Fläche betreten. Auch Großwallstadt, Kleinostheim und Goldbach haben ähnliche Regelungen.

Seepferdchen ≠ sicheres Schwimmen

„Ein Seepferdchenabzeichen ist kein Nachweis für sicheres Schwimmen“, beharrt die Betriebsleistung Jürgen Graf des Kleinwallstädter Hallenbads. Die Abzeichenpflicht wäre laut ihm nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig: „Immer weniger Kinder können sicher schwimmen und laut Haus- und Badeordnung dürfen sie in vielen Schwimmbädern bereits ab sieben kommen.“ Auch Betriebsleitung Sandra Schäfer bejaht die Verschärfung der Einlassregelungen und beobachtet, dass Kinder immer schlechter schwimmen können: „Viele Eltern schicken ihre Kinder bereits mit sieben allein ins Schwimmbad und das ist natürlich ein enormes Sicherheitsrisiko. Bei uns dürfen die Kinder erst mit 10 allein ins Schwimmbad und dann nur mit Bronze-Abzeichen.“ 

Immer mehr Nichtschwimmer

Von 2017 bis 2022 hat sich die Anzahl der Nichtschwimmer bei Kindern verdoppelt – insgesamt 20 Prozent sind schwimmunfähig. „Viele überschätzen sich auch und schaffen das Bronzeabzeichen gar nicht.“ Immer mehr Kinder trauen sich nicht mehr, das Bronzeabzeichen überhaupt zu probieren, da sie sich unsicher im Wasser fühlen. Doch die Fachangestellten für Bäderbetriebe beobachten auch immer mehr Erwachsene, die nicht gut schwimmen können. Soll also eine allgemeine Abzeichenpflicht zum Schutz aller kommen? Schließlich kann ein Schwimmmeister nicht über 200 Leben gleichzeitig beschützen. Schwimmmeisterin Sandra Schäfer sieht eine Abzeichenpflicht für Volljährige kritisch: „Man kann Erwachsenen nichts vorschreiben. Wir hätten dann irgendwann keine Gäste mehr, die gehen dann alle an Badeseen. Und da ist die Gefahr höher. Höchstens die Teilnahme an einem Schwimmkurs kann man ihnen anbieten.“ 

Kleinwallstadt plant keine Abzeichenpflicht

Betriebsleiter Jürgen Graf plant für sein Schwimmbad bislang jedoch keine Abzeichenpflicht: „Es kann sein, dass es in Zukunft mal kommen wird. Aber in der Regel ist es wahrscheinlich vor allem für größere Schwimmbäder und Freibäder sehr sinnvoll.“ Die Diskussion um eine Abzeichenpflicht dürfte angesichts steigender Nichtschwimmerzahlen weiter an Fahrt aufnehmen. Fest steht: Schwimmkurse sind wichtiger denn je. 

Was halten Sie von einer Abzeichenpflicht?

Horst Käberloh aus Mespelbrunn

„Ich selbst habe damals alle Abzeichen gemacht, die man damals überhaupt erreichen konnte – vom Frei- und Fahrtenschwimmer bis hin zum DLRG-Rettungsschwimmer. Trotzdem sind solche Einschränkungen der falsche Weg. Kinder sollten im Gegenteil so früh wie möglich die Möglichkeit haben, ins Schwimmbad zu gehen.“

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Horst Käberloh aus Mespelbrunn

Eva Waigel aus Aschaffenburg

„Ich habe kein Schwimmabzeichen. In meinem Jahrgang hat man das als Kind noch nicht gemacht. Das finde ich ganz schlecht. Ich bin auf dem Land groß geworden und habe deshalb erst später schwimmen gelernt, trotzdem kann ich relativ gut schwimmen und fände es eine Frechheit, wenn ich nicht mehr schwimmen gehen dürfte.“

Robert Waigel aus Aschaffenburg

„Vielleicht haben sie Angst, dass jemand ertrinkt. Aber man kann genauso ertrinken, wenn man ein Abzeichen hat. Ich habe mein Leben lang auf dem Fußballplatz verbracht. Ich war nicht so oft im Wasser.“

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Eva und Robert Waigel aus Aschaffenburg

Barbara Wald aus Johannesberg

„Es ist nicht richtig, weil die Kinder das Schwimmen ja irgendwo lernen müssen. Man kann das nicht mehr komplett auf die Schulen abschieben – der Schwimmunterricht ist heute einfach nicht mehr so wie früher. Wenn man jetzt ohne Freischwimmer oder ein anderes Abzeichen gar nicht erst ins Bad darf, wann soll man es dann lernen? Da sind einfach die Eltern gefragt. Sie müssen selbst dabei sein und ein Auge auf ihr Kind haben, statt es einfach alleine zu lassen. Es ist schließlich nicht die Aufgabe vom Bademeister, bei jedem Einzelnen zu kontrollieren, ob er schwimmen kann oder nicht.“

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Barbara Wald aus Johannesberg

John Gomer aus Schweinheim

Ich habe als Kind mehrere Male versucht, das Seepferdchen zu machen. Am Ende habe ich es nicht bekommen, durfte trotzdem schwimmen. Mein Opa hat es mir dann beigebracht. Ich fände es schlimm, wenn Kinder, die dasselbe Problem haben, nicht ins Schwimmerbecken können, um selber schwimmen zu lernen. Das mit dem Abzeichen finde ich total absurd.“

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John Gomer aus Schweinheim

Laura Marra aus Mömbris

„Ich finde das in Ordnung, weil ja auch immer wieder Badeunfälle passieren. Ich selbst habe keine Abzeichen, wir mussten das zwar in der Schule machen, aber ich habe es leider nicht geschafft, weil ich Angst vorm Tauchen habe! Schwimmen kann ich aber natürlich. Früher waren wir jedes Jahr in Italien und da lernt man das Schwimmen von ganz allein im Meer. Für Kinder, die kein Abzeichen haben, fände ich es fair, wenn sie kurz beweisen müssten, dass sie schwimmen können.“

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Laura Marra aus Mömbris

Melanie Aull aus Stockstadt

„Unser Kind kann schwimmen, sie hat das Seepferdchen und Bronze. Ich selbst habe auch meine Abzeichen, obwohl früher da eigentlich noch kein Hahn danach gekräht hat. Der Reiz lag damals eher darin, dass man sich als Kind ein Abzeichen oder eine Urkunde verdient hat. Die Mama hat das dann auf den Badeanzug genäht und dann ist man damit stolz geschwommen. Das Abzeichen kostet ja auch nicht viel Geld. Von daher finde ich die Regelung grundsätzlich gut, 16 Jahre finde ich aber ein ziemlich hohes Alter. Ich würde es vielleicht eher auf 12 runterschrauben.“

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Melanie Aull aus Stockstadt

Jens Fuhry aus Aschaffenburg

„Es ist ein schwieriges Thema! Ich finde es ein bisschen schade, dass in Deutschland generell alles über irgendwelche Abzeichen, Titel oder Zeugnisse geregelt wird. Ich selbst habe kein Schwimmabzeichen, aber kann schwimmen. Viele Leute können es ja tatsächlich heutzutage auch nicht mehr. Trotzdem macht es das nicht besser oder schlechter, wenn dann da irgendwas auf dem Papier steht.“

Svenja Klos aus Aschaffenburg

„Ich habe meine Abzeichen damals gemacht, weil es mein sportlicher Anspruch war. Ich würde die Reglung aber nicht einführen. Ich fände es sehr schwierig und schade.“

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Jens Fuhry und Svenja Klos aus Aschaffenburg

Greta Deller aus Aschaffenburg

„Wenn man auf der einen Seite eine Pflicht einführt, muss man auf der anderen Seite auch die Rahmenbedingungen schaffen. Es sollte in der Schule verpflichtend sein, Abzeichen zu machen oder on top zu einer Klassenfahrt auch noch so eine Schwimmfreizeit zu machen. Aber das Problem ist, dass auch viele Schwimmbäder zumachen. Ich selbst habe in der Grundschule das Seepferdchen gemacht. Kurz danach war ich mit meinen Eltern im Schwimmbad und habe den Köpfer geübt. Mein damaliger Schwimmlehrer hat mich angesprochen und wollte mir noch mal zeigen, wie das richtig geht. Dann hat er gesagt, wenn du den Körper schon kannst, dann machst du jetzt noch ein paar andere Sachen machen und dann bekommt du das Bronze-Abzeichen. Und das hat dann wirklich geklappt.“

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Greta Deller aus Aschaffenburg

Evi Hach aus Dammbach

„Ich finde das sehr vernünftig. Wenn die Kids die Grundkenntnisse haben, können sie ja allein gehen. Wenn sie die nicht besitzen, dann sollten die Eltern dabei sein! Ich würde die Reglung aber auf 14 Jahre setzen. Weil darüber weißt du ja, wenn man nicht schwimmen kann, dann geht man halt nicht ins tiefe Wasser. Wer schon schwimmen kann und nur kein Abzeichen hat, der muss halt mit den Eltern zum Bademeister gehen, das Schwimmabzeichen machen und dann darf man auch mit den Freunden rein.“

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Evi Hach aus Dammbach