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„Einmal gesehen und man verliebt sich in den Sport“

31.10.2026, 07:00 Uhr in PrimaSonntag
KW44 Kunstrad 1

AMORBACH (wk). Was für die einen schon auf zwei Rädern eine Herausforderung ist, schaffen andere sogar im Stehen, rückwärts oder auf nur einem Rad. Beim Kunstrad- und Einradfahren werden aus Fahrrädern echte Sportgeräte für spektakuläre Kunststücke. Es geht um Balance, Kraft, Eleganz und vor allem um jede Menge Mut. „Kunstradfahren ist quasi die Akrobatik auf dem Rad“, erklärt Tanja Park. Sie ist seit sieben Jahren Vorsitzende des Rad- und Rollsportvereins Amorbach und seit rund zehn Jahren im Verein aktiv. Aktuell zählt der Verein 65 Mitglieder, darunter aktive und passive. 


Mit einem normalen Fahrrad hat ein Kunstrad nur wenig gemeinsam. Es besitzt weder Bremsen noch einen Freilauf. Wer rückwärts tritt, fährt auch rückwärts. Das ermöglicht beeindruckende Bewegungen, verlangt den Sportlern aber eine enorme Körperbeherrschung ab. Die Übungen reichen von einfachen Kreisfahrten bis zu anspruchsvollen Figuren wie dem Handstand auf Sattel und Lenker. Im Zweier-Kunstradfahren kann es sogar vorkommen, dass ein Sportler auf den Schultern des anderen steht – und das alles auf einem rollenden Fahrrad. „Und da gehört viel Vertrauen und sehr viel Mut dazu“, sagt Park. Die Sportler müssten lernen, ihre Angst zu überwinden und sich auf das eigene Können und ihre Partner zu verlassen. Selbst das richtige Fallen werde deshalb im Training geübt.

Fünf Minuten, die alles entscheiden
Bei Wettkämpfen zählt jede Sekunde. Die Sportler stellen gemeinsam mit ihren Trainern ein individuelles Programm aus verschiedenen Übungen zusammen. Für die gesamte Kür bleiben ihnen gerade einmal fünf Minuten. Je schwieriger die Figuren, desto höher die mögliche Punktzahl. Doch auch das Risiko steigt: Unsicherheiten, Bodenberührungen oder Stürze führen zu Abzügen. Beim Mannschaftsfahren kommt eine weitere Herausforderung hinzu. Vier oder sechs Sportler müssen ihre Bewegungen möglichst präzise aufeinander abstimmen. Gerade beim Einradfahren spielen Synchronität und Körperhaltung eine entscheidende Rolle. Was mühelos und elegant aussieht, ist das Ergebnis von unzähligen Trainingsstunden. In Amorbach trainieren die Kunstradfahrer zweimal wöchentlich, die Einradfahrer einmal. Bereits Kinder im Grundschulalter können die Grundlagen lernen, bevor sie sich nach und nach an schwierigere Figuren herantasten.

Bundespokal bringt den Spitzensport nach Amorbach
An diesem Wochenende wird Amorbach zum Treffpunkt für Hallenradsportler aus ganz Deutschland. Am 31. Oktober und 1. November findet in der Parzivalhalle der Bundespokal des RKB-Solidarität statt. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Wettbewerbe im Vierer- und Sechser-Kunstrad- sowie Einradfahren. Ausgerichtet wird die Veranstaltung vom RRSV Amorbach. Für den Verein ist ein solcher Wettkampf eine große Aufgabe, der man sich gerne stellt. Und für die Zuschauer bietet sich die Gelegenheit, die besondere Mischung aus Sport und Akrobatik einmal aus nächster Nähe zu erleben.

„Man muss es einfach gesehen haben“
Tanja Park wünscht sich vor allem eines: mehr Aufmerksamkeit für ihre Sportart. Denn obwohl es am Bayerischen Untermain zahlreiche Radsportvereine gibt und die Region bereits Deutsche Meister und Weltmeister hervorgebracht hat, steht das Kunstradfahren oft im Schatten bekannterer Sportarten. „Diese Eleganz auf dem Rad, diese Akrobatik. Anders kann man es gar nicht beschreiben“, schwärmt die Vereinsvorsitzende. Besonders schade findet sie, dass der Sport häufig als Randsportart wahrgenommen werde. Dabei braucht es nicht viel, um ihre Begeisterung zu verstehen. „Man muss es einfach gesehen haben und dann muss das Herz offen sein und eigentlich verliebt man sich in diesen Sport“, sagt Park. Der Bundespokal in Amorbach bietet dafür an diesem Wochenende die perfekte Gelegenheit.