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„Essen gehen ist heute Luxus“

10.10.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
Collage Gastro 800 x 500

BAYER. UNTERMAIN (mg). Die Restaurants sind voll, die Gäste sitzen zusammen, bestellen ihr Essen und stoßen miteinander an. Auf den ersten Blick scheint alles wie früher. Doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Für viele Gastronomen wird das Geschäft immer härter: Steigende Kosten, weniger Getränkerunden und Gäste, die genauer auf den Preis schauen. „Die Gastronomie steht enorm unter Druck“, sagt Kassra Adloo, Unternehmer und Restaurantbesitzer aus Aschaffenburg. Dabei bleiben die Gäste keineswegs plötzlich aus. Das Problem liegt woanders: Eine zweite Runde, ein Espresso oder ein Schnaps zum Abschluss - darauf verzichten heute viele. Für die Gäste sind es Kleinigkeiten. Für die Wirte summiert sich genau das zu einem großen Problem.

Für den Gast gibt es vor allem eine Zahl, die hängen bleibt: 25 Euro für ein Schnitzel. Doch für die Gastronomen selbst ist das längst nicht das Ende der Fahnenstange. Denn vor allem die Personalkosten drücken immer stärker auf die Betriebe. Ein Restaurant muss nicht nur die Stunden bezahlen, in denen Gäste am Tisch sitzen. Mitarbeiter bereiten die Speisen vor, decken ein, räumen auf und putzen nach Feierabend. Auch wenn kein Gast mehr im Restaurant sitzt, läuft die Kostenrechnung weiter. Kassra Adloo betreibt in Aschaffenburg unter anderem die Restaurants AschaffenBurger und 400 Grad und erklärt: Ein Gastronom kann seine Ausgaben nur über Essen und Getränke wieder hereinholen. Gleichzeitig steigen Lebensmittel, Energie, Mieten und vor allem die Lohnkosten. Doch jeder Euro mehr auf der Speisekarte kann für den Gast zum Grund werden, beim nächsten Mal lieber zu Hause zu bleiben. „Man hat diesen Teufelskreis, dass immer alles teurer wird.“, so Adloo.

Ein Bier weniger

„Man kann die Gastronomie in zwei Zeitalter teilen: einmal vor Corona und einmal nach Corona“, so Adloo. Eine Veränderung merkt er besonders. Die Gäste kommen weiterhin zum Essen und Trinken, bleiben aber häufig nicht mehr so lange wie früher. Die Folge: Eine zweite Getränkerunde, ein Espresso oder ein Schnaps zum Abschluss fällt häufiger weg. „Sie essen und gehen wieder nach Hause“, beschreibt Adloo die Entwicklung. Vor allem im normalen Tagesgeschäft werde das deutlich. Wer einen Geburtstag oder ein Jubiläum feiert, achten häufig weniger auf den Preis. Beim alltäglichen Restaurantbesuch dagegen wird genauer hingeschaut. „Man trinkt mal vielleicht ein Bier weniger“, sagt Adloo.

Ohne Wirte, wird es dunkel

Eine Innenstadt ohne Restaurants und Cafés? Für Kassra Adloo wäre das ein fatales Signal: „Ohne Gastronomie ist es nach 18 oder 19 Uhr schnell leer. Wenn die Geschäfte ihre Türen schließen, droht gähnende Leere und genau dann übernehmen Restaurants, Cafés und Bars eine wichtige Rolle. Die Gastronomie bringt Leben auf die Straßen, sorgt für Begegnungen und zieht Besucher in die Innenstadt. Davon profitieren am Ende auch Einzelhändler, Dienstleister und Veranstalter. Bei der Stadtplanung müsse deshalb mitgedacht werden, wie Orte entstehen können, an denen Menschen auch nach Ladenschluss gerne bleiben. Denn ein Stadtkern, in dem um 19 Uhr die Lichter ausgehen, verliert Stück für Stück das, was ihn eigentlich ausmacht: seine Lebendigkeit.

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Unternehmer und Restaurantbesitzer Kassra Adloo

Stammgäste halten die Treue

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sieht Adloo auch eine positive Seite: Die Gäste seien der Gastronomie gegenüber weiterhin sehr loyal. „Wir haben einen sehr großen Anteil an Stammkunden, die wirklich gezielt kommen“, sagt er. Gleichzeitig müsse man Verständnis dafür haben, dass ein Restaurantbesuch für manche Menschen inzwischen eher ein besonderer Anlass als eine regelmäßige Gewohnheit geworden sei. Wenn das verfügbare Einkommen nach Miete, Lebensmitteln, Energie und anderen Ausgaben knapp ist, wird beim Restaurantbesuch schneller gespart als bei notwendigen Ausgaben.

Die entscheidende Frage

Doch die Probleme der Branche enden nicht bei den Kosten. Auch gutes Personal wird knapp. Für Adloo liegt ein Teil der Lösung in den eigenen Händen: Sein Betrieb bildet seit Jahren aus. „Wenn wir selber als Gastrobetrieb unseren Nachwuchs nicht sichern, dann können wir auch nicht erwarten, dass wir gutes und vor allem qualifiziertes Personal haben“, sagt er. Die Gastronomie steht aktuell vor einem gefährlichen Spagat: Die Kosten steigen, die Gäste werden preissensibler und trotzdem soll der Restaurantbesuch bezahlbar bleiben. Eines ist für Adloo klar: Die Menschen wollen raus, sie wollen essen, feiern und Zeit miteinander verbringen. Die Frage ist nur, wie lange sie sich das noch leisten können.

Das sagen die Leute

Kerstin S. aus Aschaffenburg:

„Also wir gehen schon ganz gerne essen. Einfach weil es von der Atmosphäre her schön ist, essen zu gehen, sich mal bekochen zu lassen und die Leute ringsherum zu beobachten. Es ist aber auch eine finanzielle Geschichte. Wir kochen auch ganz gerne zu Hause. Getränke sind auch schön teuer geworden.“

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Kerstin S. aus Aschaffenburg

Karin Roth aus Aschaffenburg:

„Wir gehen ab und zu mal was essen. Man geht halt auch nur, wenn man das Geld dafür hat. Dann geht man halt mal besser essen und nicht mehr jede Woche, sondern einmal im Monat.“

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Karin Roth aus Aschaffenburg

Katja Götz aus Großostheim:

„Ja, ich gehe ab und zu essen, also ich sage mal alle 14 Tage. Früher sind wir mindestens einmal in der Woche essen gegangen und jetzt ist es aufgrund der Kostensteigerung weniger geworden.“

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Katja Götz aus Großostheim

Gisela Zeillinger aus Aschaffenburg:

„Ab und zu mal gehe ich, ja. Verändert hat sich mein Essengehverhalten aber nicht. So oft gehen wir nicht, also eigentlich nur zu bestimmten Anlässen.“

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Gisela Zeillinger aus Aschaffenburg

Martina Trautmann aus Aschaffenburg:

„Ich gehe gerne essen. Zwar nicht jeden Tag, aber ab und zu gehe ich schon essen. Es ist alles teurer geworden, also nicht nur in der Gastronomie. Auch wenn Sie Lebensmittel kaufen, ist das ja alles viel teurer geworden. Also ich gehe jetzt nicht täglich, auch nicht wöchentlich, aber ab und zu gehe ich essen, und dann gönne ich mir auch was.“

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Martina Trautmann aus Aschaffenburg

Mohammad Khodadadi aus Aschaffenburg:

´„Ja, ich gehe noch essen, aber natürlich nicht, wenn es zu teuer ist.“

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Mohammad Khodadadi aus Aschaffenburg

Rosa Fersch aus Aschaffenburg:

„Wir gehen hier und da essen, so alle paar Wochen mal. Früher sind wir so alle 14 Tage gegangen. Das machen wir nicht mehr, weil es wirklich teuer geworden ist. Bei uns ist es weniger geworden.“

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Rosa Fersch aus Aschaffenburg