„Wir müssen da schnell wieder raus!“ - Fink soll Alzenau retten!

ALZENAU (acm). 137 Bundesliga-Spiele, Europapokal mit Eintracht Frankfurt und sogar Champions League mit Besiktas Istanbul – Michael Fink hat im Profifußball einiges erlebt. Jetzt wartet auf den 44-Jährigen eine ganz andere Herausforderung: Er soll Bayern Alzenau aus dem Tabellenkeller der Hessenliga führen. Viel Zeit zum Eingewöhnen hatte Fink nicht. Nach sechs Jahren beim FC Gießen wechselte er kurzfristig nach Alzenau, leitete ein Training – und saß schon einen Tag später gegen den CSC 03 Kassel auf der Bank. Sein Debüt ging mit 0:2 verloren. Beim Derby gegen den SC 1960 Hanau am Mittwoch konnte Fink mit seiner Mannschaft aber einen 2:0-Heimsieg einholen – der erste für die Mannschaft diese Saison. Im PrimaSonntag-Interview spricht der Trainer darüber, warum er trotzdem große Möglichkeiten in Alzenau sieht, was er von Felix Magath gelernt hat – und was jetzt am dringendsten passieren muss.
Hallo Herr Fink. Welcher Weg hat Sie zur Trainerbank bei Bayern Alzenau geführt?
Nach sechs Jahren in Gießen hatte ich das Gefühl, dass ich eine neue Herausforderung brauche. Dazu kommt die Entfernung – ich arbeite in Alzenau und habe nur zwei Minuten zum Sportplatz. Die Verbundenheit war dadurch immer da und ich war auch schon häufiger mit den Verantwortlichen im Kontakt. Alzenau ist in der Hessenliga eine sehr gute Adresse. Ich sehe hier große Möglichkeiten, auch wenn es aktuell nicht gut aussieht. Ich bin überzeugt, dass wir da gemeinsam wieder rauskommen.
Sie haben schon einiges an Erfahrung gesammelt, sowohl auf dem Spielfeld als auch an der Seitenlinie. Wie würden Sie sich selbst als Trainer bezeichnen?
Ich bin sehr akribisch und achte auf kleine Details, gleichzeitig bin ich sehr kommunikativ. Ich setze auch auf junge Talente. Ein gutes Beispiel ist Younes Ebnoutalib, der unter mir trainiert hat. Ich bin offen und erkläre den Spielern viel. Mein Führungsstil ist nicht der härteste – aber es kann natürlich auch mal etwas lauter werden.
Welcher Trainer hat Sie in Ihrer Karriere besonders geprägt?
Oh, da gab es einige. Ich hatte Felix Magath als Trainer und habe dabei auch Dinge mitgenommen, von denen ich weiß, dass ich sie heute nicht machen möchte. Sein Führungsstil hat mir als junger Spieler nicht immer gefallen. Unter Lucien Favre habe ich sehr viel gelernt, genauso unter Uwe Rapolder. Ich habe mir von verschiedenen Trainern das Beste herausgesucht und versuche, diese Erfahrungen heute einzubringen.
Was haben Sie in den ersten Tagen schon über Bayern Alzenau gelernt?
Dass die Mannschaft sehr homogen ist. Es gibt klare Abläufe und ich glaube, es ist eine Mannschaft, die sich relativ gut untereinander versteht. Es gibt sehr gute Strukturen im Verein. Dieses Familiäre habe ich jetzt auch schon mitbekommen – da sitzt man nach dem Spiel nochmal zusammen und ein diskutiert ein bisschen. Es ist einfach ein Verein mit einer positiven Ausstrahlung.
Was möchten Sie mit dem Verein die nächste Zeit erreichen?
Wir wollen so schnell wie möglich den ersten Sieg holen, um schleunigst die Abstiegsplätze zu verlassen. Alles andere als ein Mittelfeldplatz wäre aktuell nicht realistisch, dafür ist der Saisonstart zu schlecht gelaufen. Wir müssen da schnellstmöglich rauskommen und genügend Punkte holen, damit wir mit den Abstiegsplätzen nichts mehr zu tun haben.
Wofür soll die Mannschaft unter Michael Fink stehen?
Aktuell geht es darum, der Mannschaft Selbstvertrauen zurückzugeben und die Blockaden in den Köpfen zu lösen. Natürlich haben wir schon Dinge verändert. Wir wollen Fußball spielen und dominant auftreten, müssen aber erstmal kompakt verteidigen. Da gilt es zunächst, die Null zu halten und uns dann mit einem gepflegten Spielaufbau Chancen zu erarbeiten.
