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„Ich habe die Nase voll!“

07.11.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
Weinberg Vandalismus Collage
Vandalismus und Hakenkreuze am Großheubacher Weinpavillon

GROSSHEUBACH (le). Stefan Kremer reicht es langsam. Als Vorsitzender des Weinbauvereins Großheubach kümmert er sich um die Liegenschaften des Vereins. Dazu gehört auch die Schutzhütte auf dem Bischofsberg - ein beliebter Rastplatz und Ausflugsort, der zum gemütlichen Verweilen einlädt. Doch immer wieder wird der Weinpavillon zum Ziel mutwilliger Zerstörung. Was sich dort Mitte Oktober abgespielt hat, übertrifft allerdings die bisherigen Vorfälle: Herausgebrochene Türteile, zerstörte Dachziegel und eingeritzte Hakenkreuze. Jetzt ist das Maß endgültig voll.

Erst im September hatte es einen ähnlichen Vorfall gegeben. Damals meldete Kremer die Schäden der Polizei. „Ich kannte ein paar Namen und hatte auch Bilder von der Feier“, berichtet er. Dennoch habe man ihm wenig Hoffnung auf eine Aufklärung gemacht. Warum? Nicht genug Beweise. Also setzte der Verein eine Belohnung für weitere Hinweise aus – mit Erfolg! Die Verantwortlichen konnten ausfindig gemacht werden. Sie übernahmen den Schaden und entschuldigten sich gemeinsam mit ihren Eltern. Möglich war das allerdings nur dank der Mithilfe von Beteiligten. Eine Wildkamera dürfe der Verein aus Datenschutzgründen nicht aufstellen. Die Schutzhütte aus den 80er-Jahren ist als öffentlicher Treffpunkt bekannt. Andere Möglichkeiten zur Überwachung? Fehlanzeige.

Erneut schwere Verwüstung

Jetzt kam es vor knapp drei Wochen erneut zu Vandalismus – und dieser Vorfall hat es in sich: An der Tür wurden Teile herausgebrochen und die Verriegelung herausgerissen. Auch die Windfahne auf dem Dach wurde heruntergerissen. An mehreren Stellen fehlen Dachziegel, die teilweise bis hinunter in die Weinberge geworfen wurden. Besonders erschreckend: Mit den Bruchstücken wurden Hakenkreuze in die Wand und auf den Steintisch geritzt. „Das ist unverschämt, das macht man einfach nicht“, ärgert sich Kremer. Wegen der verfassungsfeindlichen Symbole wurde dieses Mal auch der Staatsschutz eingeschaltet. Für Hinweise, die zur Ermittlung der Täter führen, hat der Verein erneut eine Belohnung ausgesetzt - bislang ohne Erfolg, berichtet Kremer. „Dieses Mal halten die Verantwortlichen dicht.“

Tausende Euro Schaden

Der Verein muss sich nicht nur mit der Tätersuche herumschlagen. Auch die finanziellen Folgen sind erheblich. Tür, Dach, Ziegelsteine – all das muss ausgetauscht werden. „Wenn ich die Schäden von einer externen Firma reparieren lasse, sind ruckzuck ein paar Tausend Euro fällig“, schätzt Kremer. Trotz der wiederholten Verwüstungen möchte er den Treffpunkt aber nicht schließen. Die Hütte sei für alle zugänglich und solle das auch bleiben. Direkt daneben bewirtschaftet die Lebenshilfe Großheubach einen Schauweinberg, an dem Besucher und Beteiligte viel Freude haben. Ein Verschließen oder gar ein Rückbau komme deshalb nicht infrage. Kremer setzt stattdessen auf mehr Rücksichtnahme und aufmerksame Bürger, die einschreiten oder Beobachtungen melden. Für den Vereinsvorsitzenden steht fest: Ein öffentlicher Treffpunkt darf nicht zum regelmäßigen Ziel von Vandalismus werden. „Ich will hier nicht zwei- bis dreimal im Jahr Schäden aufnehmen müssen. Das muss sich bessern.“