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Hauptsache Denkzettel für „die da oben“?

27.09.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
KW39 Waehlerstimmung collage

BAYER. UNTERMAIN (acm). Die jüngsten Landtagswahlen haben die politische Stimmung in Deutschland ordentlich durcheinandergewirbelt. Erst das starke Abschneiden der AfD in Sachsen-Anhalt, jetzt die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Doch wie ist die Stimmung bei uns in der Region? PrimaSonntag hat bei 100 Menschen nachgefragt: Welche Partei würden Sie aktuell wählen - und vor allem: Was steckt hinter Ihrer Entscheidung? Wir haben den Kleinostheimer Politikwissenschaftler Prof. Dr. Timo Lochocki aus Kleinostheim die Ergebnisse unserer großen Straßenumfrage einordnen lassen. Der 41-Jährige ist Experte für Rechtspopulismus und Gastdozent an mehreren internationalen Hochschulen, unter anderem in Berlin und in North Carolina (USA).

Mit 20 von 100 Stimmen liegt die Union bei uns am Bayerischen Untermain weiterhin vorne. Darauf folgen SPD und Grüne – AfD und FDP kommen mit jeweils elf auf dieselbe Anzahl an Stimmen. Auch Kleinstparteien wurden bei uns häufig angekreuzt: von der Tierschutzpartei über die Piraten und Volt, bis hin zur ÖDP und die Basis. Noch spannender ist aber die Frage nach dem Warum. Denn nur ein Teil der Befragten sagt, dass die eigene Wahlentscheidung vor allem auf politischer Überzeugung beruht. Viele nennen stattdessen Unzufriedenheit mit der aktuellen Regierung, fehlende Alternativen oder den Wunsch, dass sich grundsätzlich etwas verändert. Für Prof. Dr. Timo Lochocki aus Kleinostheim ist genau dieser Punkt entscheidend. „Nicht repräsentative Umfragen sagen gar nichts“, sagt der Politikwissenschaftler mit Blick auf die PrimaSonntag-Straßenumfrage. Trotzdem könne man aus der aktuellen Stimmung ableiten, dass viele Wähler mit dem Angebot der etablierten Parteien unzufrieden seien.

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Politikwissenschaftler Prof. Dr. Timo Lochocki

Protest oder Überzeugung?

Immer wieder fällt im Zusammenhang mit der AfD der Begriff „Protestwahl“. Doch ist das noch die richtige Beschreibung? Lochocki sieht dabei unterschiedliche Gruppen: „Die Hälfte der AfD-Wähler, würde ich sagen, ist wirklich überzeugt davon. Und der Rest ist einfach sauer auf die anderen“, sagt der Politikwissenschaftler. Dabei gehe es nicht nur um wirtschaftliche Sorgen. „Der entscheidende Punkt, der Leute zur AfD treibt, ist dieses emotionale Bedürfnis, gesehen zu werden“, erklärt Lochocki. Viele Menschen hätten das Gefühl, dass ihre Sorgen und ihre Lebensrealität nicht mehr ausreichend wahrgenommen würden. Auch zwischen Stadt und Land sieht Lochocki Unterschiede: „Wir haben einfach den ganz klassischen Stadt-Land-Divide, den wir überall anderswo auch kennen.“ Während in Städten häufiger SPD und Grüne stark seien, würden außerhalb der Ballungsräume eher CDU/CSU und AfD punkten. Für die etablierten Parteien sieht Lochocki deshalb eine klare Aufgabe: „Die Bürger wollen eine klare Linie. Sie wollen, dass die Parteien der Mitte Reformen umsetzen und sich nicht mit Personaldebatten beschäftigen.“ Bis zur nächsten Landtagswahl in Bayern dauert es noch zwei Jahre – bis dahin bleibt die Frage: Gelingt es den etablierten Parteien, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen – oder setzt sich der aktuelle Trend weiter fort?

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*Ergebnisse aus einer anonymen nicht-repräsentativen Umfrage
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*Ergebnisse aus einer anonymen nicht-repräsentativen Umfrage