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Unsere düstere Vergangenheit

25.10.2026, 00:00 Uhr in PrimaSonntag
KW43 Gruselfacts Collage

BAYER. UNTERMAIN (lt). Halloween steht vor der Tür und damit erwachen auch all die gruseligen Geschichten des Bayerischen Untermains zum Leben. Egal ob Sage, echtes Geschehnis, Überbleibsel aus einer grausamen Zeit: Der Bayerische Untermain hat ordentlich Grund zum Gruseln zu bieten. Hier die schaurigen Fakten zu Halloween...

Wussten Sie, dass...

KW43 Gruselfacts 2
KW43 Foltertturm
Foto: Ines Otschik (Museen der Stadt Aschaffenburg)

… der Bau von Schloss Johannisburg durch die Hexenverbrennungen finanziert wurde?

Vor über 400 Jahren ließ der Mainzer Kurfürst Johann Schweikhard von Kronberg das imposante Schloss in Aschaffenburg errichten. Zur selben Zeit erreichte die Hexenverfolgung in der Region einen grausamen Höhepunkt. Allein im Raum Aschaffenburg wurden mindestens 326 Frauen und Männer als vermeintliche Hexen und Zauberer hingerichtet. Im Kreis Miltenberg waren es mindestens 176. Ihr Besitz wurde eingezogen. Deshalb kam schnell der Verdacht auf, dass der Kurfürst mit diesem Geld seinen prächtigen Schlossbau finanzierte. Historisch belegt ist das allerdings nicht: Hauptsächlich stammten die Baugelder wohl aus regulären Staats- und Steuereinnahmen. Das Geld der Opfer soll nach zeitgenössischen Dokumentationen in ihre eigene Folterung und Verbrenung geflossen sein. Was jedoch abseits des Papieres geschah, bleibt für uns auf ewig ein Mysterium. 

…es eine Folterkammer im Stiftsmuseum Aschaffenburg gibt?

Versteckt unter dem Dach des Stiftsmuseums führt eine steinerne Treppe hinauf in eine kleine, düstere Kammer. Früher diente sie als Paramentenkammer der Stiftskirche, heute erwartet die Besucher dort eine beklemmende Inszenierung: eine Folterkammer mit historischer Streckbank und zwei Prangerstühlen. Nicht selten wurden die Stühle auf den Marktplatz gebracht, um die Beschuldigten vor aller Augen bloßzustellen. An den Wänden hängen Ketten und Halsgeigen, daneben ein Richtschwert. Auch wenn diese Foltermaterialen nicht an diesem Ort verwendet wurden, könnte es doch sein, dass sie im Hexenturm im Schöntalpark oder im Folterturm in der heutigen Erthalstraße einen Platz hatten. Denn diese beiden Türme wurden zu Zeiten der Hexenverfolgungen zur Folterung, als Gefängnis oder Hauptverhör-Ort verwendet.

KW43 gruselfacts 10
Foto: Geschichtsverein Niedernberg/V.G.

… in der Nähe von Niedernberg ein Galgen steht? 

Im Tannenwäldchen, am Radweg von Niedernberg Richtung Aschaffenburg, steht heute der Nachbau einer historischen Hinrichtungsstätte. Hier wurden die Todesurteile des Gerichtsbezirks Cent Bachgau vollstreckt. Die Gerichtsverhandlungen fanden in Großostheim statt. Wer zum Tode verurteilt wurde, musste anschließend den sogenannten Galgenweg nach Niedernberg gehen. 2009 ließ die Gemeinde den Galgen nachbilden, um an diesen Teil der Ortsgeschichte zu erinnern. 

KW43 Teufelsmuehle

…in Omersbach ein Mörder seine Tat selbst nach 20 Stunden gestand? 

Am 21. Juli 1960 wurde der Maurer Karl Fischer am Ausflugslokal „Teufelsmühle“ vor den Augen seiner Frau, die Wirtin der Gaststätte, von einem Unbekannten erstochen. Der Täter raubte anschließend eine große Menge an Zigaretten und Zigarren sowie Geld und floh. Doch genau 20 Stunden nach der Tat konnte der Mörder bereits festgenommen werden - und zwar in einer anderen Gaststätte. Als der Polizist ihn ansprach, gestand der damals 25-Jährige sofort. Später wurde festgestellt, dass der Täter schwer psychisch krank war und sich auch schon mehrfach gegen eine Einweisung in eine Heilanstalt gewehrt hatte. So behauptete er nach der Festnahme, im Auftrag gehandelt zu haben und „der Kaiser von China“ gewesen zu sein. Mit dem Tod des Maurers Karl Fischer endete auch der Betrieb der Gaststätte abrupt. 

KW43 Gruselfacts 11
Ketzelburg, Das Hundegrab, Archäologisches Spessart-Projekt

…in Haibach die Liebe zweier Schwestern ihnen das Leben gekostet haben soll? 

Wir waren auch mit den Podcastern Conny und Patrick von Aktenzeichen Paranormal unterwegs, die uns auch die ein oder andere gruselige Sage erzählt haben. Eine hat es echt in sich: Auf der Ketzelburg bei Haibach rankt sich eine düstere Erzählung um den Ritter Rainer von Heydebach und zwei Schwestern, die sich beide in ihn verliebt haben sollen. Aus Liebe wurde Eifersucht - und schließlich ein tödlicher Streit. Der Ritter floh ins Heilige Land, kehrte erst als alter Mann zurück und soll wenig später bei dem Grab der beiden Frauen tot aufgefunden worden sein. Doch die Ketzelburg birgt nicht nur Legenden: Bei Ausgrabungen entdeckten Archäologen unter dem Fußboden des Wohnturms ein Hundeskelett, das mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammt. Die ungewöhnliche Niederlegung wird als mögliche Schutz- oder Opferhandlung gedeutet. Ob das Hundeskelett wirklich als Opferbeigabe diente, vielleicht sogar für die zwei Schwestern und den edlen Ritter, bleibt verborgen. 

KW43 Gruselfacts 5

… die Klingenbergerin Anneliese Michel rund 67 Exorzismen durchleben musste, bis ihr Tod sie befreite? 

Vor genau 60 Jahren starb eine Klingenbergerin namens Anneliese Michel. Ihre Familie war streng römisch-katholisch. Nachdem Anneliese immer wieder Krampfanfälle bekam, berichtete sich plötzlich von einem Klopfen an ihrem Kleiderschrank oder einer Stimme aus der Hölle, die zu ihr sprach. Als sie dann auch noch religiöse Gegenstände ablehnte, war für die Geistlichen klar: Anneliese Michel ist von einem Dämon besessen. Nun sollten zwei Priester ihr helfen, sie von dem Dämon zu befreien. In diesem Prozess musste die gerade einmal 24-Jährige 67 große Exorzismen, also Teufelsaustreibungen, durchlaufen. Sie selbst fügte sich körperliche Verletzungen zu, verausgabte sich komplett, indem sie nichts mehr aß und schaufelte somit ihr eigenes Grab. Das liegt heute noch auf dem Friedhof in Klingenberg und ist auch immer noch gepflegt. 

KW43 Gruselfacts 6
Foto: Freies Deutsches Hochstift / Frankfurt Goethe-Museum

…ein Mediziner den Schädel seines Freundes Wilhelm Heinse in seiner Bibliothek ausstellte?

Der Schriftsteller Wilhelm Heinse, der seine letzten zehn Lebensjahre in Aschaffenburg verbrachte, wurde nach seinem Tod noch nicht gleich die ewige Ruhe gegönnt. Er hatte nämlich seinem Freund, dem Mediziner Samuel Thomas Soemmering, seinen eigenen Schädel versprochen. Und dafür musste seine Leiche zwei Jahre nach seinem Tod wieder ausgegraben werden. Stolz bewahrte Soemmerring den Schädel in einem mit goldenem Scharnier versehenen Glaskästchen in seiner Bibliothek auf. Er ließ ihn sogar von dem deutschen Modellierer Christian Koeck zeichnen.