• Frequenzen: 100,4 & 99,4 & 90,8
  • Funkhaus Tel 06021 – 38 83 0
  • Stauhotline 0800 – 66 66 400
  • Kontakt

On Air

Jetzt anhören

Hilfe, wer trainiert unsere Kinder?

25.04.2026, 10:00 Uhr in PrimaSonntag
Foto Jet1

BAYER. UNTERMAIN (to). Kinder, macht Sport, bewegt euch, sucht ein Hobby! Das hört sich unser Nachwuchs immer wieder an. Aber im Kreis Aschaffenburg und Miltenberg schlagen viele Sportvereine Alarm - ihnen gehen die Jugendtrainer aus. Sowohl große Vereine als auch kleinere Clubs suchen händeringend nach Übungsleitern für Kinder und Jugendliche. Besonders im Breitensport müssen oft Eltern einspringen, weil sich kaum noch Ehrenamtliche finden. Auch junge Erwachsene aus höheren Jugenden springen ein, um die Lücken zu füllen. Wir haben bei Vereinen aus verschiedenen Sportbereichen der Region nachgefragt, wie bei ihnen die Trainersituation im Jugendbereich aussieht.

Turnverein Miltenberg

Der Turnverein Miltenberg bietet ein großes Angebot an unterschiedlichen Sportarten. Es gibt 18 Abteilungen, darunter Volleyball, Judo und Turnen. „Grundsätzlich sind wir an Jugendtrainern glücklicherweise gut aufgestellt“, bestätigt Kümmel. Den einen oder anderen Engpass gibt es trotzdem. Vor allem die Fachabteilungen, die an relativ wenigen Leuten hängen, haben immer wieder Probleme. „Kickboxen ruht bei uns im Moment. Wir hatten zwei Trainer, die sich um die Abteilung gekümmert haben, die stehen im Moment nicht zur Verfügung“. Nachfolger wurden bis jetzt noch keine gefunden. „Man findet da kaum noch jemanden - wenn Erwachsene erstmal im Beruf stehen, haben sie meist wenig Zeit.“ Im Bereich Kinderturnen herrscht beim TVM großer Andrang. Aufgrund der Kapazität stehen einige Kinder auf Wartelisten. „Da warten Kinder darauf, Sport machen zu dürfen.“ Oft engagieren sich Eltern, die Gruppen von ihren eigenen Kindern begleiten und so zeitweise als Trainer einspringen. „Wenn die Kinder dann älter werden, hören die Eltern meistens auf - dadurch sind wir gezwungen, ständig neue Leute zu suchen.“  

Tv Mainaschaff
Vorsitzender Georg Kümmel

TSV Mainaschaff

Vor allem bei Fußballvereinen gehört die Trainersuche für Jugendclubs fast zum Alltag. „Im Endeffekt ist es so, dass wir natürlich einen extremen Trainermangel haben“, stellt Polke fest. Ehrenamtliche Arbeit wird zur Seltenheit. Meistens sind es dann Papas von Spielern, die einspringen. „Andere Möglichkeiten gibt es da eigentlich gar nicht - dass da mal einer mit Trainerschein und Erfahrung von außerhalb kommt und sagt, er hat jetzt Bock, hier Trainer zu machen. Da liegt die Chance bei null Prozent.“ Der TSV Mainaschaff versucht daher, die engagierten Väter zu unterstützen, wo es nur geht. „Wir bieten an, Fortbildungen zu besuchen und den Trainerschein zu machen. Das zahlt dann der Verein.“ Wenn Trainer aufhören und es keinen klaren Ersatz gibt, dann weiß man sich in Mainaschaff trotzdem zu helfen. So zum Beispiel bei der zweiten F-Jugend: „Da haben sich mehrere Mamas und Papas zusammengetan und teilen die Arbeit selbstständig unter sich auf.“ Ein fester Trainer und Ansprechpartner fehlt den Kindern aber erstmal.

TSV Mainaschaff
Jugendleiter und U-17 Trainer Benjamin Polke

SpVgg. Hösbach-Bahnhof

Auch bei den Hösbachern sind es vor allem Papas, die Trainerpositionen übernehmen. „Bei uns gibt es aber auch eine Trainer-Mama - die betreut die ‚Ballbinas“, erzählt Katja Maier. „Ballbina Kickt“ ist eine Initiative vom Bayerischen Fußball-Verband, der Mädchen die Möglichkeit gibt, beim Fußball reinzuschnuppern. Inzwischen springen bei der Spielvereinigung auch immer wieder Spieler aus der ersten Mannschaft ein. „Da muss man immer hart kämpfen, bis man jemanden gewinnen kann.“ Das Ganze läuft ehrenamtlich und die teilweise selbst noch sehr jungen Sportler sind oft durch den Beruf stark eingeschränkt oder sogar komplett verhindert. Eine andere Möglichkeit, als auf dieses Engagement zu hoffen, bleibt den Vereinen in der Regel jedoch nicht. „Ausgebildete Trainer sind hart umkämpft und lassen sich dann meistens gut dafür bezahlen.“ Um trotzdem möglichst vielen Kinder die Möglichkeit zu bieten, Fußball zu spielen, gehen Mannschaften Spielgemeinschaften mit anderen Clubs ein. „Von der U13 bis zur U19 haben wir eine Spielgemeinschaft mit Waldaschaff und Rothenbuch.“ Dafür werden dann insgesamt weniger Trainer gebraucht.

SPVGG Hoesbach Bahnhof
Jugendleiterin der Mini-Kicker bis U13 Katja Maier

Delfinha Schwimmverein aus Haibach

Durch jahrelange Arbeit als Landestrainer hat Rocco Adler viel Erfahrung sammeln dürfen. Ob Schwimmer-Wartelisten oder Mannschaften, die sich auflösen mussten, all das kommt immer wieder bei Vereinen vor. In fast allen Schwimmbädern werden Rettungsschwimmer, Schwimmtrainer und Bademeister gesucht. Um diesem Problem zu entgehen, setzt Adler ganz strickt auf ein klares Konzept: Die zukünftigen Trainerteams müssen aus dem Inneren des Vereins herauskommen. „Man muss die jugendlichen Schwimmer früh aufbauen und unterstützen, dass sie später einmal selbst zu Trainern werden“, stellt Adler klar. So würde das Problem Trainermangel gar nicht erst entstehen. Trotzdem versucht man auch bei Delfinha ab und an, Trainer von außerhalb für sich zu gewinnen. Davon gibt es einerseits aber nicht allzu viele, andererseits will man auch nicht einfach nur annehmen, wer zur Verfügung steht. „Man muss auch schauen, ob ein Trainer funktioniert! Wir brauchen gute Leute, die vom Trainingsstyle und vom Umgang mit den Kindern zu uns passen.“

Delfinha Schwimmverein
Vorstand Rocco Adler

Bayerischer Handball-Verband

„Trainermangel im Jugendbereich ist in der Tat weiterhin ein großes Problem!“, erklärt Franke. Vereine suchen nach engagierten Menschen, die trainieren oder die Kinder unterstützen. Auch beim Handball ist es so, dass oft Eltern einspringen, da die Dichte an qualifizierten und ausgebildeten Trainern nicht ausreicht. „Das Ziel ist es, dass die aktiven Spieler auch aktiv in der Jugendarbeit werden.“ Doch wie in den anderen Sportarten auch, steht hier oft die begrenzte Zeit durch Beruf oder Schule im Weg. Einige Vereine können oft nicht das bieten, was man eigentlich anstrebt. „Ehrenamtliche Trainer sind natürlich auch nur mit Grenzen verfügbar.“ Guido Franke sieht vor allem in der Kooperation mit Schulen eine Chance für Vereine. „Das ist ein wichtiger Teil der Basis für Sport im Kinder- und Jugendbereich.“ Außerdem sei auch die Fachkenntnis der Ausbilder entscheidend: „Trainer müssen qualifiziert sein - sie legen den Grundstein für die Kinder!“

KW17 Trainermangel BHV
Regionalbeauftragter Kreis AB/MIL Guido Franke