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Vom Kripo-Chef ins Rathaus

03.05.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
300426 Collage Schlemmer

ASCHAFFENBURG (to). Für Markus Schlemmer beginnt in diesen Tagen ein neuer Lebensabschnitt. Bis Ende April war er noch Chef der Kripo Aschaffenburg, ab sofort steht er als neu gewählter Oberbürgermeister an der Spitze der Stadt. Wir haben ihn vorab an seiner neuen Wirkungsstätte besucht. 

Herr Schlemmer, wie planen Sie Ihre erste Woche im Rathaus?
„Richtig los geht es für mich am 4. Mai. Zuerst möchte ich mit den Mitarbeitern im Rathaus ins Gespräch kommen. Es wird eine Ansprache im Lichthof geben. Danach stehen viele Termine mit den Abteilungen und Referaten an. Mir ist wichtig zu erfahren, was gerade anliegt, wo es offene Fragen gibt und was für die nächsten Stadtratssitzungen vorbereitet werden muss.“

Was nehmen Sie aus der Zeit als Kripo-Chef mit?
„Auf jeden Fall Menschenkenntnis. Bei der Kripo lernt man, die richtigen Fragen zu stellen, Dinge zu hinterfragen und Lösungen zu finden. Es heißt immer: Die Kripo ermittelt in alle Richtungen. Genau das nehme ich mit. Man darf nicht nur den scheinbar einfachen Weg sehen, sondern muss auch links und rechts schauen. Bei der Polizei erlebt man Menschen oft in Ausnahmesituationen. Man sieht, wie jemand in Schieflage geraten kann und welche Hilfe dann wirklich gebraucht wird. Unterstützung muss schnell, unbürokratisch und nah an den Menschen sein.“

War Ihnen schon als Kind klar, dass es einmal zur Polizei geht?
„Der Wunsch war tatsächlich früh da. Ich hatte schon als Kind einen starken Gerechtigkeitssinn und wollte andere unterstützen. Meine frühe Jugend habe ich am Kloster Himmeltal verbracht, sehr naturnah, direkt am Wald. Nach der Schule ging es oft raus. Auch beim Spielen war mir Fairness immer wichtig. Das hat sich durchgezogen.“

Wann kam bei Ihnen der Gedanke: Ich will Oberbürgermeister werden?
„Das ist in Gesprächen gewachsen. Ich war in der Ortspolitik und im Kreisverband aktiv. Da merkt man, wie spannend es ist, gesellschaftliche Themen mitzugestalten. Irgendwann stellt sich die Frage: Wo kann man am meisten bewegen?“

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Was treibt Sie an, dieses Amt zu übernehmen und wie gehen Sie mit Kritik um? 
„Ich erwarte nicht, dass alles einfach oder spaßig wird. Es wird auch unangenehme Themen geben, bei denen man nicht sofort die perfekte Lösung hat. Manchmal fehlen auch Mittel, Geld oder Personal. Trotzdem ist Aschaffenburg gut aufgestellt. An einigen Stellschrauben kann man noch drehen, und genau das möchte ich tun. Für Kritik bin ich immer offen. Man hat meistens sein eigenes Bild, sollte sich aber auch das Fremdbild einholen. Manchmal muss man einfach nachfragen: Wie kam das an? War das richtig so? Wenn Fehler passieren, muss man darüber sprechen und schauen, wie man sie künftig vermeidet.“

Haben Sie mit diesem Wahlergebnis gerechnet?
„Politik kann man nicht berechnen. Viele glauben, sie könnten die Wähler genau lesen, aber am Wahlmorgen ist die Wahlurne leer. Ich habe eher damit gerechnet, knapp zu verlieren als deutlich zu gewinnen.“ 

Wie beginnt ein klassischer Morgen bei Ihnen?
„Ich bin kein großer Frühstücker. Für mich reicht morgens erst mal eine Tasse Kaffee. Dann komme ich an, klappe vielleicht schon den Laptop auf, checke ein paar E-Mails und schaue, was ansteht.“

Wie ist Markus Schlemmer privat und wie kann man ihn in drei Worten beschreiben?
„Authentisch, lebensfroh und hilfsbereit. Ich bin gesellig, höre gerne zu und kann mich auch zurücknehmen. Ich werde oft um Rat gefragt und glaube, dass ich ein guter Zuhörer bin. Vor allem bin ich lebenslustig - der Spaß kommt bei mir nicht zu kurz.“

Wie wichtig ist Ihnen Familie, gerade bei einem Amt, das viel Zeit fordert?
„Ich bin froh, dass meine Familie da Rücksicht nimmt. Wir versuchen, die gemeinsamen Zeitfenster gut zu nutzen. Manchmal lassen sich Termine auch verbinden, mit Familie, Ehrenamt oder Beruf. Bei der Kripo organisiere ich zum Beispiel jedes Jahr ein Zeltlager mit den Familien. Wir nennen das Kripo and Friends.“

Was bringt Sie privat zusätzlich zum Abschalten? 
„Fußball ist zum Beispiel nicht meins, ich habe als Jugendlicher mal gespielt, war aber wahrscheinlich kein großer Gewinn für die Mannschaft. Danach habe ich Kampfsport gemacht. Heute möchte ich wieder mehr ins Fitnesstraining gehen, ein bisschen laufen, Motorrad fahren und im Winter bin ich mit dem Snowboard auf der Piste. Ich schaue auch gerne Frank Rosin, wenn er Gastronomien unterstützt. Ich finde es schön zu sehen, wenn Hilfe ankommt.“

Wo sehen Sie die größten Baustellen in Aschaffenburg und wie verläuft die Übergabe mit Jürgen Herzing?
„Ein großes Thema ist die Wirtschaftsförderung. Wir müssen schauen, dass Aschaffenburg wirtschaftlich stark bleibt. Dazu kommt das Stadtleben: Ausgehen, Begegnung, Aufenthaltsqualität. Das bayerische Nizza muss wieder stärker gelebt werden. Und natürlich spielt auch Sicherheit eine wichtige Rolle. Mit Jürgen Herzing treffe ich mich zur Übergabe. Wir sind beide erwachsene Menschen. Im Wahlkampf sind wir uns immer wieder begegnet, und der Umgang war offen und locker. Wahlkampf gehört dazu, aber danach geht es um die Stadt.“

Schlemmer Frau und Tochter