• Frequenzen: 100,4 & 99,4 & 90,8
  • Funkhaus Tel 06021 – 38 83 0
  • Stauhotline 0800 – 66 66 400
  • Kontakt

On Air

Jetzt anhören

Haibacher Läufer findet über Sport und Social Media zurück ins Leben

22.03.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
KW12 Heiko Bild1

ASCHAFFENBURG/HAIBACH (wk). Laufen, filmen, posten - was für viele nach einem Hobby klingt, wurde für Heiko (26) aus Haibach zum Wendepunkt in seinem Leben. Mit seinen Videos rund ums Laufen erreicht er heute tausende Menschen in den sozialen Medien. Dabei begann alles in einer Phase, in der es ihm alles andere als gut ging.

Nach seiner Ausbildung bei der Polizei in Würzburg wurde er in den Streifendienst nach Alzenau versetzt. Eine Zeit, die ihn stark prägte, allerdings nicht nur positiv. „Die Ausbildung war wirklich eine richtig gute Zeit“, erzählt er. „Aber der Berufsalltag danach ist ganz anders.“ Unregelmäßige Arbeitszeiten, zunehmender Druck und der Umgang im Alltag machten ihm zu schaffen. „Der Beruf ist wichtig, aber auch sehr fordernd und ich bin damit einfach nicht zurechtgekommen.“ Die Folge war eine schwierige Phase, die er selbst rückblickend als Depression beschreibt. Antriebslosigkeit und negative Gedanken bestimmten den Alltag.

Laufen als Ausweg
Auf der Suche nach einem Ausgleich begann er schließlich mit dem Laufen, zunächst ohne große Erwartungen. „Ich habe vorher eher Kraftsport gemacht, aber beim Laufen war es das erste Mal so, dass ich wirklich abschalten konnte“, sagt der 26-Jährige. Besonders das Gefühl nach dem Training habe ihm geholfen. „Ich war oft komplett niedergeschlagen, aber nach dem Laufen ging es mir für ein paar Stunden richtig gut.“ Schritt für Schritt wurde der Sport zu einem festen Bestandteil seines Lebens und schließlich auch zu einem Ventil. Parallel dazu begann Heiko, sich beim Laufen zu filmen und kurze Videos in den sozialen Medien zu teilen. Ohne Plan, ohne Strategie. „Ich habe das einfach gemacht, um mich abzulenken und irgendwas zu haben, worauf ich mich konzentrieren kann.“. Lange Zeit blieb die Aufmerksamkeit gering, doch dann änderte sich das schlagartig. Ein Video, in dem er davon erzählt, dass er sich spontan, ohne Vorbereitung für einen Marathon angemeldet hat, ging plötzlich viral. „Das war einfach ehrlich“, erinnert er sich. „Ich hatte jedem erzählt, dass ich laufe und dann musste ich es auch wirklich durchziehen.“ Millionen Aufrufe später war klar: Seine Geschichte trifft einen Nerv. Von da an entwickelte sich sein Account rasant. Immer mehr Menschen folgten ihm, erste Kooperationen kamen dazu. „Auf einmal konnte ich damit etwas Geld verdienen, das mir in einer schwierigen Zeit geholfen hat“, sagt er. Heute arbeitet er hauptberuflich im Performance Marketing in Frankfurt und betreibt seinen Lauf-Content nebenbei weiter.

Motivation ohne Perfektionsdruck
Mit seinen Inhalten verfolgt er ein klares Ziel: Menschen motivieren und gleichzeitig den Druck nehmen. „Gerade viele junge Leute denken, sie müssen mit Mitte 20 schon alles erreicht haben“, sagt er. „Aber das Leben läuft nicht nach Plan. Es ist völlig okay, Dinge zu verändern.“ Sport spielt dabei eine zentrale Rolle, vor allem mental. „Wenn man sich etwas vornimmt und es durchzieht, stärkt das extrem das Selbstvertrauen.“ Trotzdem sei Motivation nicht immer da. „Ich habe oft Tage, an denen ich keine Lust habe. Aber dann erinnere ich mich an mein Warum und ziehe es durch.“

Nächste Herausforderung: Ultramarathon
Aktuell bereitet sich Heiko auf seine bisher größte sportliche Herausforderung vor: einen Ultramarathon im sogenannten „Backyard“-Format. Dabei müssen die Teilnehmer jede Stunde 6,7 Kilometer laufen, so lange, bis nur noch eine Person übrig ist. Pausen gibt es nur innerhalb dieser Stunde. „Wenn du schnell bist, hast du Zeit zum Essen oder Erholen - wenn nicht, geht es direkt weiter“, erklärt er. Eine feste Strategie hat er noch nicht. Klar ist aber: Neben der körperlichen Belastung spielt auch die Organisation eine große Rolle. „Essen, Regeneration, vielleicht sogar kurze Schlafpausen das wird alles entscheidend sein.“ Sein Ziel ist dabei bewusst realistisch gewählt. „Ich will nicht unbedingt gewinnen“, sagt er. „Ich will am Ende sagen können, dass ich alles gegeben habe.“

Mehr als nur Sport
Der Weg dorthin ist geprägt von Disziplin aber auch von Zweifeln. „Es gibt viele Tage, an denen ich überhaupt keine Lust habe, 20 oder 30 Kilometer zu laufen“, erklärt er. „Aber genau das gehört dazu.“ Seine Botschaft geht deshalb über den Sport hinaus. „Es geht nicht nur ums Laufen“, betont er. „Es geht darum, etwas zu finden, wofür man brennt.“ Egal ob Sport, Hobby oder Beruf, wichtig sei, dranzubleiben und sich selbst treu zu sein. Für ihn selbst hat genau das den Unterschied gemacht. Aus einer schwierigen Phase heraus hat er sich Schritt für Schritt ein neues Leben aufgebaut und inspiriert heute andere, ihren eigenen Weg zu gehen.

KW12 Heiko Bild2
KW12 Heiko Bild3