Wegen Feldweg vor Gericht

KLEINOSTHEIM/MAINASCHAFF (lt). Eine gemütliche Fahrradtour an einem sonnigen Sommertag mit dem Partner. Einfach in die Pedale treten und die Seele baumeln lassen – doch dann das störende Geräusch einer Autohupe. Schnell weicht man voller Schreck auf den angrenzenden Acker aus, als auch schon ein PKW an einem vorbeirauscht. Für Fußgänger und Radfahrer, die zwischen Mainaschaff und Kleinostheim auf der Rennstraße unterwegs sind, ist das gang und gäbe. Doch nicht nur für sie ist der asphaltierte Feldweg ein reiner Terror. Auch für die Eigentümer des Ackerlandes, wie Bruno Braun aus Stockstadt, hat die Straße nicht nur den ein oder anderen Nerv, sondern auch Euro gekostet. Denn nachdem ihm ohne seine Einverständnis 500 Quadratmeter Land geraubt worden sein soll, hat der gebürtige Kleinostheimer die Nase voll und reicht beim Verwaltungsgericht Würzburg Klage ein.
Für Bruno Braun ist das Ackerland in Kleinostheim echte Kindheitserinnerung: „Ich bin auf dem Bauernhof großgeworden und habe als Kind und Jugendlicher auf den Feldern gearbeitet.“ Bis heute sind die Felder, die er von seinen Eltern vererbt bekam, in seinem Besitz und er genießt die Trips dorthin sehr. Wenn da nicht der Landwirtschaftsweg wäre, der ihm große Bauchschmerzen bereitet. Das ist ein wunderbarer Weg. „Wenn kein Auto kommt, kann man auch da sehr ungestört fahren.“ Aber wenn dann doch mal ein Auto kommen sollte, sei das echt gefährlich für Fußgänger und Radfahrer: „Sie machen einfach keinen Platz und man muss auf den Acker ausweichen, um nicht vom Auto erwischt zu werden." Bei jedem Besuch seiner Felder muss er das beobachten.
Wichtig für Verkehrsinfrastruktur
Die Rennstraße sei jedoch ein echtes Herzstück von Kleinostheims Infrastruktur, betont Bürgermeister Dennis Neßwald: „Sie stellt eine direkte Verbindung zwischen Kleinostheim und Mainaschaff dar, insbesondere für den östlich der Bahnstrecke gelegenen Ortsbereich, und dient bei Verkehrsstörungen auf der Bundesstraße zusätzlich als Ausweich- und Rettungsstrecke.“ Doch manche Verkehrsteilnehmer benutzen die Rennstraße auch als Parkmöglichkeit. Dennis Neßwald ist das im landwirtschaftlichen Bereich der Straße noch nicht aufgefallen: „Lediglich im Bereich des Sportgeländes sowie des Wertstoffcontainerplatzes werden regelmäßig Fahrzeuge abgestellt, etwa im Zusammenhang mit dem Spielbetrieb oder Gaststättenbesuchen. In diesem Bereich ist die Fahrbahn jedoch breiter ausgebaut, sodass hierdurch in der Regel keine erheblichen Verkehrsbehinderungen entstehen.“
Gemeinde stiehlt Eigentum?
Doch der fehlende Sicherheitsabstand und die parkenden Autos ist bei weitem nicht der einzige Aufreger für Bruno Braun an dieser Straße. Schon vor ein paar Jahren hätte die Gemeinde ohne Erlaubnis der Eigentümer pro Seite 1.5 Meter Ackerfläche „gestohlen“, um die Straßenbreite zu verdoppeln. Kleinostheims Bürgermeister Dennis Neßwald verneint jedoch Bruno Brauns Vorwurf: „Die Rennstraße wurde bereits 1965 ausgebaut. Tatsache ist, dass sie in kleineren Teilbereichen über Privatgrundstücke verläuft. Dabei handelt es sich jedoch nur um geringfügige Überbauungen. Die asphaltierte Fahrbahn entspricht mit rund vier Metern im Wesentlichen der Breite des gemeindlichen Straßengrundstücks.“
Eigentümer muss teuer klagen
Doch ganz so leicht gibt Bruno Braun nicht nach und beginnt mit der Gemeinde Kleinostheim zu verhandeln: Als Grundstückseigentümer wollte ich erst einmal für die Wegnahme des Landes entschädigt werden. Doch die Verhandlungen endeten ergebnislos. Und dann habe ich Klage beim Verwaltungsgericht Würzburg eingereicht.“ Und günstig ist die Klage auf alle Fälle nicht - 20.000 Euro muss der Feldeigentümer in die Hand. Mittlerweile sind zwei Jahre vergangen und bisher ist nichts geschehen. Kürzlich hat sich das Verwaltungsgericht wieder zu einem Ortstermin gemeldet. Doch auch der wurde erneut um zwei Monate hinausgezögert. Aufgrund ihrer verkehrlichen Bedeutung für die Gemeinde und ihrer Funktion als Gemeindeverbindungsstraße soll sie grundsätzlich weiterhin allen zulässigen Verkehrsteilnehmern zur Verfügung stehen. Seitens der Gemeinde Kleinostheim sei ein Ausbau der Straße auch nicht ausgeschlossen. Dafür müssten sich jedoch Bürgermeister und Eigentümer einig werden.
