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„Haben nichts zu verlieren!“

19.09.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
KW38 TV Moemlingen

MÖMLINGEN (to). „Den hätte ich für verrückt erklärt“ - antwortet Klaus Peter Wolf, der Teammanager des TV Mömlingen auf die Frage, wie er reagieren würde, wenn ihm vor fünf Jahren jemand gesagt hätte: Der TV Mömlingen spielt 2. Volleyball-Bundesliga. Doch genau dieser Traum ist jetzt Realität. Nach dem Aufstieg aus der Regionalliga in die 3. Liga gelang dem TV Mömlingen in der vergangenen Saison der nächste große Coup. Als Aufsteiger gestartet, holte sich das Team überraschend die Meisterschaft und sicherte sich damit den Sprung in die 2. Bundesliga. Doch mit dem sportlichen Erfolg kamen auch viele neue Aufgaben auf den Verein zu. Hinter den Kulissen mussten Strukturen angepasst, finanzielle Voraussetzungen geschaffen und zahlreiche Helfer gefunden werden, damit das Abenteuer überhaupt möglich wird. 

Nach dem letzten Saisonspiel gegen Hammelburg lud der TV Mömlingen seine Fans ein, gemeinsam mit der Mannschaft auf die historische Saison anzustoßen. 650 Zuschauer kamen in die Halle, danach ging es für Spieler, Verantwortliche und Anhänger noch weiter. „Wir haben dann mit den Fans zusammen gefeiert und sind anschließend wieder in unsere Stammkneipe, die Pizzeria Limoncello, gegangen“, erzählt Klaus Peter Wolf. Doch nach der großen Aufstiegsfeier wartete auf den Verein erstmal jede Menge Arbeit.

Die Herausforderung danach 
Der Sprung in die 2. Bundesliga bringt auch abseits des Spielfelds viele neue Anforderungen mit sich. Um in der neuen Liga starten zu können, musste der TV Mömlingen unter anderem seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachweisen, neue Strukturen schaffen und zahlreiche organisatorische Aufgaben bewältigen. „Wir mussten uns professioneller aufstellen“, erklärt Wolf. Besonders rund um die Heimspiele gibt es deutlich mehr Vorgaben: Livestream mit Kameras, Regisseur und Kommentator gehören künftig genauso dazu wie ein größerer Helferstab. „Früher hat die Mannschaft teilweise noch die Halle aufgebaut oder Brötchen geschmiert. Jetzt übernehmen das Teams aus dem Verein, damit sich die Spieler komplett auf das Spiel konzentrieren können.“ Diese Herausforderungen konnte der TV Mömlingen meistern: In der Saison 2026/27 darf der Verein erstmals in der 2. Bundesliga Süd an den Start gehen. Zum Auftakt wartet an diesem Samstag (19.9.) direkt ein echter Brocken: Auswärts geht es zum VC Gotha. Die Thüringer wurden in der vergangenen Saison Meister der Südstaffel und sicherten sich anschließend auch den Gesamttitel - trotzdem spielen sie in dieser Saison nochmal in Liga 2. Einen perfekten Start erwischte Gotha allerdings nicht - zum Auftakt gab es eine knappe 2:3-Niederlage gegen Leipzig. 

Neuer Trainer und weitere Verstärkung 
Auch auf dem Spielfeld hat sich beim TV Mömlingen einiges verändert. Mit Christian Sossenheimer steht ein neuer Trainer an der Seitenlinie. Er kommt vom VC Wiesbaden aus der Bundesliga der Frauen und soll der Mannschaft nochmal neue Impulse geben. „Durch Christian ist das Ganze professioneller geworden. Die Trainingsintensität ist viel höher“, erklärt Klaus Peter Wolf. Statt zweimal pro Woche wird mittlerweile dreimal trainiert – außerdem kann das Team häufiger auf dem Großfeld trainieren, was für die Vorbereitung auf die Zweitliga-Partien besonders wichtig ist. Auch im Kader gab es einige Veränderungen. Der Kern der Aufstiegsmannschaft ist zwar zusammengeblieben, trotzdem hat sich der TV Mömlingen gezielt verstärkt. Neu dabei sind unter anderem Jason Lieb und Matthis Hau, die beide aus Eltmann kommen, René Müller aus Bad Vilbel sowie der Franzose Tho­mas Bris­sot. Vor allem die Verpflichtung von Bris­sot ist eine besondere Geschichte: Über seine Freundin, die aus Lützelbach kommt, entstand der Kontakt nach Mömlingen. Aktuell wartet der Verein noch auf die endgültige Freigabe des internationalen Verbands. „Die Zusagen sind da, die Gelder sind bezahlt – jetzt warten wir eigentlich nur noch auf den letzten Haken“, sagt Wolf. Dann darf der Neuzugang aus Frankreich offiziell für die Mömlinger auf dem Feld stehen. 

Das große Ziel
Trotz des spektakulären Aufstiegs bleibt man beim TV Mömlingen realistisch. Das Ziel für die erste Saison in der 2. Bundesliga ist klar: „Wir wollen die Klasse halten, alles, was obendrauf kommt, ist super“, erklärt der Teammanager. Trotzdem geht Mömlingen mit Selbstvertrauen in die neue Herausforderung. Mit Blick auf das Auftaktspiel in Gotha sagt Wolf: „Wir haben nichts zu verlieren!“ Als Außenseiter wolle man den Meister der vergangenen Saison ärgern – und den nächsten Schritt in der unglaublichen Entwicklung des Vereins machen.