"Im Sand sind alle gleich"

JOHANNESBERG-STEINBACH (wk). Sand unter den Füßen, Sonne im Gesicht und zwei Spieler, die ein ganzes Feld abdecken müssen: Beachvolleyball sieht oft nach Urlaub aus, ist aber ein richtig anspruchsvoller Sport. Beim SV Steinbach geht es um Kraft, Kondition, Technik, Taktik - und um dieses besondere Gefühl, das nur der Sandplatz liefert.
Gespielt wird in Steinbach vor allem zwei gegen zwei. Und genau das macht den Reiz aus. Während in der Halle sechs Spieler auf dem Feld stehen und jeder seine feste Rolle hat, müssen beim Beachvolleyball beide Spieler alles können. Annahme, Zuspiel, Angriff, Block, Abwehr – es gibt keine Spezialrolle, hinter der man sich verstecken kann. Pro Seite müssen zwei Spieler ein Feld von acht mal acht Metern abdecken. Im Sand kostet jeder Schritt mehr Kraft, jeder Sprung ist schwerer und jeder Ball muss schnell gelesen werden. „Das erfordert Kondition, aber auch Konzentration“, erklärt Patrick Ehmann, Abteilungsleiter Beachvolleyball beim SV Steinbach.
Schnelle Entscheidungen
Beachvolleyball ist deshalb viel mehr als ein lockeres Spiel am See. Wer steht wo? Kommt ein harter Angriff oder ein kurzer Ball? Wird geblockt oder abgesichert? Viele Entscheidungen fallen innerhalb weniger Sekunden. Gerade dieses Zusammenspiel aus Bewegung, Technik und Kopf macht den Sport so spannend. Dazu kommt: Fehler lassen sich im Sand kaum verstecken. Wenn nur zwei Spieler auf dem Feld stehen, ist jeder Ball wichtig. Eine schlechte Annahme, ein ungenaues Zuspiel oder ein Moment zu spät in der Abwehr können direkt den Punkt kosten. Für Anfänger ist dabei nicht nur die Technik entscheidend. Wichtig ist vor allem das Spielverständnis. Ehmann nennt es das richtige Mindset. Drucksituationen, knappe Punkte und Turniermomente lernt man vor allem durch viel Spielen. Auch Spieler aus der Halle merken im Sand schnell, dass Beachvolleyball eigene Regeln hat. Beim SV Steinbach gibt es rund 30 bis 35 Aktive in der Volleyballabteilung. Regelmäßig trainiert eine kleinere Gruppe von etwa zehn bis zwölf Personen. Mehr Leute sind willkommen, denn gerade Beachvolleyball lebt davon, dass genug Spieler auf dem Platz stehen und sich gegenseitig besser machen.
King of the Beach
Eine besondere Rolle spielt in Steinbach das Turnierformat „King of the Beach“. Dabei meldet man sich nicht als festes Team an, sondern als Einzelperson. Die Partner wechseln, gespielt wird in Gruppen und später in Zwischen- und Endrunden. Der große Vorteil: Alle spielen lange. „Von morgens um 10 bis abends um 18 Uhr spielen alle gleich lang“, sagt Ehmann. Niemand ist nach zwei verlorenen Spielen raus, niemand fährt früh wieder heim. Auch körperlich hat Beachvolleyball seinen eigenen Charakter. Der Sand macht das Spiel anstrengender, aber auch gelenkschonender. Ehmann hat früher 33 Jahre Fußball gespielt. Beim Beachvolleyball sei die Belastung eine andere. „Wir haben Leute bei uns, die sind 60, 62, sogar teilweise über 70, die mit uns noch Volleyball spielen“, erzählt er. Genau das zeigt: Beachvolleyball ist nicht nur Sommersport für junge Athleten. Wer Lust auf Bewegung hat, kann einsteigen. „Das ist ein Lebensgefühl“, sagt er. Auf dem Sand zählt nicht, welchen Beruf jemand hat oder welchen Status er mitbringt. „Im Sand sind alle gleich. Einfach mal vorbeikommen und es ausprobieren.“




