Die dunkle Seite der (KI)-Macht

ASCHAFFENBURG (lt). Ein KI-gesteuertes Internet, Roboter, die wie in Science-Fiction-Filmen die Weltherrschaft übernehmen oder eine große Cyberattacke: Die rasante Entwicklung der KI gibt vielen zu denken und auch immer mehr Hersteller wollen auf die Bremse drücken, denn plötzlich ist in den Medien immer wieder vom „Ende der Menschheit“ die Rede. Was sagen KI-Experten der TH Aschaffenburg zu der rasanten Entwicklung der KI und was die Menschen am Bayerischen Untermain?
KI gibt es tatsächlich länger als man vielleicht denken würde - den ersten Chatbot bereits 1966. Die Explosion der KI kam dann in der Corona-Pandemie und eröffnete damit neue Forschungsmöglichkeiten. „Im weitesten Sinne kann durch KI vieles verbessert, beschleunigt und die Qualität entsprechend erhöht werden“, so der KI- Experte Prof. Dr. oec. HSG Holger von Jouanne-Diedrich. Vor allem für sogenannte Repetitive Aufgaben wird KI gerne genutzt, wie zum Beispiel das Vorsortieren und Beantworten von Mails. Doch das große Problem: KI entwickelt sich so rasant, dass der Mensch nicht mehr mithalten kann. Die Forschung geht sogar von einem exponentiellen Wachstum aus. „Am Anfang sieht eine exponentielle Entwicklung sehr flach und linear aus, doch dann geht es steil nach oben“, beschreibt Jouanne-Diedrich. Dadurch könnten durch immer mächtiger werdende KI Aufgaben gelöst werden, die noch vor kurzer Zeit unlösbar waren. „KI frisst sich in einer Geschwindigkeit durch alle menschlichen Bereiche, die etwas mit geistiger Arbeit zu tun haben, die selbst Experten wie mich überrascht“, so der Professor.
KI macht sich selbstständig
Immer beunruhigender: KI zeigt Anzeichen von selbständigem Verhalten und Entwickeln. Deshalb drücken jetzt große KI-Unternehmen auf die Bremse - so auch Anthropic. Der Chef Dario Amodei warnt in seinem veröffentlichten Essay, dass die KI außer Kontrolle gerate. Im nächsten Jahr könnten laut ihm ganze KI-Schwärme das Internet lahmlegen. Deshalb ist sein Apell klar:
„Wir müssen das Tempo drosseln, mit dem wir die Fähigkeiten von KI-Modellen verbessern. Der Fortschritt wird dennoch rasant erscheinen, und wir müssen die gewonnene Zeit sinnvoll nutzen.“ - Anthropic-Chef Dario Amodei
Wie gefährlich ist KI?
KI selbst ist nicht die Gefahr: Sie wird erst dann gefährlich, wenn sie in die falschen Hände gerät. Zum Beispiel könnte sie sich in andere Computersysteme hacken oder bei der Forschung in Biotechnologie - wie das Entwickeln von Viren - helfen. Doch könnten diese Gefahren wirklich die Auslöschung der Menschheit bedeuten? Denn genau an solchen Aussagen kam man in den letzten Wochen kaum noch in den Medien vorbei. Jouanne-Diedrich schätzt die Gefahr ein: „Es ist etwas, was man nicht von vornherein komplett ausschießen sollte, aber ich halte es nicht für besonders wahrscheinlich.“ Sein Kollege Prof. Dr. Boris Bauke ergänzt: Auch die Wahrscheinlichkeit eines Meteoroideneinschlags liege nicht bei 0 Prozent. Viel realistischer sieht Jouanne-Diedrich die Gefahr der Ressourcenknappheit, die durch KI weiter gefördert wird - immer mehr Strom und Wasser fließen in die KI-Forschung. Von den Auswirkungen des demographischen Wandels über Industriestrukturproblemen bis hin zu Herausforderungen im Renten- und Gesundheitssystem: In den richtigen Händen könnte KI jedoch die großen Probleme unserer Zeit lösen, so Prof. Bauke.
Mit der Zeit gehen
In vielen Bereichen wird KI unser Leben auf den Kopf stellen - dazu zählt auch die Jobwelt: „Der Arbeitsmarkt wird sich massiv ändern“, erklärt Jouanne-Diedrich. Denn KIs werden weder krank, noch brauchen sie Erholung. Sie sind rund um die Uhr für effiziente Arbeit bereit und das auch noch wesentlich kostengünstiger. Vor allem in Branchen in denen KI verwendet wird, zeichnet sich bereits ab, dass weniger Berufseinsteiger gesucht werden. Stattdessen sind die Berufserfahren gefragt, denen ebenfalls neue Aufgabenbereiche zugeordnet werden. „Deswegen müssen wir als Hochschule unsere Absolventen so ausbilden, dass sie direkt in höhere Positionen einsteigen können.“
Geburtstagsgrüße vs. Biowaffen
Wichtig ist, dass man zwischen Privatgebrauch und dem KI-Gebrauch in der Wissenschaft unterscheidet: „Das Problem sind nicht die Geburtstagsgrüße, die Sie mit KI formulieren, sondern wir sehen, dass KI immer mehr zum Akteur wird“, warnt Jouanne-Diedrich. Die beiden Professoren sind sich vor allem bei einem einig: Keine KI zu benutzen, sei auch nicht die Lösung: „Es würde uns meines Erachtens mehr schaden als nützen. KI wird wichtiger und größer. Sich nicht damit zu beschäftigen, halte ich für fahrlässig. Aktives Beschäftigen und Nutzen hilft Kompetenzen zu erwerben und die ermöglichen das Mitgestalten von KI“, rät Bauke.
Straßenumfrage
Armin Weigand aus Schaafheim
„KI ist Fluch und Segen zugleich. Man erfährt sehr viel sehr schnell, es kann aber genauso gut was passieren. Man sieht, was bis jetzt alles schon passiert ist und, dass verschiedene Unternehmen schon beeinträchtigt waren durch die KI.“
Petra Weigand aus Schaafheim
„Es endet jetzt nicht, aber es könnte schon etwas passieren. In den ganzen Science-Fiction-Filmen von früher hat sich KI auch selbstständig gemacht. Also es ist schon ein bisschen Angst da, aber wir haben weniger mit KI zu tun, als die jüngere Generation.“
Norbert Weinzetl aus Babenhausen
„Ich glaube, dass KI zum Beispiel für Kinder, die sie in der Schule zu viel verwenden, gefährlich sein kann. Ich hoffe einfach, dass da aufgepasst wird, dass die Menschheit nicht ausgerottet wird. Ich finde KI schon gut und benutze sie selbst im Alltag.“
Stefanie Burdack aus Aschaffenburg
„Ich denke, dass sich KI zumindest schneller entwickelt als viele andere Ding. Meine Hoffnung ist, dass KI nur das kann, was wir ihr beibringen und man es darüber vielleicht regulieren kann. Ich finde es beeindruckend, was man mit KI alles machen kann und hoffe, dass meine Kinder, weil sie damit aufwachsen, es besser einschätzen können in Zukunft als ich. So wie ich es besser einschätzen kann als meine Eltern.“
Hugo Mailänder aus Aschaffenburg
„Ich habe ein bisschen Angst vor der Gefahr, weil man weiß nicht, wo sich das hin entwickelt. Es geht einfach so schnell. Ich glaube nicht, dass KI das Ende der Menschheit bedeuten wird. So dramatisch ist es jetzt nicht, aber dem Menschen tut es für die eigene Entwicklung nicht gut.“
Giray Mutlu aus Aschaffenburg
„Letztendlich ist es selbst jedem überlassen, aber man sollte an KI vorsichtig rangehen und zweimal überlegen, was man fragt. Ich denke, die Entwickler würden auch Angst haben und aufpassen müssen. Das würde deren Karriere genauso kaputt machen. Man muss bei allem, was elektronisch ist, auch bei Autos, die ohne Fahrer funktionieren, immer aufpassen. Aber man geht mit der Zeit und lässt es auf sich zukommen, was passiert.“
Julius Rommert aus Schöllkrippen
„Ich benutze KI jeden Tag. Ich frage da zum Beispiel: Was kann ich heute Abend in Aschaffenburg unternehmen oder wie finde ich hier neue Freunde? Für die Uni benutze ich KI auch, aber oft bekomme ich da keine guten Antworten. Es kann schon sein, dass KI gefährlich werden kann, aber ich denke nicht, dass sie uns auslöscht. Aber sie wird die Berufswelt verändern.“
Julia Greupner aus Aschaffenburg
„Ich bin Studentin und in Seminaren benutzen wir keine KI. Manche Profs befürworten, wenn wir KI zum Lernen benutzen, manche nicht. Ob man sich dann drangehalten hat, ist eine andere Sache.“
Veronika Arnold aus Alzenau
„Man kann es bald kaum nicht mehr aushalten. Überall ist KI, aber es gibt einen Knopf, um abzuschalten. Die Medien spielen die Situation gerade sehr hoch. Das ist nur Panikmache. Irgendwann wird Stopp gesagt. Im Alltag benutze ich KI bei gewissen Situationen, in denen ich Rat brauche. Zum Beispiel heute hat die Markise nicht funktioniert und ich habe mit KI nach dem Grund gesucht.“