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Katastrophenschutz unter Hochspannung

13.09.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
Umspannwerke Collage 800x500px

BAYER. UNTERMAIN (acm). Diese Fälle haben in den vergangenen Tagen ganz Deutschland schockiert: An mehreren Umspannwerken in verschiedenen Bundesländern wurden Spreng-Vorrichtungen gefunden, von Sabotage-Angriffen und Klimaextremismus ist die Rede. Inzwischen ist ein 48-jähriger Tatverdächtiger festgenommen worden. Doch auch bei uns stellt sich die Frage: Wie sicher ist unsere Stromversorgung? Was, wenn unsere Umspannwerke ins Visier Krimineller geraten?

„Kommunikation, Gesundheitsversorgung, Mobilität und Lebensmittelversorgung – all diese Bereiche wären eingeschränkt, gestört oder würden ausfallen, wenn es zu einem großflächigen und langanhaltenden Stromausfall kommen würde“, sagt Michael Steiner vom Amt für Brand- und Katastrophenschutz in Aschaffenburg. Bei uns am Bayerischen Untermain gibt es mehrere Umspannwerke – unter anderem in Strietwald, Stockstadt, Karlstein und Miltenberg. Die AVG will aus Sicherheitsgründen keine Details zu Schutzmaßnahmen nennen. Technik-Bereichsleiter Patrick Sauer sagt aber: „Unsere Schutzkonzepte werden regelmäßig geprüft und an die aktuelle Gefährdungslage angepasst.“ Ein einzelner Ausfall soll also nicht direkt dafür sorgen, dass bei tausenden Menschen das Licht ausgeht: „Grundsätzlich werden Versorgungsnetze nach dem n-1-Prinzip errichtet. Der Ausfall einzelner Komponenten kann dadurch kompensiert werden.“

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Umspannwerk in Aschaffenburg

Kirchzell zeitweise komplett abgeschnitten

Dass ein Stromausfall tatsächlich mehrere Orte gleichzeitig lahmlegen kann, zeigt ein Fall aus dem Jahr 2022: „Der Stromausfall kann mehrere Ortschaften treffen, wie beispielsweise beim Stromausfall in Kirchzell im Jahr 2022“, bestätigt das Landratsamt Miltenberg. Nach heftigen Schneefällen und umgestürzten Bäumen waren damals zeitweise 15 Ortschaften mit rund 7.500 Menschen ohne Strom. Besonders betroffen war Kirchzell: Plötzlich war nicht nur der Strom weg – auch Telefon und Handy blieben stumm. Mehr als 20 Menschen verbrachten die Nacht im notstromversorgten Rotkreuz-Haus. Auch für einen solchen Fall sind die Behörden heute vorbereitet. Krankenhäuser und Leitstellen seien notstromversorgt, heißt es aus dem Landratsamt Miltenberg. In Aschaffenburg geht die Planung noch einen Schritt weiter: „Die Planungsgrundlage bezieht sich immer auf mindestens 72 Stunden“, sagt Steiner zur Versorgung mit Notstrom. Darüber hinaus könne sie aufrechterhalten werden, solange ausreichend Kraftstoff verfügbar sei.

Wenn Handy und Internet verstummen

Ein großes Problem bei einem längeren Stromausfall: Irgendwann können auch Telefon und Internet nicht mehr funktionieren. Für diesen Fall gibt es fast überall bei uns sogenannte Notfall-Meldestellen. „Dort können die Bürgerinnen und Bürger bei Ausfall der Telefonkommunikation in einem Notfall gezielte Hilfe anfordern und Informationen zur Situation beziehungsweise Handlungsanweisungen einholen“, erklärt Steiner. Weil diese Anlaufstellen im ansonsten dunklen Stadtgebiet beleuchtet wären, werden sie auch „Leuchttürme“ genannt. Auch im Landkreis Miltenberg sollen Rathäuser und Feuerwehrgerätehäuser im Ernstfall zu wichtigen Anlaufstellen werden. Wie wichtig das sein kann, zeigte bereits der Stromausfall von 2022: Damals wurden in den betroffenen Orten Feuerwehrhäuser besetzt, damit die Menschen trotz ausgefallener Kommunikation Hilfe holen konnten.

Vorbereitung ist alles

Wie wahrscheinlich ein gezielter Angriff auf ein Umspannwerk am Bayerischen Untermain ist, lässt sich kaum vorhersagen. Die Katastrophenschützer empfehlen deshalb, unabhängig von der Ursache auf einen längeren Stromausfall vorbereitet zu sein. „Der Ratgeber ‚Vorsorgen für Krisen und Katastrophen‘ des BBK fasst Vorbereitungs- und Handlungsempfehlungen für verschiedene Notsituationen zusammen“, sagt Steiner. Dazu gehören unter anderem ausreichend Trinkwasser, haltbare Lebensmittel, Medikamente, Taschenlampen und ein batteriebetriebenes Radio. Wenn tatsächlich der Strom ausfällt, zählt vor allem eines: vorbereitet sein. Denn niemand weiß, ob es nur wenige Stunden dunkel bleibt – oder ob eine ganze Region länger betroffen ist.

Umfrage

Maria Benad aus Niedersteinbach:

„Ich fühle mich aktuell nicht so gut, bei dem, was man mitbekommt. Ich bin ja abhängig von Strom. Vorsorge treffen kann ich nur gering. Ich fühle mich ausgeliefert! Die Politik ist gefordert und sollte was dagegen tun, aber relativ aktiv und schnell!“

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Maria Benad aus Niedersteinbach

Jutta Bauer-Seibt aus Goldbach:

„Es gibt einem natürlich schon zu denken, vor allem dahingehend, warum Menschen sowas überhaupt machen. Weil es klar ist, dass dadurch unsere Sicherheit beeinträchtigt wird.“

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Jutta Bauer-Seibt aus Goldbach

Jürgen Niegisch, Altbürgermeister aus Blankenbach:

„Unsere Infrastruktur ist generell sehr schlecht geschützt. Dass da nicht schon mehr passiert ist in den letzten Jahrzehnten, wundert mich. Aber alles zu schützen, ist unmöglich.“

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Jürgen Niegisch, Altbürgermeister aus Blankenbach

Annerose Hauser aus Mainaschaff:

„Also ich find’s schon besorgniserregend, aber ich fühle mich trotzdem sicher. Es ist sehr schwierig, diese Umspannwerke kontinuierlich zu beobachten. Man kann einfach nicht 100 % für Sicherheit sorgen. Wenn da mal was ausfällt für ein paar Tage, ist es in Ordnung – ich werde nicht verhungern!“

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Annerose Hauser aus Mainaschaff

Dao Lam aus Aschaffenburg:

„Ich fühle mich nicht unsicher, aber es gibt natürlich Anlass, Vorbereitungen zu treffen.“

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Dao Lam aus Aschaffenburg

Wolfgang Seibt aus Goldbach:

„Ich glaube, dass man vielleicht bei der Infrastruktur doch an entscheidender Stelle erheblich nachrüsten müsste, was die Sicherheitsvorkehrungen angeht. Und, dass man vielleicht auch mal systematisch durchgeht, was könnten künftige Anschlagsziele sein und wie könnte man sie besser schützen?“

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Wolfgang Seibt aus Goldbach

Joachim Kunz aus Kirchzell:

„Ich glaube, dass man vielleicht bei der Infrastruktur doch an entscheidender Stelle erheblich nachrüsten müsste, was die Sicherheitsvorkehrungen angeht. Und, dass man vielleicht auch mal systematisch durchgeht, was könnten künftige Anschlagsziele sein und wie könnte man sie besser schützen?“

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Joachim Kunz aus Kirchzell

Uwe Lehmann aus Amorbach:

„Wir haben ja viele von den Dingern über viele Jahrzehnte und jetzt hat´s mal eins erwischt. Und ich hoffe, dass die denjenigen kriegen, der das war, und dementsprechend auch bestrafen. Ich hoffe, dass das ein Einzelfall war.“

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Uwe Lehmann aus Amorbach