"Ich bin weiterhin überzeugt, dass ich helfen kann!"
ASCHAFFENBURG (to). Die Gewissheit kam am Dienstagabend um 22:28 Uhr: Greuther Fürth gewann das Relegationsrückspiel gegen Rot-Weiss Essen mit 2:0 (1:0) und machte damit den Klassenerhalt in der Zweiten Liga perfekt. Gleichzeitig wussten die Anhänger von Viktoria Aschaffenburg, dass der letzte Regionalliga-Strohhalm gerissen war. Die Fürther bleiben zweitklassig, ihre Reserve muss nicht zwangsweise aus der Regionalliga runter. Für die Viktoria ist der Abstieg damit offiziell. Einen Tag später stellte sich Sportvorstand Felix Magath dem PrimaSonntag-Interview:
Herr Magath, wie haben Sie die Relegationsspiele verfolgt, die der Viktoria bis zuletzt noch Hoffnung gegeben hatten?
„Ich habe die Spiele verfolgt! Man hofft halt immer - und das habe ich auch am Dienstagabend getan. Die Hoffnung war ja durchaus berechtigt. Es war nicht so, dass Rot-Weiss Essen keine Möglichkeiten hatte, sie hatten einige Chancen. Aber das Ergebnis spricht am Ende für Fürth und somit sind die Dinge klargestellt. In so einer Relegation ist es schwer, etwas vorherzusehen. Da sind beide Mannschaften mit Chancen in der Partie. Nach dem 1:0-Hinspiel von Essen war es durchaus möglich, dass sie ein Ergebnis erzielen, das für die Zweite Liga gereicht hätte.“
Matthias Hartmann sagte bei uns im Interview: „Wir haben es selbst verbockt.“ Teilen Sie diese Einschätzung?
„Es ist eine Saison zu Ende gegangen, die von Beginn an unter schwierigen Vorzeichen gestartet ist. Als wir im November die Möglichkeit hatten, den Vorstand der Viktoria zu übernehmen, war uns bewusst, dass die Gefahr eines Abstiegs da war. In diesem Bewusstsein haben wir das Amt übernommen und versucht, die Kurve noch zu kriegen. Letztendlich waren es verschiedene Umstände, die dazu geführt haben, dass der Klassenerhalt nicht gelungen ist. Das fängt bei Verletzungen von Spielern an, die man eingeplant hatte. Ein anderer Grund war natürlich, dass wir nicht in der Lage waren, uns wegen der finanziellen Möglichkeiten in der Winterpause ausreichend zu verstärken. Uns war klar, dass auch ein bisschen Glück dazugehört hätte, diese Saison möglichst gut zu Ende zu spielen. Dieses Glück hatten wir nicht. Somit haben wir, glaube ich, das Beste rausgeholt. Wir hatten bis zum Schluss die Hoffnung, noch dabei zu sein. Am Ende hat es nicht gereicht, und das ist schade!“
Kann man den Abstieg auch als Chance sehen?
„Ja, selbstverständlich. Wir haben ja die Beispiele in der Bundesliga. Der HSV, mein Verein, war sieben Jahre in der Zweiten Liga und hat jetzt trotzdem sein Comeback gefeiert. Das Volksparkstadion war immer voll, die Zuschauer sind zufrieden, und der HSV ist wieder da, wo er hingehört. So stelle ich mir das bei der Viktoria natürlich auch vor. Die Fans in Aschaffenburg sind in den letzten Jahren nicht unbedingt verwöhnt worden. Jetzt müssen wir uns mehr anstrengen, um sie wieder zurückzuholen. Wir wollen den Fans mit der Viktoria ein Erlebnis bieten. Da hat das letzte Vierteljahr sehr viel Mut gemacht. Das hat sich sehr gut entwickelt, und wir werden auf diesem Weg weitergehen. Ich bin völlig sicher, dass wir auch die Aschaffenburger in den nächsten Monaten überzeugen werden, dass die Viktoria wieder Zukunft hat und auch im Fußball wieder eine gute Rolle spielen wird.“
Wäre mehr möglich gewesen, wenn Trainer Felix Lutz früher übernommen hätte?
„Ich denke, das kann man guten Gewissens so sagen. Die Spiele im März und April haben gezeigt, dass wir, wenn wir vorher in dieser Art gepunktet hätten, mit dem Abstieg nichts zu tun gehabt hätten. Aber es waren verschiedene Umstände, die dazu geführt haben, dass man erst etwas später in den Tritt gekommen ist. Man muss damit leben, dass man auch Umstände zu akzeptieren hat, die man nicht beeinflussen kann und die dann nachteilig für eine Mannschaft sind.“
Wie hat sich der Zusammenhalt im Verein seit der Mitgliederversammlung verändert und was konnten Sie in der kurzen Zeit überhaupt beeinflussen?
„Ich denke, da hat sich sehr vieles verbessert. Das Spiel der Mannschaft hat sich verändert, die ganze Atmosphäre hat sich verändert. Die Spieler waren mit Begeisterung und Engagement bei der Sache, und auch das Umfeld hat sich positiv verändert. Es ist eine ganz andere Stimmung, als das noch letztes Jahr der Fall gewesen ist. Deshalb sage ich auch jetzt, obwohl der Abstieg feststeht, dass es richtig war, diese Entscheidung zu treffen. Wir sind insgesamt vorwärts gekommen, und was die Zukunft der Viktoria betrifft, ist mir nicht bange. Wir sind erst Anfang November dazu gekommen. Dennoch haben wir in der Rückrunde auf Augenhöhe mit anderen Vereinen gespielt. Wir haben noch einiges aufgeholt, aber nicht genug, um in der Liga zu bleiben.“
Sie sprechen weiter von „wir“. Bleiben Sie also bei der Viktoria an Bord?
„Ich habe von Anfang an deutlich gemacht, und deswegen habe ich ja auch eine Funktion im Vorstand übernommen, dass ich nicht für ein paar Tage hier bin. Ich habe mich von den Mitgliedern wählen lassen, um der Viktoria in der Zeit, für die ich gewählt bin, zur Verfügung zu stehen. Mir geht es darum, den Verein Viktoria Aschaffenburg mitzuentwickeln. Ich kann es nicht allein, das habe ich von Anfang an gesagt. Ich kann meine Lebensumstände nicht völlig umwerfen und werde nicht immer vor Ort sein. Aber ich bin weiterhin überzeugt, dass ich der Viktoria helfen kann. Die ersten Monate haben gezeigt, dass wir eine gute Entwicklung eingeleitet haben, und so machen wir auch weiter. Das ist auf drei Jahre angelegt. Danach werden wir sehen, wo wir stehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Viktoria wieder in andere Bereiche bringen, als sie sich in der letzten Saison aufgehalten hat.“
Wird die Jugend in der kommenden Saison eine größere Rolle spielen?
„Das ist das Hauptmerkmal unserer Tätigkeit. Da sind wir uns im Vorstand völlig einig: Wir wollen die Entwicklung im Jugendbereich voranbringen, damit wir Jugendspieler entwickeln, die bei uns in der ersten Mannschaft spielen. So werden wir sicher auch in der kommenden Saison den einen oder anderen unserer Jugendspieler in der ersten Mannschaft wiederfinden. Jedenfalls werden wir das verschiedenen Spielern anbieten und deutlich machen, dass eine Entwicklung bei der Viktoria in der Jugend auch in die erste Mannschaft münden soll. Die Viktoria hat immer gute Jugendspieler gehabt, und das ist auch jetzt der Fall. Diese Entwicklung soll in Zukunft noch deutlicher werden.“
Ein ehemaliger Viktoria-Jugendspieler steht jetzt im WM-Kader: Was sagt diese Entwicklung über Lennart Karl und die Nachwuchsarbeit bei der Viktoria aus?
„Er hat in den letzten Monaten oder in den letzten zwei Jahren eine fantastische Karriere gemacht. Daran sieht man, was möglich ist und dass bei der Viktoria in der Jugend immer gut ausgebildet wurde. Es ist schön, wenn man jemanden hat, der dann im internationalen Fußball zu Hause ist, aber auch bei der Viktoria eine Rolle gespielt hat.“